Heimspiel: Jenseits der Brandmauer (mit Monchi)
Apokalypse & Filterkaffee
September 13, 2026
Sänger und Frontmann der Band Feine Sahne Fischfilet, Jan „Monchi“ Gorkow, hat vor kurzem sein Buch mit dem Titel „Jenseits der Brandmauer: Mein Leben in der ostdeutschen Provinz“ veröffentlicht.
Speakers Micky Beisenherz, Jan Gorkow (Monchi)
TopicsDaily NewsNewsPolitics
Micky Beisenherz (0:00)
Es ist Sonntag, der 13
SPEAKER_2 (0:01)
September.
Micky Beisenherz (0:17)
Er ist der Sänger der Punk-Rock-Band Feine Sahne Fischfilet. Er hat einen klaren Kompass und kämpft seit Langem gegen Rechtsextremisten und gegen Neonazis.
Und er hat aktuell ein sehr erfolgreiches Buch veröffentlicht mit dem Titel Jenseits der Brandmauer, Mein Leben in der ostdeutschen Provinz. Herzlich willkommen Jan Gorkow.
Jan Gorkow (Monchi) (0:39)
Moin.
Micky Beisenherz (0:40)
Jan, wir haben uns kurz vor dieser Aufzeichnung entschlossen uns zu duzen. Punkt eins, Punkt zwei. Eigentlich ist dein Vorname Jan, aber genannt wirst du im Regelfall Monchi.
Jan Gorkow (Monchi) (0:52)
Das ist so, ja.
Micky Beisenherz (0:52)
Das heißt, ich bleibe jetzt auch bei Monchi. Wie kam es eigentlich zu Monchi?
Jan Gorkow (Monchi) (0:56)
Ich bin immer zu Hansa Rostock auswärts gefahren. Bin bis heute noch bekennender Hansa Rostock Fan. Und bei einer Auswärtstour saßen Leute im Zug. Wir sind immer wochenentickelt gefahren und haben gesagt, ich hatte noch längere Haare und hatte immer meinen Daumen im Mund, hab geknabbert und dann hat der einen gesagt, Mensch, du siehst aus wie Monchi. Und seitdem heiße ich bei Hansa, bei all meinen Freunden überall Monchi. Ich glaube, nur meine allerängste Familie sagt Jan.
Micky Beisenherz (1:22)
Ich wollte gerade sagen, Familien und Eltern neigen dazu, das nicht eins zu eins zu übernehmen, was irgendwelche Kumpels mal mit zur Haustür reingebracht haben.
Jan Gorkow (Monchi) (1:31)
Ja, ja. Also ich meine, mein Papa ist das auch schon mal rausgerutscht, weiß ich. Und hey, Monchi, er war so, Gott. Aber ansonsten, die bleiben bei meinem Namen.
Micky Beisenherz (1:39)
Genau. Und das Jan hat ja, obwohl du nicht mehr Jugendlicher bist, aber trotzdem eine andere erzieherische Wirkung als... Also Monchi klingt einfach sehr viel netter als Jan.
Jan Gorkow (Monchi) (1:48)
Ja, ja klar. Also wenn ich dann irgendwo mal im Streit bin und dann fällt irgendwann das Wort Jan, dann weiß ich jetzt, wie es ernst ist.
Micky Beisenherz (1:56)
Wie ernst? Wir zeichnen auf, Donnerstagvormittag, also wenn ich richtig zurückrechne, vier Tage nach dieser legendären Landtagswahl in Sachsen-Anhalt. Wie würdest du vier Tage danach deinen aktuellen Gemütszustand beschreiben?
Jan Gorkow (Monchi) (2:13)
Ganz gut. Also da war ja nun keine Überraschung bei, ja. Also ich finde die Leute, die auf einmal so krass überrascht tun und so sagen, oh Gott, jetzt geht die Welt unter. Da frage ich, also willkommen im Jahre 2026
Ich meine, ich lebe ja in einer Gegend. Ich wohne in Mecklenburg-Vorpommern.
Darum geht es ja auch in meinem Buch, dass ich lebe in einem Ort, wo 54 Prozent der Menschen die AfD gewählt haben bei der letzten Bundestagswahl. In eineinhalb Wochen sind bei uns die Landtagswahlen. Und wer auch nur ansatzweise davon ausgeht, dass die AfD da nicht abräumt, ja, der weiß ich nicht, der lebt hinter dem Mond. Und da muss man sich halt schon lange für die eigene Seele darauf einstellen, dass das jetzt auch nicht die letzte Wahl so sein wird wie in Sachsen-Anhalt, wo die so abräumen. Deswegen wäre es für mich, weißt du, ich komme gerade vielmehr, am Wochenende haben wir unser eigenes Dorffest wieder gemacht, das mittelein Jahr. Vorgestern haben wir am Dienstag den abgebaut, den letzten Schlüssel an den Bauern gegeben und so was alles. Und das ist eher vielmehr das, was mir der Kraft gibt, weil wir mit ganz vielen verschiedenen Leuten zusammengekommen sind, ein Dorffest gerissen haben in einer Provinz, wo sonst nicht viel so was stattfindet. Und ich will mich auf sowas fokussieren.
Micky Beisenherz (3:18)
Das heißt, das klingt nach einem sehr freundschaftlichen Miteinander in dieser Dorfgemeinschaft. Aber das Frage, funktioniert auch, wenn du weißt, dass minimum jeder Zweite, der dir da zur Hand gegangen ist, nicht nur mit der AfD sympathisiert, sondern sie auch wählt?
Jan Gorkow (Monchi) (3:32)
Nee, das ist nicht immer nur einfach. Das habe ich nicht gesagt.
Ich meine, das Dorffest, das organisieren wir mit ganz vielen Leuten von nah und fern.
Und wenn wir da so ein Dorffest machen und das Wissen ja, wir haben dieses Jahr wieder Veranstaltungen zur Seenotrettung gehabt. Wir haben Veranstaltungslesungen gemacht, zur Keine Macht der Unmacht, den Buch von Matthias Quent über den Umgang mit der AfD. Wir haben André Ivanovitch gehabt, einer der letzten KZ Buchenwald-Überlebenden. Also ganz viele inhaltliche Veranstaltungen. Und ich kann dir sagen, dass ich da lebe, wo ich weiß, dass ich da für die nächsten Wochen keinen Applaus nur kriege, es mir nur scheißegal ist. Ich glaube, viele Menschen, die haben noch nie einen Preis dafür bezahlt, wenn sie mal gesagt haben, ey, ich finde es scheiße, wenn Leute im Mittelmeer ersaufen. Das tun wir da die ganze Zeit. Aber das ist mir dann auch boogie. Aber trotzdem finde ich es auf der anderen Art total richtig, dass dieses Festival, was wir da machen, das ist nicht gegen etwas, sondern für die Leute. Und das ist was Tolles, dass wir es geschafft haben, da ganz viele Menschen von vor Ort mit einzubeziehen. Wir haben den Frauenvolleyballverein, den Fußballverein, den Jamen der Brauerei-Kultur-Verein dabei. Und ich glaube, ganz vielen Leuten gibt es davon auch Kraft. Und wenn dann Menschen kommen, die die AfD gewählt haben oder wählen, dann ist das was Gutes in dieser Zeit, dass sie überhaupt noch so etwas mitbekommen, dass sie auch da standhaft sind und sagen, wir sehen vieles anders, aber erst mal zieht es euch rein. Weil viele Leute davon leben auch manchmal in ihren Blasen und kriegen gar nicht mehr Leute mit, die sich so positionieren. Und daher ist so etwas für mich genial, so ein Dorffest zu organisieren. Keine Ahnung, wie lange ich die Kraft habe, aber bis jetzt ist es jedes Mal für mich noch wie Medizin.
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