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Presseklub: Stoppt Schwesig die AFD?

Apokalypse & Filterkaffee

September 19, 2026

Am Sonntag wird in Mecklenburg-Vorpommern gewählt. Nach dem Triumph der AfD in Sachsen-Anhalt hat sich der Wahlkampf im Nordosten auf ein Duell zwischen Manuela Schwesig und der AfD zugespitzt, das die anderen Parteien zu zerreiben droht.

Speakers Markus Feldenkirchen, Ulrike Nimz, Daniel Friedrich Sturm, Daniel Peters, Leif-Erik Holm

TopicsDaily NewsNewsPolitics

Markus Feldenkirchen (0:00)

Es ist Samstag, der 19 September.

SPEAKER_2 (0:14)

Apokalypse & Filterkaffee. Der Presseklub mit Markus Feldenkirchen.

Markus Feldenkirchen (0:25)

Wenn am Sonntag endlich auch in Berlin und Mecklenburg Vorpommern gewählt wurde, könnte theoretisch ja endlich mal regiert werden in Deutschland. Zumindest bis die nächste Serie an Landtagswahlen ansteht. Rund um Landtagswahlen flippen nämlich alle zuverlässig aus und das Land steht still oder schlittert ins Chaos. Weil dieser Mechanismus ein solcher Irrsinn ist, sollte der Wahlkalender schleunigst reformiert werden.

Ob am Montag dann tatsächlich regiert werden kann, ist trotzdem zweifelhaft. Ich mache mir nämlich große Sorgen um den politischen Konservatismus in Deutschland. So derangiert habe ich ihn noch nie erlebt. Es ist abenteuerlich, mit welcher Geschwindigkeit ein Milieu, das man früher die bürgerliche Mitte nannte, sich selbst radikalisiert. In der Politik wie im Journalismus weite Teile der Union wirken inzwischen wie ein aufgescheuchter Hühnerhaufen ohne Stabilität, ohne Kompass. Es ist schon bemerkenswert, wie glühend sich manche dieser Tage einen Kanzlersturz herbeisehnen, nach gerade mal 16 Monaten. Noch bemerkenswerter sind vor allem diejenigen, die Friedrich Merz aktiv aufs Tableau gehoben haben, die in ihm einen Retter gesehen haben und all die Defizite, die er nun mal mit sich bringt, irgendwie nicht sehen wollten. Was soll man eigentlich von einer solchen Urteilskraft halten? Von mir aus hätte Friedrich Merz nie Kanzler werden müssen, aber jetzt ist er es nun mal und mit diesem Amt sollte man dann auch nicht verfahren, als handele es sich um einen Komparsen für eine Vorabendserie. Aber vielleicht bin ich da einfach zu konservativ.

Kaum haben wir das Ergebnis der Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt einigermaßen verarbeitet, wird am Sonntag also schon wieder gewählt. In Berlin zeichnet sich ein Kopf an Kopfrennen zwischen der Linken, der CDU und auch der AfD ab. Wir aber wollen jetzt vor allem auf Mecklenburg-Vorpommern schauen. Denn auch wenn die AfD hier nicht wie in Sachsen-Anhalt auf eine absolute Mehrheit hoffen kann, hat sich nach dem Triumph von Ulrich Siegmund der Wahlkampf im Nordosten noch einmal deutlich zugespitzt. Kann die AfD ihr Momentum aus Sachsen-Anhalt nach Mecklenburg-Vorpommern mitnehmen?

Was machte die amtierende Ministerpräsidentin Manuela Schwesig zuletzt so erfolgreich? Und wie gefährlich könnte ein schlechtes Abschneiden der CDU tatsächlich für Bundeskanzler Merz werden? Der Apofika-Presseklub mit diesen Gästen.

Ulrike Nimz berichtet für die Süddeutsche Zeitung über Mecklenburg-Vorpommern. Sie ist in Rostock geboren und hat den Wahlkampf ihrer Heimat so genau wie kaum eine zweite verfolgt. Veit Medick leitet das Politikressort beim Stern. Zuvor war er lange mein Kollege beim Spiegel in Berlin und in Washington. Er findet, die Parteien der Mitte müssten endlich souveräner mit der AfD umgehen. Und Daniel Friedrich Sturm, er ist politischer Chefkorrespondent des Berliner Tagesspiegels. Seine Vorhersage für die nächsten Wochen. Der Herbst wird sonnig, nur nicht für den Kanzler. Herzlich willkommen euch drei. Schön, dass ihr dabei seid.

Ulrike Nimz (3:34)

Hallo Markus.

Daniel Friedrich Sturm (3:35)

Hallo.

Ulrike Nimz (3:35)

Hallo.

Markus Feldenkirchen (3:36)

Ulrike, wir erreichen dich gerade. Du bist zugeschaltet in Rostock, wo gleich nach unserer Aufnahme am Freitagabend der Wahlkampfabschluss der SPD stattfinden wird. Den wirst du dir noch mal anschauen. Nimm uns mal mit. Wie erlebst du diese Stimmung im Land so kurz vor den Wahlen, auf die ja gerade auch bundesweit sehr, sehr viele Menschen schauen?

Ulrike Nimz (3:58)

Ja genau. Ich fahre nachher gleich weiter nach Warnemünde. Dort wird die SPD unterstützt von sehr vielen anderen sozialdemokratischen Granden sozusagen vor dem Leuchtturm auftreten. Für mich ist das so ein bisschen so ein Full Circle-Moment, weil unter anderem der Shanty-Corps Louvre & Lay auftreten wird. Und über den habe ich meinen allerersten journalistischen Text geschrieben. Für die Hostie Zeitung.

Es gab viele Full Circle-Momente in diesem Wahlkampf für mich.

Markus Feldenkirchen (4:22)

Du sagst, da kommen viele sozialdemokratische Granden. Also hier die beiden, die ich aus Berlin kenne, sind offenkundig nicht da.

Ulrike Nimz (4:28)

Naja, also ich als Hamburg-Korrespondentin, ich denke dann so an Peter Czernscha und sowas. Also es ist vielleicht keine Granden für euch.

Markus Feldenkirchen (4:34)

Nee, es sind doch richtige Granden, ja.

Ulrike Nimz (4:37)

Also die Stimmung, ich würde schon sagen, dass sie sehr gespannt ist. Also die Wahl ist auf jeden Fall Thema auf der Straße, in den Familien, unter meinen Freunden und Freundinnen. Auch viel mehr als in den vergangenen fünf Jahren, würde ich sagen.

Es gibt teilweise schon ein bisschen Furcht auch. Jetzt gerade nach dem Triumph, so kann man es ja nennen, in Sachsen-Anhalt der AFD, dass das hier normal passiert, dass es noch mal so ein late swing gibt, sozusagen. Da werden so relativ konkret auf Szenarien durchgespielt, wie man dann darauf reagiert. Und auf der anderen Seite, ich war ja auch viel auf Marktplätzen unterwegs, dann eben bei der AFD. Und da ist die Stimmung schon eher gelöst, vorfreudig fast. Nicht ganz so euphorisch vielleicht wie in Sachsen-Anhalt. Wir sind hier halt immer noch in Mecklenburg-Vorpommern. Da ist man so ein bisschen reserviert, da steht man nicht für ein Selfie an.

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