Inside Kanzleramt: Wie Merz um seine Macht kämpft. Mit Michael Bröcker
RONZHEIMER.
September 17, 2026
Paul Ronzheimer spricht mit Michael Bröcker von Table.Media über die dramatischen Tage hinter den Kulissen der CDU und die Frage, warum die acht CDU-Ministerpräsidenten Friedrich Merz nun doch stützen. Bröcker rekonstruiert den Machtkampf: Welche Rolle spielten Hendrik Wüst und Markus Söder?
Speakers Michael Bröcker, Paul Ronzheimer
TopicsPoliticsNewsDaily News
Michael Bröcker (0:00)
Es stimmt nicht, dass wir nicht über Sachpolitik reden. Es stimmt einfach nicht. Im Gegenteil, ich würde den ganzen Tag am liebsten über Wirtschafts- und Sozialpolitik und Rentenpolitik reden. Aber wenn wir Umfragen bekommen und in Gesprächen mit CDU funktionieren, die sehr relevant sind, jedes Mal erfahren, wir können mit diesem Kanzler nicht mehr Wahlen gewinnen und was ist da los? Kann der überhaupt noch Programme durchsetzen? Dann müssen wir das aufschreiben.
Personalpolitik ist in der Politik immer auch programmatische Politik. Ein Kanzler ohne Autorität und Vertrauen von seiner eigenen Partei wird niemals bei der SPD eine Rentenreform durchsetzen können. Das ist doch logisch. Das ist doch nichts dramatisch herbeigespintes von irgendwelchen böswilligen Journalisten. Das ist doch Unsinn.
Paul Ronzheimer (0:45)
Wir haben hier tagelang darüber diskutiert, was mit Friedrich Merz, dem Bundeskanzler, passieren könnte, ob es tatsächlich zu einem Sturz kommt oder ob er von der Union gestützt wird. Jetzt gibt es vorerst eine Entscheidung. Die acht Ministerpräsidenten haben sich hinter Friedrich Merz gestellt und das schon wenige Tage vor den Wahlen in Berlin und Mecklenburg-Vorpommern. Was ist da passiert? Was ging da in den letzten Tagen in den Ministerpräsidenten vor? Was ist beim Kanzler passiert? Und ja, wie ist das Ganze zu erklären? Ist es jetzt tatsächlich so, dass Friedrich Merz erst einmal gesichert Kanzler bleibt? Viele Fragen, die wir klären wollen mit einem, der hier Dauergast ist, weil er politisch so gut informiert ist und einfach vieles weiß. Ich freue mich, dass Michael Bröcker von Table Media wieder bei uns ist. Ich grüße dich, Michael.
Michael Bröcker (1:41)
Schönen guten Tag, Paul.
Paul Ronzheimer (1:42)
Michael, bevor wir auf den Brief der Ministerpräsidenten kommen, der ja heute plötzlich öffentlich geworden ist, gespielt worden ist. Friedrich Merz spricht intern von einem Befreiungsschlag. Möchte ich aber noch mal zurückblicken, und zwar auf die zehn Tage.
Beginn möchte ich mit dem Abend, als du hier das letzte Mal zu Gast warst, nämlich im Live-Podcast nach den Wahlen, den Sachsen-Anhalt und dem AfD-Ergebnis, und wir beide ja schon darüber gesprochen haben, was jetzt passieren könnte. Wenn du zurückblickst, also an diesen Sonntagabend, wie hat sich das Ganze bis heute entwickelt und welche Rolle haben aus deiner Information die verschiedenen Akteure da eingenommen? Was ist mal mit Friedrich Merz und dem Kanzleramt beginnen vielleicht?
Michael Bröcker (2:40)
Ja, ich hatte das Gefühl, dass alle relevanten Persönlichkeiten in der CDU auf jede Aktivität von Friedrich Merz seit diesem Wahlabend schielen, schauen, sie analysieren, um zu gucken, kann der sich selbst aus dieser Lage befreien oder nicht und wie müssen wir dann reagieren? Und es gab eben schwierige Auftritte von Friedrich Merz, die Pressekonferenz am Tag nach der Wahl, auch die Rede im Bundestag, wo er der AfD zugerufen hat, sie habe doch die absolute Mehrheit nicht erreicht, damit sei sie doch keine wirkliche Gewinnerin. Das waren schwierige Auftritte und man überlegte die ganze Zeit, wie geht man mit dem um? Kann der sich selber noch aus dieser Krise rausholen oder nicht? Und irgendwas hat sich in den letzten zwei oder drei Tagen dann doch entwickelt. Ein Auftritt von ihm bei der Adenauer Stiftung Dienstagabt, auch ein Auftritt bei einem Groß- und Außenlandes-Tag in Berlin. Also er wollte kämpfen, er will kämpfen. Aber Friedrich Merz will nicht zurücktreten, das wurde allen klar. Und dann haben sich die CDU-Präsidenten, die Ministerpräsidenten natürlich auch selbst die Frage stellen müssen, okay, ziehen wir jetzt wirklich durch mit allen Konsequenzen oder geben wir ihm nochmal eine Schonfrist? Und letzteres ist dann offenbar das Ergebnis geworden.
Paul Ronzheimer (3:54)
Da kommen wir gleich zu, was da vor allem in den letzten Tagen passiert ist, Michael. Aber nochmal, Friedrich Merz, der dann diesen Auftritt hat, das ist die Pressekonferenz angesprochen, der dann versucht hat, auf Veranstaltungen möglichst immer noch locker zu wirken, der auch dann eine Dienstreise gemacht hat und dann von den internationalen Herausforderungen gesprochen hat. Wer waren auch in diesen zehn Tagen die Leute um ihn herum, die ihn da wirklich beraten haben? Wir haben in einem Podcast unter anderem über Wolfgang Weimar gesprochen, natürlich Stefan Cornelius, der Regierungssprecher.
Was ist mit Nina Waken? Also wie war das Team Merz aufgebaut? Denn wir erinnern uns an diesen Wahlabend. Da wurde beschrieben von Leuten, die im Konrad-Adernau-Haus waren, dass es da ziemlich einsam um ihn war. Da gab es dann diese Anrufe von ihm beim Ministerpräsidenten. Ja, warum sind sie da nicht vorbeigekommen? Und wieso sitzt er hier so mehr oder weniger alleine? Also wer sind die, die da an ihm am nächsten dran waren?
Michael Bröcker (4:55)
Eine Handvoll, würde ich sagen. Eine Handvoll sind es. Übrigens an dem ersten Abend war ausgerechnet sein Schärfster, über Jahre lang Schärfster, Gegner Daniel Günther da, der Genosse Günther, wie er bei Merzianern beschrieben wird, weil er so links in der CDU angeblich tickt. Aber jedenfalls, der war da. Er hat kein großes Interesse an dem Sturz von Merz, weil er sagt, das bringt nichts. Aber in Wahrheit helfen ihm wenige, wenige gerade. Das ist natürlich sein Regierungssprecher, das ist sein Büroleiter, das ist die Kanzleramtchefin Nina Waken, das ist übrigens auch der Fraktionsvorsitzende Thorsten Frei, der in jedem Hintergrund und in jedem öffentlichen Auftritt auch nach dieser Niederlage gesagt hat, wir sind weiterhin die Reformkoalition.
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