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Wie der AfD-Schock alles verändern kann. Mit Dagmar Rosenfeld

RONZHEIMER.

September 8, 2026

Paul Ronzheimer spricht mit Dagmar Rosenfeld über den Auftritt von AfD-Wahlsieger Ulrich Siegmund gemeinsam mit Alice Weidel und Tino Chrupalla, mögliche Überläufer aus der CDU und die Frage, ob Siegmund tatsächlich der erste AfD-Ministerpräsident Deutschlands werden könnte.

Speakers Dagmar Rosenfeld, Paul Ronzheimer

TopicsPoliticsNewsDaily News

Dagmar Rosenfeld (0:00)

Jetzt am Montag hat sich Friedrich Merz vor die Mikrofone gestellt und er wirkte zwar ratlos, aber ich fand ihn auch schonungslos. Also auf Fragen, wie wird es eine Volkspartei CDU weiterhin geben, sagt er, das kann ich gar nicht beantworten. Also das ist nicht sicher.

Er sagt, wir sind zutiefst schockiert. Also das ist schon das Anerkennen dessen, dass da was grundlegend ist. Und so hat er es ja auch formuliert, passiert ist, was auch alles verschiebt. Und er sagte, man werde daraus die Konsequenzen ziehen. Die sind mir halt noch nicht so klar, was denn die Konsequenzen sein werden.

Paul Ronzheimer (0:42)

Tag eins nach der Wahl in Sachsen-Anhalt. Und wir schauen darauf, was jetzt bei der AfD passiert, bei der CDU passiert und mit Kanzler Friedrich Merz passieren könnte.

Wir haben Ulrich Siegmund, den Sieger und möglichen Ministerpräsidenten bei einer Pressekonferenz erleben können, zusammen mit Alice Weidel und Tino Chrupalla. Und wir haben Friedrich Merz, den Bundeskanzler und CDU-Vorsitzenden gesehen im Konrad-Adenauer-Haus. Auch er hat reagiert auf dieses desaströse Ergebnis für die CDU. Das ist unser Fokus heute. Ich freue mich, dass eine tolle Kollegin wieder bei mir ist. Sie ist Teil des Machtwechsel-Podcasts, den natürlich auch alle unsere Hörerinnen und Hörer kennen. Ich freue mich, dass Dagmar Rosenfeld wieder da ist. Ich grüße dich, Dagmar.

Dagmar Rosenfeld (1:35)

Ich grüße dich, lieber Paul. Und ich freue mich mindestens genauso wie du, dass ich bei dir sein darf heute.

Paul Ronzheimer (1:41)

Dagmar, lass uns anfangen mit der AfD. Wir haben da die Bilder aus der Bundespressekonferenz gesehen. Das ist das Haus hier im Regierungsviertel, wo sich normalerweise Regierungsvertreter der Presse stellen, aber immer mal wieder natürlich auch die Opposition. Und heute war Ulrich Siegmund, der Wahlsieger aus Sachsen-Anhalt, eingeladen zusammen mit Weidel und Chrupalla.

Wie haben die auf dich gewirkt bei dieser PK?

Dagmar Rosenfeld (2:13)

Ja, strotzend vor Kraft.

Alice Weidel hat ja auch nochmal klargemacht, das ist jetzt erst der Anfang. Die CDU wird keine Wahl mehr gewinnen können. Sie hat klargemacht, dass der Bund das nächste Ziel ist. Und Ulrich Siegmund hat wie immer sehr viel gelächelt, hat dann aber doch auf Fragen, wie soll es denn nun mit einer Regierungsbildung in Sachsen-Anhalt gehen, doch sehr schwammig geantwortet, beziehungsweise hat dann die Ansage gemacht, nur wer den AfD-Kurs mitgeht, wir werden uns nicht verbiegen, mit denen gehen wir überhaupt in eine Koalition oder mit denen arbeiten wir zusammen. Wobei er ja zugleich dann immer sagt, unsere Hand ist ausgestreckt an alle. Ich finde, dass diese ausgestreckte Hand eher ein Mittelfinger Richtung andere Parteien ist.

Paul Ronzheimer (3:09)

Ja, wie interpretierst du das, was Siegmund macht, aber was eben auch die beiden Parteivorsitzenden machen? Da gab es ja unterschiedliche Signale. Ich fand eine interessante Szene am Sonntagabend bei Karin Mioska, wo Mioska noch einmal Chrupalla eben darauf angesprochen hat, auf das Zitat von Siegmund, was ja nun sehr eindeutig war in der Vergangenheit, nämlich dass man nur mit einer absoluten Mehrheit regieren wolle. Jetzt ist so mein Gefühl, die AfD sagt, das ist jetzt wieder so typisch von den Berliner Medien, dass sie darauf rumreiten und irgendwie der AfD was Böses wollen. Und so ungefähr sei das doch alles nicht gemeint gewesen. Aber wie siehst du das? Was wollen die unterschiedlichen dort?

Gehen Siegmund, Chrupalla und Weidel in die gleiche Richtung? Oder gibt es da Unterschiede? Wie liest du das, was da passiert?

Dagmar Rosenfeld (4:05)

Herfried Münkler hat bei den Kollegen im Handelsblatt einen ganz tollen Text geschrieben, wo er gesagt hat, Siegmund ist vom Jäger zum Gejagten geworden.

Und es ist so, dass der Bundesvorstand natürlich darauf oder darauf drängt, dass Siegmund jetzt auch in die Verantwortung geht, weil du auch keinem Wähler vermitteln kannst, wenn du mit einem Ergebnis von fast 44 Prozent sagst, ich nehme den Regierungsauftrag nicht an. Ich mache es nur, wenn es eine absolute Mehrheit gibt. So hat Siegmund ja tatsächlich vor der Wahl gesprochen. Das ist aber nicht vermittelbar. Und jetzt ist die Taktik von Siegmund, ich sagte es, die Hand auszustrecken, aber gleichzeitig klarzumachen, wir machen es nur, wenn es quasi 100 Prozent AfD gibt. Und das ist ja ein Angebot, an andere sich zu unterwerfen, oder sonst wird es nichts. Und die andere Taktik, die er jetzt fährt, ist zu sagen, wir gucken mal oder wir glauben sogar, dass es Abweichler in der CDU geben könnte, die uns helfen, doch noch die absolute Mehrheit zu bekommen. Es fehlen der AfD drei Stimmen dazu.

Und Siegmund sagt, das kann jetzt noch Wochen und Monate dauern, aber er hält es nicht für ausgeschlossen, dass da Leute von der CDU dann zur AfD rüber machen. Also aus der AfD wird sogar ist zu hören. Es habe schon Wochen vor den Wahlen da Annäherungen an einzelne CDU-Abgeordnete gegeben, die auch eine Bereitschaft signalisiert hätten oder die man zumindest für Überläufer gehalten hat. Durch das Wahlergebnis, was für die CDU ja so viel desaströser ausgefallen ist, als sie es sich überhaupt in ihren Künstenträumen nur vorstellen konnte oder Albträumen, sei aber ein Teil derjenigen, die man als potenzielle Überläufer ausgemacht hätte, gar nicht mehr im Landtag vertreten. Und jetzt ist immer zu hören, es gäbe da zwei Kandidaten, die möglicherweise zur AfD rüber machen könnten. So ist, wie gesagt, alles die Erzählung der AfD.

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