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Jetzt kippt die deutsche Hauptstadt. Mit Ahmad Mansour

RONZHEIMER.

September 22, 2026

Paul Ronzheimer spricht mit dem Extremismus-Experten Ahmad Mansour über den Erfolg der Linken und die Bilder von ihrer Wahlparty.

Speakers Ahmad Mansour, Paul Ronzheimer

TopicsPoliticsNewsDaily News

Ahmad Mansour (0:00)

Diese Partei, die Linke, hat ein strukturelles Problem mit Antisemitismus. Auch ohne die Neuköllner, auch in Wedding, auch woanders, sind da Aussagen, Strukturen, Aktivitäten, die zeigen, das Problem ist viel tiefer, als das nur auf Neukölln zu begrenzen. Das zeigt nochmal in aller Deutlichkeit solche Aussagen zeigen, dass man das Problem mit Lippenbekenntnissen lösen möchte. Man sagt, wir haben uns jetzt von der Linke in Neukölln distanziert. Dadurch ist die Linke in Berlin auf Landesebene jetzt ein legitimer Partner vor einer Koalitionsverhandlung. Das ist meiner Meinung nach viel zu wenig.

Paul Ronzheimer (0:49)

Der Sieg der Linkspartei mit fast 26 Prozent in Berlin sorgt deutschlandweit für Diskussionen. Zum einen stellen sich viele die Frage, wie hat die Linkspartei es geschafft, so viele, vor allem auch junge Menschen zu erreichen? Zum anderen wird aber auch darüber diskutiert, was bei der Wahlparty passiert ist und wie groß das Antisemitismus Problem innerhalb der Linken ist. Denn am Wahlabend konnte man sehen, dass ein Clan-Chef und ein Mann mit Terrorverbindung mit den Linken gefeiert hat.

Was sind das für Leute, die bald die deutsche Hauptstadt regieren könnten und wie konnte es so weit kommen? Und was würde das, also wenn die Linkspartei dann regiert, für Polizisten, für Juden, aber auch für andere Menschen bedeuten? Ich möchte heute über diese Strukturen sprechen, über Clans, Terroraktivisten und diese Verbindung zur Linkspartei und habe deshalb den Extremismus-Experten Ahmad Mansour eingeladen. Er war schon häufiger hier zu Gast und hat jetzt gerade ein neues Buch rausgebracht, Haltung ohne Hass. Ich freue mich, Ahmad, dass du bei mir bist.

Ahmad Mansour (2:00)

Vielen Dank für die Einladung. Ich freue mich sehr.

Paul Ronzheimer (2:05)

Ahmad, du lebst selbst in Berlin. Du hast natürlich auch die Wahl verfolgt. Haben dich persönlich diese 26 Prozent und die fast fünf, sechs Prozentpunkte Abstand zur CDU überrascht oder hast du damit gerechnet?

Ahmad Mansour (2:21)

Ehrlich gesagt gar nicht. Das war zu merken, wenn man mit junger Menschen in Berlin gesprochen hat, wenn man die Stimmung auch vor allem in den sozialen Medien beobachtet und begleitet hat.

Ich habe auch gesehen, dass die Linke einen unglaublichen Wahlkampf vor allem in den sozialen Medien führen und dass sie viele, viele Menschen erreicht haben. Deshalb war ich nicht überrascht. Zum zweiten war ich nicht überrascht, weil ich merke seit Jahren vor allem in den letzten zwei Jahren, dass die AfD und die Linke mit ihren unterkomplexen Antworten, mit der Nutzung von sozialen Medien viel Erfolg erziehen konnten. Und Berlin ist noch eine Etappe in diese schwierige Situation, die wir gerade erleben.

Paul Ronzheimer (3:14)

Was waren aus deiner Sicht, was waren da die Gründe, warum die Linkspartei gerade bei jungen Menschen so groß ist? Gerade in Neukölln, Kreuzberg. Du hast gesagt, du hast mit vielen Menschen darüber gesprochen.

Mit denen, mit denen ich gesprochen habe, auch junge Menschen, die haben vor allem über das Thema Wohnung, Mieten, Gerechtigkeit gesprochen. Also das war zumindest von denen, mit denen ich diskutiert habe, jetzt weniger, ja, wie soll ich sagen, außenpolitisch geprägt oder von der Gaza-Debatte geprägt. Aber da gab es natürlich auch einiges. Also wie nimmst du es wahr, dass sie jetzt wirklich diese hohe Prozentsal erreicht konnten?

Ahmad Mansour (3:53)

Also wir leben in Multikrisenzeiten. Das sind Zeiten, wo viele Menschen, vor allem junge Menschen, sehr, sehr überfordert sind.

A, sie informieren sich noch mal über die sozialen Medien. Und in den sozialen Medien sind einfache Antworten, Unterkomplexität, Eschokammern sehr verbreitet. Und dadurch ist die Art und Weise das politische Angebot so, dass die Leute sehr schnell sich begeistern lassen von diesen einfacher Antworten. Das sehen wir übrigens bei der AfD genauso.

Und weil der junger Menschen, die viele junge Menschen das Gefühl haben, dass sie es nicht besser haben werden als ihre Eltern, dass ihnen wirtschaftlich nicht gut geht, war natürlich das Thema Miete, das Thema Wohnung eine sehr zentrale für sie. Und das Angebot, die die Linke gemacht hat, wir werden Berlin einfach preiswertiger machen und Wohnung möglich machen, haben sie enorm viele Leute erreicht. Zweitens, und das ist Außenpolitik, das Thema Palastina. Viele Menschen mit Migrationshintergrund, obwohl natürlich Menschen mit Migrationshintergrund keine homogene Gruppe, sag ich mal, sind Leute, die in den letzten drei Jahren sehr unzufrieden waren mit der Haltung Deutschlands, sehr unzufrieden waren mit der Situation im Nahen Osten. Emotional angefasst sind Wuten. Das haben wir auf den Straßen auch in den letzten drei Jahren fast täglich gesehen. Und diese Gruppe von Menschen hat die Linke ein Angebot gemacht, indem sie gesagt haben, Free Palestine, das Thema Gaza wird zentral bei uns sein. Und auch diese Gruppe, die wahrscheinlich noch nie gewählt haben oder wenig gewählt haben, wurden über das Thema dann abgeholt und haben dann Linke auch gewählt. Das zeigt es ja in Neukölln genauso wie in Kreuzberg, Wedding und woanders.

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