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Heimspiel: Der 6.000-Milliarden Dollar Krieg (mit Arthur Landwehr)

Apokalypse & Filterkaffee

September 6, 2026

Journalist Arthur Landwehr war SWR-Chefredakteur, zweimal USA-Korrespondent für den ARD-Hörfunk in Washington und veröffentlichte 2024 sein Buch "Die zerrissenen Staaten von Amerika".

Speakers Wolfgang Heim, Arthur Landwehr

TopicsDaily NewsNewsPolitics

Wolfgang Heim (0:00)

Es ist Sonntag, der sechste September.

SPEAKER_2 (0:05)

Apokalypse und Filterkaffee Heimspiel Das Interview am Sonntag mit Wolfgang Heim.

Wolfgang Heim (0:17)

Er war lange SWR-Chefredakteur, er war zweimal USA-Korrespondent für den ARD-Hörfunk in Washington und er hat vor zwei Jahren ein Buch rausgebracht mit dem Titel Die zerrissenen Staaten von Amerika. Herzlich Willkommen, Artur Landwehr.

Arthur Landwehr (0:33)

Ja, danke, dass ich mal wieder dabei sein darf.

Wolfgang Heim (0:35)

Artur, wir gehen am 6 September online, also wenige Tage vor dem 11 September, der sich dann zum 25 Male jährt. Jeder von uns weiß, wo er am 11 September 2001 gewesen war und wie er von diesem alle Grenzen sprengenden Horror erfahren hat. Ich beispielsweise war auf einer Hütte in Südtirol. Wo warst du?

Arthur Landwehr (1:01)

Dort, wo ich nicht hätte sein sollen, nämlich 3000 Kilometer entfernt in Montana auf einer Reportagereise. Es war halt Anfang September und da hatte man Zeit, weil Regierungsgeschäfte lagen noch da nieder. Ich war auf den Spuren der großen Entdecker Lewis & Clark in Louis Town, Montana.

Ich kam morgens vom Frühstück zurück, war ja zwei Stunden früher dort noch und sah, dass einer dieser Türme brannte und da hieß es noch, ein Kleinflugzeug sei reingegangen.

Wolfgang Heim (1:31)

Dann hat sich relativ schnell herausgestellt, dass es kein Kleinflugzeug war, sondern dass es zwei Maschinen schlussendlich waren. Das Ganze hat tatsächlich eine Dimension angenommen, die sich kaum jemand vorstellen konnte. Was waren deine nächsten Schritte, zu versuchen, von Montana aus zu berichten oder irgendwie nach Washington zu kommen?

Arthur Landwehr (1:54)

Also die Idee, nach Washington zu kommen, war natürlich da, aber die war dann auch ganz schnell wieder weg vom Tisch, weil der Luftraum über den USA ja gesperrt wurde. Und es gab keine Flugzeuge. Ich hätte mir ein Auto mieten können. Ich hatte ja auch eines und wäre dann vielleicht drei Tage hinweg nach Washington gegangen. Und ich habe aber was anderes entschieden. Erstens war es so, dass ja in den ersten Stunden die Telefonleitungen nach Washington und New York gesperrt waren. Und zeitweise war ich einer der ganz wenigen, die erreichbar waren. Das heißt, ich konnte dann mit den Informationen, die man von CNN und anderen bekam, in Deutschland berichten und konnte auch Beiträge machen. Das war das eine. Und in den Tagen danach habe ich etwas dann gemacht, was man in Washington eben nicht konnte, nämlich mit den Menschen reden, die weit weg sind und die aber diesen Krieg gegen Terrorismus dann am Ende mit unterstützen mussten. Also um mal ein Beispiel zu nennen, in Great Falls, in Montana, da sind die Minutemen-Raketen, also die Intercontinental-Raketen der USA stationiert. Und dort bildeten sich lange Schlangen bei den Rekrutierungsbüros. Die Leute gingen hin, wollten Soldaten werden. Sie wollten mitkämpfen. Und mit denen habe ich dann Interviews gemacht und diese Geschichten zusätzlich geliefert.

Wolfgang Heim (3:10)

Also, wenn ich mich zurück erinnere, wir haben uns dann an diesem Abend vor einem Mini-Fernseher in dieser Hütte auf 2000 Meter Höhe in Südtirol versammelt und haben geguckt, was da passiert ist. Und ich habe wirklich Stunden gebraucht, bis ich das, was passiert ist, in mein eigenes Koordinatensystem einfügen konnte. Wie war es bei dir, der du ja noch das Problem hattest, sehr schnell professionell Berichterstattung abliefern zu müssen?

Arthur Landwehr (3:39)

Ja, das hat schon erstmal ein bisschen gedauert, aber das wurde dann auch relativ schnell klar, dass die USA das als Angriff auf sich selbst verstehen. Und dass sich in dem Moment einfach sehr viel verändern würde.

Als dann am Tag darauf der Krieg gegen Terrorismus als richtig etwas Offizielles ausgerufen wurde, war völlig klar, dass es eben jetzt eine neue Welt sein würde, in der gekämpft wird. Und in der es eben nicht mehr darum geht, irgendwie Schuldige zu bestrafen.

Wolfgang Heim (4:08)

Wie bist du dann nach Washington zurückgekommen? Und wann hast du zum ersten Mal in New York die Stelle gesehen, wo mal die Türme standen?

Arthur Landwehr (4:18)

Also nach Washington zurückgekommen bin ich eine knappe Woche später. Gleich am ersten Tag, nachdem man wieder fliegen durfte.

Wir hatten dann sogar eine Notlandung zwischendurch in Kansas City, weil der Pilot sagte, ich rieche heißes Gummi, ich will ein neues Flugzeug, aber alles gut. Und dann kamen wir nach Washington. Ich habe gleich noch am selben Tag mir das Pentagon angeschaut, von der Entfernung, das ging, war später mal drin. Und in New York, ich glaube zwei Wochen später, hatte ich dann Gelegenheit dorthin zu gehen und habe dann Ground Zero selbst gesehen.

Wolfgang Heim (4:52)

Wie hast du das Pentagon wahrgenommen nach den Anschlägen?

Arthur Landwehr (4:55)

Ja, das war, das Pentagon kennt man ja, weil ich da jeden Tag dran vorbeigefahren bin. Man kennt dieses Fünfeck und das ist alles so gleichmäßig. Und plötzlich ist da eine große Lücke drin. Da fehlt was und das ist alles schwarz. Und rundherum natürlich die Polizei und all diese ganzen Dinge.

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