Ist Deutschland im Krieg gegen Russland? Mit Johann Wadephul
RONZHEIMER.
September 9, 2026
Paul Ronzheimer spricht mit Außenminister Johann Wadephul über Russlands mutmaßlichen Angriff am Flughafen Leipzig/Halle und die Kriegsrhetorik von Außenminister Sergej Lawrow.
Speakers Johann Wadephul, Paul Ronzheimer
TopicsPoliticsNewsDaily News
Johann Wadephul (0:00)
Wir erkennen ja bei Russland ein Muster, Deutschland verunsichern zu wollen. Mit Russia Today, mit Fernsehsendern, die hier aktive, mit Bots, die hier geschaltet werden, mit verschiedenen Angriffen im Cyberraum. Das ist ja nicht das einzige und erste, was geschieht.
So, das ist ja ein Gesamtbild, ein Muster, was wir bedauerlicherweise erkennen. Und darauf reagieren wir miteinander. Und das hat uns insgesamt auch in dem Entscheidungsprozess beeinflusst.
Paul Ronzheimer (0:30)
Die Situation zwischen Russland und Deutschland hat sich nach dem Drohnenvorfall am Flughafen in Leipzig noch einmal verschärft. Der russische Außenminister spricht schon von einem möglichen Beginn eines Krieges. Und viele Menschen fragen sich, was passiert da gerade wirklich gleichzeitig? Gibt es den Versuch, den amerikanischen Versuch erneut von Verhandlungen zwischen der Ukraine und Russland? Und es gibt internationale Reaktionen natürlich zu dem, was in Sachsen-Anhalt passiert ist. Ich freue mich, dass heute der Außenminister bei uns ist. Johann Wadephul ist hier. Ich grüße dir, Herr Wadephul.
Johann Wadephul (1:06)
Moin, Herr Ronzheimer.
Paul Ronzheimer (1:07)
Herr Wadephul, ich habe es gesagt, Sachsen-Anhalt, da haben wir Tweets gesehen, unter anderem von Putin-Berater Dimitriyev, der der AfD zum Wahlsieg gratuliert hat und gleichzeitig behauptet hat, dass bei der Briefwahl womöglich gefälscht worden sei. Wie gehen Sie mit solchen Statements, Reaktionen um, die ja immer noch ungewöhnlich sind, auch für eine Landtagswahl und ganz generell?
Johann Wadephul (1:33)
Naja, sie sind ungewöhnlich, aber auf der anderen Seite gewöhnt man sich auch an manches. Also wir erleben ja verschiedene, ich sag mal Einmischungen auch in unsere Angelegenheiten.
Einmischungen, die natürlich die Absicht haben, Deutschland zu verunsichern, die Bevölkerung zu verunsichern. Da muss man cool bleiben, da muss man klar bleiben. Und klar, das ist ein bemerkenswertes Wahlergebnis in Sachsen-Analdo. Ergebnis einer demokratischen Wahl, die wir zu akzeptieren haben. Ich glaube, das spricht für sich selber, wie wir damit umgehen. Und Ratschläge von außen, glaube ich, brauchen wir nicht.
Paul Ronzheimer (2:08)
Wie erklären Sie sich das? Was ist da das russische Interesse, mit solchen Statements zu kommen? Auch Putin hat sich schon mehrfach positiv in Richtung AfD geäußert, immer wieder. Man würde jetzt in Deutschland sehen, was los sei angesichts eben auch dieser Wahlen, aber auch der Umfragen bundesweit. Heute ist die Union erstmals unter 20 gerutscht. Die AfD geht Richtung 30 Ist das in Putins Interesse, was gerade in Deutschland passiert?
Johann Wadephul (2:34)
Ganz offensichtlich, weil die AfD ja eine Partei ist, die ihm gegenüber nicht nur unkritisch ist, sondern die ihm ja zum Teil sogar Beifall spendet, die zu seinem Wirtschaftsforum nach St. Petersburg wichtige Vertreter entsendet, die seinen Aggressionskrieg gegen die Ukraine nicht nur nicht verurteilt, sondern zum Teil sogar rechtfertig. Also das ist ganz offensichtlich in seinem Interesse natürlich nicht im deutschen Interesse, nicht im europäischen Interesse, nicht im Interesse der Freiheit, der Sicherheit Europas.
Und das müssen wir den Menschen schon erklären, dass das noch nicht ganz gelungen ist. Zumindest bei diesen Wahlen und auch wenn ich mir die Umfragen insgesamt anschaue, das ist richtig. Aber ich glaube, unsere Position bleibt richtig an der Seite der Ukraine und wir müssen sie erklären und wir müssen den Leuten sagen, warum wir da stehen, wo wir stehen.
Paul Ronzheimer (3:22)
Woran liegt das aus Ihrer Sicht, dass so viele Menschen, gerade in Ostdeutschland, aber auch zunehmend hier in westdeutschen Bundesländern sagen, dass was sie vertreten, was der Bundeskanzler vertritt in Sachen Ukraine, das wollen wir so nicht mehr. Wir wollen wieder Geschäfte mit Russland machen am Ende. Was haben wir damit zu tun? Unser Krieg, ich habe viel erlebt, auch im Wahlkampf in Sachsen-Anhalt, dass Leute eben gesagt haben, also wie kann das sein, wir sollen Reformen machen, aber gleichzeitig werden Milliarden in die Ukraine überwiesen.
Das scheint ja immer mehr zu verfangen, jetzt in Jahr fünf dieses Krieges. Also ich habe es so extrem noch nie erlebt.
Johann Wadephul (3:59)
Nein, das ist aber auch nicht völlig überraschend, weil es natürlich in der Tat einfach erst mal so ist, dass uns das viel Geld kostet. Das sagen die Leute und dass uns Geld insgesamt fehlt, stimmt ja auch.
Trotzdem ist es richtig, an der Seite der Ukraine zu stehen, weil man ja immer auch überlegen muss, was passieren würde, wenn wir das nicht täten, wenn die Ukraine verlieren würde, was das bedeuten würde. Dass nämlich jemand wie Russland, ein Aggressor, der die militärischen Möglichkeiten nun einfach mal besitzt, einfach wieder Land erobern kann, Menschen erschießen kann, Menschen quälen kann, vergewaltigen kann, Kinder entführen kann, all das ist ja in der Ukraine, Stichwort Butcher, passiert.
Paul Ronzheimer (4:39)
Aber wieso kommen diese Argumente nicht an? Also mein Eindruck ist, ja klar, diese Kritik daran, die gibt es schon länger, insbesondere auch im Thüringen-Wahlkampf vor zwei Jahren, aber so immens wie jetzt, dass die Leute sagen, also wie die AfD Deutschland first und ja, es mag alles schlimm dort sein, aber ich schau eben auf mein Portemonnaie und was mit meinem Leben ist.
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