Solche Umfragen hat Deutschland noch nie erlebt. Mit Peter Matuschek
RONZHEIMER.
September 30, 2026
Paul Ronzheimer spricht mit Peter Matuschek, Geschäftsführer des Meinungsforschungsinstituts Forsa, darüber, warum sich immer mehr Menschen von Merz und der Union abwenden.
Speakers Peter Matuschek, Paul Ronzheimer
TopicsPoliticsNewsDaily News
Peter Matuschek (0:00)
Diesen Kompetenzvorsprung, den hat die Union verloren. Und das sind im Grunde diese beiden Facetten, also eine starke Führungsfigur, meistens dann auch ein Kanzleramt. Und diese Generalkompetenz, meist getrieben auch durch eine ökonomische Kompetenz, dass man ja am meisten zutraut hat, die wirtschaftlichen Probleme zu lösen, die hat sie verloren. Und das hängt bei Merz natürlich eng zusammen. Von daher sehe ich im Moment noch nicht, wie die Union das schaffen will, sozusagen an ihrer wichtigsten Figur vorbei, um wieder mehr Vertrauen zu gewinnen.
Paul Ronzheimer (0:32)
Es gibt kaum etwas, was mehr diskutiert wurde in den vergangenen Wochen als die Umfragen. Und zwar Umfragen für den Kanzler, für die CDU, SPD, aber eben auch für die AfD. Und die Frage ist, wie kommen diese Tiefswerte der Koalition und des Kanzlers momentan zustande? Und ich möchte wissen, sind es wirklich Tiefswerte und wie sind die zu erklären?
In was konkret sorgt dafür, dass Menschen sich jetzt vom Kanzler abwenden oder der AfD zuwenden und kann diese Entwicklung eigentlich umgekehrt werden? Mein Gast ist heute einer der renommiertesten Meinungsforscher Deutschlands, Peter Matuschek. Er ist Geschäftsführer bei Forsa. Herzlich willkommen.
Peter Matuschek (1:17)
Hallo, ich grüße Sie.
Paul Ronzheimer (1:19)
Herr Matuschek, es gab in der vergangenen Woche, war es glaube ich, eine Regierungspressekonferenz, wo der Regierungssprecher zugegen war, Stefan Cornelius. Und dem wurden, wie so häufig, Fragen zu Umfragen gestellt. Und der sagte dann einen Satz, der mich hat aufhorchen lassen und viele andere Journalisten auch. Dieser Satz lautet, Zitat, Keines dieser Institute, die in dieser Frequenz Umfragen auf den Tisch legen, haben die Finanzressourcen, um solche Umfragen zu machen. Also sollten wir vielleicht mal sehr vorsichtig mit diesem Instrument umgehen.
Als Sie das gehört haben, was ging Ihnen da durch den Kopf?
Peter Matuschek (1:59)
Ich würde das ehrlich gesagt nicht wirklich überbewerten. Ich habe mir das selbst ja nochmal angeschaut auf YouTube. Das ist ja nun das Setting, eine Bundespressekonferenz, viele Fragen, die Meinungswerte für Merz sind ja nicht gut seit Langem.
Ich glaube, wir und auch andere haben die Ressourcen, solche Umfragen zu machen. Machen die auch regelmäßig. Wir für RTL und NTV seit über 30 Jahren. Von daher haben wir das einordnen können. Wobei auch wir sagen müssen, dass die Kritik in der Pauschalität natürlich so nicht wirklich angemessen ist. Zumal wir ja nur wiedergeben, was die Leute uns sagen. Das war ja auch in diesem Fall der Fall.
Paul Ronzheimer (2:46)
Jetzt vielleicht mal zur Erklärung. Woher kommen denn eigentlich die Gelder für Umfragen? Also das, was Herr Cornelius da angesprochen hat. Also sie sagen es, sie arbeiten für RTL und NTV. Aber was kostet das, wenn man so eine Umfrage in Auftrag gibt?
Peter Matuschek (2:59)
Ja, das ist so unterschiedlich, wie die Umfragen sind.
Wir haben ja verschiedene Instrumente. Das heißt, wir haben einerseits telefonische Umfragen, die wir durchführen. Wir haben eine, so wie der Forsa hat eine Mehrthemenumfrage, Bevölkerungsumfrage, die jeden Werktag durchgeführt wird mit zweieinhalbtausend Wahlberechtigten die Woche, also 500 pro Tag. Da hat man eben als Auftraggeber die Möglichkeit, einzelne Fragen einzuschalten an verschiedenen Tagen, auch inhaltliche Fragen, thematische Fragen zu stellen und dann eben entsprechende Preise pro Frage und je nach Zahl der Befragten und an Länge der Frage. Dann gibt es Umfragen, die sozusagen sich einem einzelnen Thema widmen, für die man dann eine Stichprobe zieht, eine Zahl an Befragten befragt, tausend Wahlberechtigte bundesweit oder in einem Bundesland oder in einer Kommune und die dann sozusagen nur zu einem Thema befragt. Also das hängt immer wirklich sehr vom Umfang der Umfrage und vom Setting ab.
Paul Ronzheimer (4:04)
Können Sie da dennoch mal eine Zahl sagen? Also nehmen wir mal die typische Umfrage einmal die Woche, 2000 Leute ungefähr, die befragt werden, wen sie bei einer Bundestagswahl wählen würden. Also was muss man da bezahlen?
Peter Matuschek (4:18)
Ja, also wenn man das bei unserer in unserer telefonischen Mehrthemen-Umfrage durchführt, dann liegen wir da zwischen, wie lange, der Befragten zwischen 1000 und 2000 Euro pro Frage.
Wobei man sagen muss, dass man natürlich nicht immer eine Einzelfrage stellt. Das macht ja wenig Sinn, sondern jede Umfrage, auch wenn sie einen kleineren Umfang hat, fragt natürlich nicht nur etwa nach der Wahlabsicht, sondern fragt natürlich noch nach anderen Indikatoren, wie wir das ja auch regelmäßig machen. Dem traut man am meisten die Problemlösung zu. Wie sieht es mit dem Personal aus? Was sind die wichtigsten Themen, Probleme, wie interessiert man sich und so weiter? Also das ist jetzt eine Frage, ist eigentlich stellt man normalerweise nicht allein.
Paul Ronzheimer (5:03)
Wenn wir uns diese Debatten um Umfragen anschauen, das ist ja auch das, was der Regierungsprecher damit offenbar sagen wollte, ist, dass viele Politiker, und das höre ich auch immer wieder, sich sehr getrieben fühlen von fast täglichen Umfragen, sehr vielen Instituten. Jetzt haben sie ja da auch einige Konkurrenten. Wie blicken Sie darauf als Experte im Vergleich zu, sagen wir mal, zehn oder zwanzig Jahren? Wie hat sich das verändert?
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