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Jetzt beginnt der Kanzler-Krimi. Mit Roland Koch

RONZHEIMER.

September 16, 2026

Paul Ronzheimer spricht mit Roland Koch, dem ehemaligen hessischen Ministerpräsidenten und langjährigen Weggefährten von Friedrich Merz, über die schwere Krise von Kanzler und Union.

Speakers Roland Koch, Paul Ronzheimer

TopicsPoliticsNewsDaily News

Roland Koch (0:00)

Wir haben einen Bundeskanzler, nach meinem Wunsch und meiner Überzeugung wird er noch sehr lange Bundeskanzler in diesem Land sein und wir werden auch Gelegenheiten haben, in denen wir mehr über seine Erfolge sprechen, also über das Management mitten in einer schweren Krise, die nun wirklich nicht er ausgelöst hat, sondern die politischen Umstände und es auch darum geht, wie er sich den Umständen behält. Aber da ist die Reihenfolge, dass wir haben keine Krise über das Verhalten einer Person. Wir haben eine Krise über die Orientierung der Bundesrepublik Deutschland, wie wir mit den Zukunfts-Herausforderungen und den Reformen umgehen.

Paul Ronzheimer (0:33)

Die Debatte um den Bundeskanzler, um Friedrich Merz beschäftigt Deutschland. Es steht die Frage im Raum, ob Friedrich Merz gestürzt werden könnte. Gleichzeitig versucht er den Befreiungsschlag, will am Wochenende offenbar das Vertrauen einfordern innerhalb seines Präsidiums. Gleichzeitig finden Wahlen statt und hinter den Kulissen der Union wird viel telefoniert, spekuliert und darüber debattiert, ob es zu einem Kanzlerwechsel kommen könnte oder aber ob Friedrich Merz am Ende weitermacht. Ich freue mich, dass ich heute einen besonderen Gast habe. Es ist Roland Koch. Er war von 1999 bis 2010 Ministerpräsident von Hessen, ist in der CDU immer noch hervorragend, verdrahtet natürlich und gilt bereits seit vielen Jahren als enger Vertrauter von Friedrich Merz. Herr Koch, ich freue mich, dass Sie da sind.

Roland Koch (1:30)

Hallo, ich grüße Sie.

Paul Ronzheimer (1:32)

Herr Koch, ich habe es gerade gesagt, Sie waren Ministerpräsident bis 2010 Wenn Sie auf die heutigen Debatten schauen und auch die Schnelligkeit in den Medien, wie sehr hat sich das alles verändert, wirklich mit Ihrer Zeit?

Roland Koch (1:48)

Ich glaube zunächst muss man auf eine Gemeinsamkeit hinweisen in kritischen oder krisenhaften Situationen, weil viele unterschiedliche Ereignisse aufeinandertreffen, war es schon immer schnell.

Als ich ins Amt kam, habe ich eine Parteispendenaffäre von meinen Vorgängern vor die Füße gekippt bekommen, die die CDU nun wirklich im Mark erschüttert hat, in Deutschland, aber insbesondere auch in meinem Bundesland. Und in einer solchen Situation merken Sie, dass jeden Morgen irgendetwas anders ist und wieder etwas instabil ist. Also, das soll man jetzt nicht so gucken, als wäre das die letzten 75 Jahre nie passiert. Es gibt sachliche Gründe, warum wir in einer kritischen Lage sind.

Und das gab es damals auch. Das, was hinzukommt, ist, dass nach meinem Gefühl jedenfalls diese sozialen Medienstruktur eben die Weitergabe von Informationen in Sekunden an Hunderttausende ermöglicht. Das heißt, die ganze normale journalistische Wertung, ich bekomme morgens um 10 Uhr eine Meldung, ich kann sie bewerten und ich werde sie bis abends senden oder bis zum nächsten Morgen drucken und kann sie in Relationen stellen. Und damit die meisten Menschen mit einem konsolidierten, oft auch bewerteten Ergebnis konfrontieren, ist heute abgelöst durch die Hektik der Millisekunde. Und das macht Politik noch schwerer, weil Flashmobs gibt es nicht nur auf dem Marktplatz, die gibt es auch geistig.

Paul Ronzheimer (3:15)

Jetzt ist ja Friedrich Merz aus einer Zeit gekommen, in der es genauso war, wie sie beschrieben haben, also wo man Zeit hatte für eine Reaktion. Er ist dann CDU-Chef geworden, Oppositionspolitiker. Jetzt ist es als Oppositionschef immer leichter, als wenn man selbst in der Verantwortung steht. Aber sehen wir da gerade auch eine gewisse, ich nenne es mal Überforderung, damit umzugehen, angesichts eben, wie er Politiker sein gelernt hat?

Roland Koch (3:47)

Das ist ja jetzt eine Form von Altersbashing, die ich sozusagen ja auch dann persönlich auf mich ziehen müsste. So viel jünger bin ich nicht. Nein, das glaube ich nicht, dass das damit zusammenhängt, sondern ich glaube, dass es damit zusammenhängt, dass der Umgang mit solchen Problemen in einer solchen Situation objektiv anders, mindestens anders, vielleicht auch schwieriger geworden ist. Und die Folge, dass die Amplitudenausschläge des emotionalen Mitlebens einer sehr großen Zahl von Mengen von Menschen sehr viel schneller zu Denkzetteln, zu Erregungen, zu anderem führt. Nach allen Seiten. Das ist jetzt kein CDU-Schicksalsproblem. Man sieht ja sozusagen bei den Sozialdemokraten nebenan, dass es auch nie anders ist. Also diese Folge ist für alle in der Politik relevant.

Aber es stimmt sicherlich Parteien, die sich sehr viel stärker auf dieses neue Medium konzentriert haben. Und da ist die AfD ganz vorne dran. Scheinen im Augenblick bei diesen emotionalen Amplituden einen Vorteil gegenüber den Volksparteien zu haben. Aber das ist kein Problem, Friedrich Merz.

Paul Ronzheimer (4:51)

Wie hat sich die Union verändert in den vergangenen Jahren, oder sagen wir auch Jahrzehnten? Also was ist die größte Veränderung zu der Zeit, als sie politische Verantwortung betragen haben?

Roland Koch (5:04)

Ich glaube, man muss immer wieder sich in Erinnerung rufen, Parteien sind ja kein Monolith, um den herum sich Gesellschaft organisiert, sondern sie sind ein durchaus beweglicher Teil. Also im Grundgesetz steht, die Parteien wirken an der Willensbildung des Volkes mit.

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