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Ist die CDU bald tot? Mit Johannes Winkel

RONZHEIMER.

September 27, 2026

Paul Ronzheimer spricht mit Johannes Winkel, Bundesvorsitzender der Jungen Union und stellvertretender Vorsitzender der Unionsfraktion, über die schweren Wahlniederlagen der CDU und den wachsenden Druck auf Friedrich Merz.

Speakers Johannes Winkel, Paul Ronzheimer

TopicsPoliticsNewsDaily News

Johannes Winkel (0:00)

Parteien, die sich nicht verändern, sterben.

Ganz einfach. Es gibt so eine komische Erwartungshaltung oder so ein komisches Selbstverständnis der CDU und der SPD, das sich nur historisch erklären lässt, weil sich seit 80 Jahren die CDU und die SPD im Kanzleramt abwechseln.

Glaube ich, dass viele denken, das geht ewig so weiter. Also es ist so ein ganz tiefsitzendes Selbstverständnis. Aber das stimmt halt einfach nicht. Es gibt keine Ewigkeitsgarantie für die Volksparteien CDU und SPD im Grundgesetz. Selbst wenn es die letzten 80 Jahre mit vielen Krisen so war. Das gibt es einfach nicht. Und deswegen, Parteien, die sich nicht verändern, sterben irgendwann.

Paul Ronzheimer (0:45)

Stirbt die CDU gerade, wenn wir diese Wahlergebnisse sehen?

Johannes Winkel (0:49)

Wenn sie sich nicht grundlegend verändert, wird es keinen Grund geben, die CDU zu wählen.

Paul Ronzheimer (0:55)

Wir haben ja in den vergangenen Wochen ja wahnsinnig viel über den Zustand der CDU, der SPD gesprochen und vor allem über die katastrophalen Wahlergebnisse. Heute möchte ich mit einem CDU-Politiker sprechen, darüber, wie es weitergeht, wenn es immer schlimmer wird für diese CDU, was es für inhaltliche Antworten gibt, aber auch wie es möglicherweise personell weitergeht. Und dieser Politiker, der wurde gerade, so kann man sagen, befördert. Er ist mittlerweile Vize-Fraktionschef und nicht nur das, er ist Bundesvorsitzender der Jungen Union. Johannes Winkel ist heute bei mir, den man noch kennt, aus einer Zeit, als Friedrich Merz schonmal massiv unter Druck stand. Damals hat er Schlagzeilen gemacht, als sogenannter Rentenrebell. Und ich will heute mit ihm darüber sprechen, wie es weitergehen kann mit seiner Partei und wie groß die Not tatsächlich ist. Ich grüße Sie, Herr Winkel.

Johannes Winkel (1:49)

Guten Morgen, Herr Ronzheimer. Hallo.

Paul Ronzheimer (1:51)

Herr Winkel, was ich mich gefragt habe, als klar war am Sonntagabend, also als die CDU unter fünf Prozent fiel. Wie ist das, wenn man so ein prominenter, aber junger CDU-Politiker ist? Was für Gefühle hat man in so einem Moment?

Johannes Winkel (2:08)

Ja, das sind Gefühle, die man erst mal kaum in Worte fassen kann, weil es einen natürlich schon die Sprache verschlägt. Also es gab mal Wahlniederlagen der CDU. Das ist völlig klar. Es gibt gute und schlechte Zeiten.

Nur, dass man dann eben gar nicht mehr im Parlament vertreten ist. Also sozusagen aus der ersten Liga abgestiegen ist. Und man sich dann auch nicht auf eine neue Saison folgen kann, in der man dann vielleicht vieles besser macht, sondern in dem es erst mal keine neue Saison mehr gibt. Das ist schon was völlig Außergewöhnliches. Und deswegen war das schon, glaube ich, eine Zäsur für die Partei.

Paul Ronzheimer (2:48)

Jetzt wurde in der Vergangenheit, und ich habe das Thema Renten rebell angesprochen, also als sie versucht haben, dort Reformen auch für die Jungen anzustoßen.

Und beim Fall Broses-Gerstorf war es auch der Fall, dass sogenannte WhatsApp-Gruppen eine große Rolle gespielt haben, Signalgruppen, also eben CDU-Politiker, die untereinander vernetzt sind, auch bis in die Basis. Was kam da am späten Sonntagabend und dann in den Tagen und eben in der vergangenen Woche?

Johannes Winkel (3:17)

Ja, das ist natürlich eine große Fassungslosigkeit. Wobei ich natürlich auch sagen muss, dieser Fokus auf die WhatsApp- und Signalgruppen, ob der jetzt unbedingt so der Gamechanger ist, weiß ich nicht. Es sind einfach die Ergebnisse und die Stimmung in der Koalition insgesamt, die natürlich an der Basis, wie aber auch in der Spitze einfach nicht gut sind. Und deswegen hat das jetzt sozusagen, glaube ich, wenig mit der technischen Revolution zu tun, sondern es ist einfach ein ehrliches Brauchgefühl bei den Leuten und das gilt es zu ändern.

Paul Ronzheimer (3:51)

Aber was ist das für ein Gefühl? Weil Sie sagen ja, so etwas gab es noch nicht in der CDU. Wahlniederlagen gab es schon, schwierige Situationen gab es schon, aber rausgeflogen aus dem Landtag, ändert sich dann auch die Rhetorik oder die Zustandsbeschreibung?

Johannes Winkel (4:07)

Ich finde nicht, dass es hauptsächlich an der Rhetorik liegt und an der Zustandsbeschreibung.

Also Probleme beschreiben kann übrigens jeder. Das ist eine relativ einfache Geschichte. Das ist übrigens auch ein Grund, warum es für Oppositionsparteien immer ziemlich einfach ist, in der Oppositionszeit.

Paul Ronzheimer (4:28)

Ich meinte in dem Fall, er ändert sich wie CDU-Politiker, CDU-Funktionäre über die Situation sprechen, also über ihre eigene. Weil nochmal, das ist ja eine, wie gesagt, das gab es noch nie und mein Eindruck ist, dass es sich jetzt dann hinterher nicht so davon unterschieden hat, als wäre es jetzt, ich nenne es mal, eine normale oder halt besondere Wahlniederlage. Aber diese Dramatik, die damit ja verknüpft ist, also wie haben sie das wahrgenommen?

Johannes Winkel (5:00)

Naja, ich glaube schon, dass die Dramatik deutlich geworden ist, auch beim Bundeskanzler. Die Frage ist aber, nur die Erwartungshaltung an den Bundeskanzler, an die Partei und auch an die Fraktion ist ja nicht, dass wir sagen, wie unglaublich schlecht das ist. Also das ist allen klar.

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