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Wurde in letzter Sekunde ein riesiger Terror-Anschlag verhindert? Mit Peter Neumann

RONZHEIMER.

October 1, 2026

Ein Flug auf dem Weg nach Tel Aviv gerät außer Kontrolle: Der Co-Pilot soll den Kapitän im Cockpit mit einem Messer angegriffen haben. Die Maschine setzt zunächst den allgemeinen Notfallcode 7700 ab, wenig später folgt 7500 – das internationale Signal für eine Flugzeugentführung.

Speakers Peter Neumann, Paul Ronzheimer

TopicsPoliticsNewsDaily News

Peter Neumann (0:00)

Aber wenn das alles nicht funktioniert, dann könnte die Schlussfolgerung sein, wir haben es mit einem suizidalen Piloten zu tun. Wir sind jetzt weniger als eine Stunde von Tel Aviv entfernt.

Wenn der jetzt weiter fliegt und wir stoppen ihn nicht, dann ist möglicherweise das Ziel ein Gebäude in Tel Aviv. Viele, viele Menschen könnten sterben. Riesiger Terror-Anschlag. Wir kommunizieren das jetzt weiter und das muss dann von der höchsten politischen Stelle entschieden werden, was dann passiert. Notfalls, wenn die den Befehl bekommen, dann könnte der Befehl auch auf Abschluss lauten.

Paul Ronzheimer (0:38)

Als es die ersten Eilmeldungen gab über eine mögliche Flugzeugentführung, habe ich sofort an 9-Eleven gedacht. Und natürlich haben wir uns den ganzen Tag damit beschäftigt, denn heute wurde durch sehr viel Mut gewöhnlicher Menschen, man könnte sagen wie durch ein Wunder, ein sehr großes, möglicherweise sehr tödliches Unglück verhindert. Mutmaßlich war es ein Terror-Anschlag, darauf deutigt einiges hin. Und das sagt auch der israelische Verteidigungsminister. Aber noch ist da nichts gesichert. Nach allem, was aktuell bekannt ist, versuchte der Co-Pilot des Fluges, der aus dem Oman stammt, die Maschine FZ 1073 von Dubai nach Tel Aviv.

Er versuchte, den Piloten einen Inder zu ermorden. Mutmaßlich, um das Flugzeug mit 174 Menschen zu entführen und damit einen Anschlag zu verüben. Der Co-Pilot konnte von israelischen Fluggästen überwältigt werden und es befanden sich weitere Piloten an Bord, die das Flugzeug zunächst in Saudi-Arabien landeten, bevor es dann nach Israel für die Passagiere weiter ging. Videos aus dem Flugzeug zeigen zuerst panische und dann überglücklich singende Menschen und blutüberschrümte Männer nach dem Kampf mit dem Co-Pilot. Über diesen Anschlag, was hätte passieren können, was dahinter steckt und welche Terror-Lage das war, darüber möchte ich mit dem Mann sprechen, der uns dann hier vor allem immer begleitet, wenn es genau um Terror geht. Ich freue mich, dass Peter Neumann vom King's College wieder bei mir ist. Grüß dich, Peter.

Peter Neumann (2:21)

Grüß dich, Paul.

Paul Ronzheimer (2:22)

Peter, als diese ersten Meldungen kamen, und ich kenne dich ja, du schaust auch die ganze Zeit wie ich auf dein Handy, was denkt man bei solchen Eilmeldungen, wenn Flugzeuge im Spiel sind und plötzlich geht es um Israel und es heißt Fly Dubai, was ging dir durch den Kopf?

Peter Neumann (2:39)

Natürlich denkt man bei Israel und solchen Vorfällen immer gleich an Terrorismus, klar. Aber die ersten Meldungen waren ja in eine andere Richtung. Die ersten Meldungen waren, dass es da um einen Kampf ging, zwischen einem russischen Piloten und einem ukrainischen Co-Piloten.

Paul Ronzheimer (2:55)

Das wurde berichtet.

Peter Neumann (2:57)

Da hat man sich gedacht, was ist denn da los?

Ist ja irre. Aber an Terrorismus hat man da erst mal nicht gedacht. Aber dann natürlich später schon, als die Videos kamen, Videos, wo blutüberströmte Passagiere zu sehen waren, die es dann geschafft haben, offensichtlich den Angreifer, also den Co-Piloten unter Kontrolle zu machen.

Paul Ronzheimer (3:21)

Lass mich einmal vorlesen, was die New York Times berichtet zu diesem Zeitpunkt, beziehungsweise kurz danach.

Zitat, israelische Behörden untersuchten unter anderem, ob es sich um einen versuchten Anschlag auf Israelis oder um ein Suizidversuch handelte. Peter, was ist deine erste Einschätzung? Terror, Suizidversuch, beides. Wie kann man darauf blicken?

Peter Neumann (3:49)

Ja, es gibt verschiedene Möglichkeiten hier. Es könnte ein Suizidversuch sein, allerdings wäre es sehr ungewöhnlich. Wir hatten sowas ja schon mal in Deutschland 2015, German Things, also eine Maschine, die unterwegs war von Barcelona nach Düsseldorf, wo wir einen Co-Piloten hatten, einen 27-Jährigen, der unter einer schweren Psychose litt und dann offensichtlich Suizid begehen wollte und in Kauf genommen hat, dass er dabei 150 Menschen mit in den Tod reist. Also wahrscheinlich die größte Flugzeug-Tragödie in Deutschland, die mir zumindest bekannt ist.

Das ist vorstellbar, aber ich glaube, das ist eine absolute Ausnahme. Wenn man mit solchen Situationen zu tun hat, geht man eigentlich eher von Absicht aus und die Absicht ist in den meisten Fällen dann schon theoristisch oder politisch motiviert. Deswegen würde ich auch eher in diese Richtung tendiere.

Paul Ronzheimer (4:49)

Jetzt habe ich es am Anfang gesagt. Jetzt kommt der Co-Pilot aus dem Oman.

Wie wird jetzt, und wir wissen, er wurde dann direkt natürlich festgenommen und wurde auch befragt in Saudi-Arabien, wo es ja diese Landung gab. Wie ermittelt man jetzt, wie gesagt, du bist Terror-Experte, du kennst dich dort aus, wie ermittelt man, ob so jemand terrorist ist?

Peter Neumann (5:16)

Also ich glaube, da gibt es unterschiedliche Herangehensweisen. Erstmal ist ja positiv, dass der noch am Leben ist. Also er wird jetzt entnommen. Die sind ja dann in Saudi-Arabien gelandet. Dort wird er jetzt vernommen, ich vermute, von Israelis, wahrscheinlich zusammen mit Saudis.

Und das ist ja schon mal aufschlussreich.

Der zweite Zugangspunkt ist natürlich sein Handy, mögliche digitale Spuren. In aller Regel ist das, was das Erste, was die Polizei in solchen Fällen macht. Sie schaut sich den Laptop an, schaut sich das Handy an. Was ist da gespeichert, was sind die Chatverleuten, mit wem hat er sich unterhalten? Sind die Metadaten wichtig? Also mit welchen Personen hat er Gespräche geführt? Sind diese Personen z.B. in israelischen Behörden als terrorverdächtigt bekannt? Und dann natürlich der Inhalt. Was hat er da auf seinem Telefon drauf? Was hat er da für Videos? Was hat er für Fotos? Gibt es da möglicherweise Hinweise auf terroristische Verbindungen? Dann wird man sich natürlich auch bei einem Flug die Flugdaten anschauen. Es gibt ja eine Black Box und alle Gespräche im Cockpit werden ja aufgenommen.

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