Was die Deutschen so wütend macht. Mit Florian Hager (ARD-Chef)
RONZHEIMER.
October 21, 2026
Paul Ronzheimer trifft ARD-Chef Florian Hager zum Gespräch über die Zukunft des öffentlich-rechtlichen Rundfunks. Hager räumt Fehler bei der Berichterstattung über Migration ein, spricht über fehlende Perspektiven in den Redaktionen und die Frage, warum immer mehr Menschen den Medien misstrauen.
Speakers Florian Hager, Paul Ronzheimer
TopicsPoliticsNewsDaily News
Florian Hager (0:00)
Der öffentlich-rechtliche Rundfunk und da mach ich auch keinen Hehl drauf, hat natürlich auch einen politischen Hintergrund. Das ist die Überlegung der Alliierten war damals, dass das nie mehr so werden darf wie im zweiten Weltkrieg und dafür wurde ein Mediensystem geschaffen, das auch politisch gewollt war, zur Unterstützung einer entstehenden Demokratie auch funktionieren kann. Wenn mal irgendwann politisch die Meinung ist, dass das nicht mehr notwendig ist, dann wir haben keine Unendlichkeitsgarantie.
Das ist uns schon bewusst.
Paul Ronzheimer (0:33)
Wir reden hier im Podcast immer wieder über den öffentlich-rechtlichen Rundfunk, verschiedene Themen und immer wieder spielen ARD, ZDF natürlich eine Rolle. Und ich wollte schon lange mal die ARD besuchen und heute mache ich das. Ich bin zu Gast beim hessischen Rundfunk, genauer gesagt bei Florian Hager, der momentan auch gleichzeitig ARD-Chef ist. Und ich will mit ihm darüber sprechen, was die Menschen momentan bewegt, wenn sie an die ARD denken. Es gibt große politische Debatten um den Rundfunkstaatsvertrag. Wir wissen, dass Ulrich Siegmund, wenn er denn AfD-Ministerpräsident in Sachsen anhalten würde, dass er diesen abschaffen will, dass er ihn kündigen will. Und über diese Themen will ich heute sprechen mit Florian Hager. Hallo Florian.
Florian Hager (1:20)
Hallo Paul.
Paul Ronzheimer (1:21)
Florian, wir kennen uns ein bisschen, deshalb duzen wir uns. Ich habe hier auch ganz viele andere Medienschaffende zu Gast gehabt, Giovanni di Lerenzo, andere Chefredakteure, umso schöner. Dass heute der ARD-Chef bei mir ist. Du bist das seit Januar 2025 Man ist das immer für zwei Jahre.
Kannst du dann jeden Tag überall anrufen und sagen, mach mal was anderes oder wie läuft das, wenn man ARD-Chef ist?
Florian Hager (1:45)
Ja, genauso nicht. Und das hat natürlich auch eine historische Komponente drin.
Die ARD wurde gegründet als Gegenentwurf zu dem, wie sie in der NS-Zeit war. Dass niemand mehr von einer Stelle aus das ganze System steuern kann. Also auch wenn der Vorwurf jetzt ist, der macht ja gar nichts, der kriegt gar nichts hin. Das ist im System so angelegt, zumindest auch inhaltlich. Und von daher nein, natürlich nicht. Aber ich versuche meinen Teil dazu beizutragen, dass ich die ARD weiterentwicke.
Paul Ronzheimer (2:14)
Aber wie muss man sich deine Arbeit vorstellen, auch als Intendant und dann jetzt eben als ARD-Chef? Das wechselt ja immer.
Wie inhaltlich ist das? Also, wenn du sagst, Mensch, das müssten wir doch eigentlich größer machen. Wir reden ja gerade in den Tagen rund um die Proteste in Frankreich. Ist es so, wenn dir was auffällt, dass ihr dann irgendwie schnell darüber diskutieren könnt? Oder ist das so ein großes, so ein großes Gebilde, das man da gar nicht so viel Einfluss nehmen kann?
Florian Hager (2:42)
Na, ehrlicherweise, das hat nichts mit dem großen Gebilde zu tun, sondern mit einer ganz kleinen Arbeitsteilung. Das Inhaltliche, das verantworten bei uns die Redaktionen und die Chefredaktionen vor allem die Chefredakteurinnen und Chefredakteure.
Mein Job als Intendant und dann am Ende auch alle Intendanten oder auch der als ARD-Vorsitzende ist eigentlich, den Raum zu schaffen, die Strukturen zu schaffen, dass die Programmschaften möglichst gut arbeiten können. Das heißt nicht, dass wir nicht auch Kritik äußern können, aber die inhaltlichen Entscheidungen, die wären ganz klar von den zuständigen Redaktionen getroffen. Das ist in der ARD so, da ist auch die innere Redaktionsfreiheit da. Das ist auch ein bisschen der Vorwurf ab und zu von außen, da kommt ja immer jemand an und ruft was durchgesetzt. Nein, wir haben auch keine Blattlinie. Auch das ist ein Unterschied.
Wir haben den Auftrag, wir suchen uns auch nicht aus, was wir machen. Wir haben unseren Auftrag, der ein Gesetzestext ist. Da stehen auch konkrete Dinge drin, was wir tun müssen oder was wir eben auch nicht tun sollen. Aber wir haben keine Blattlinie, die wir verändern, weil wir andere Leute erreichen wollen. Wir müssen auch, und das ist auch nicht immer trivial, gerade in der digitalen Welt ein Angebot an alle machen. Wir können uns jetzt nicht eine Zielgruppe, ältere, jüngere oder was auch immer aussuchen. Von daher ist es immer eine sehr komplexe Diskussion. Aber deine Frage war, was kann ich da inhaltlich entscheiden? Ich kann Strukturen verändern. Und das sehe ich als meine Aufgabe.
Paul Ronzheimer (4:05)
Jetzt sagtest du aber gerade, dass du durchaus auch mal Kritik äußerst. Wann war das letzte Mal, wo du dachtest, na, da lagen wir nicht so ganz richtig oder das hätten wir anders machen sollen?
Florian Hager (4:14)
Du, ehrlicherweise ist das relativ häufig. Und jetzt, was den hessischen Rundfunk anbetrifft, aber auch in der ARD.
Ich hab da schon oft eine klare Meinung, die ich auch äußern kann. Ich bin eine Stimme der ARD, jetzt eine, die jetzt zwei Jahre lang nicht ganz unwichtig ist. Und die versuche ich schon auch mit einzubringen. Und auch da ein klares Signal. Die Kritik, die an uns herrscht, die geht nicht an uns vorbei. Das ist ja auch so ein bisschen der Vorwurf, das sucht die alle gar nicht, das stimmt nicht. Also viele Dinge kommen bei uns an. Und an vielen Stellen wird da auch sehr kontrovers diskutiert. Ist es genug?
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