Heimspiel: Berliner Fieberschübe (mit Shakuntala Banerjee)
Apokalypse & Filterkaffee
October 18, 2026
Shakuntala Banerjee ist Politikchefin des ZDF, wo sie unter anderem die Wahlsendungen, das ZDF Spezial und das Auslandsjournal moderiert. Diese Woche also: Bas-Rücktritt, eine Empörungsspirale, die sich weiterdreht und die Frage: Warum reagiert man in Berlin nur noch in Fieberschüben?
Speakers Wolfgang Heim, Shakuntala Banerjee
TopicsDaily NewsNewsPolitics
Wolfgang Heim (0:00)
Es ist Sonntag, der 18 Oktober.
Apokalypse & Filterkaffee Heimspiel Das Interview am Sonntag mit Wolfgang Heim Sie ist eine der Fernsehjournalistinnen in Deutschland und Politikchefin des ZDF. Sie moderiert unter anderem die Wahlsendungen, das ZDF Spezial und das Auslandsjournal. Herzlich willkommen, Shakuntala Banerjee.
Shakuntala Banerjee (0:32)
Hallo.
Wolfgang Heim (0:33)
Shakuntala, wir zeichnen auf. Freitagvormittag, es ist kurz nach 10 Uhr. Wie war deine Woche bislang?
Shakuntala Banerjee (0:39)
Oh, das ist immer eine schwierige Frage. Mein Job hat so viele Facetten, dass ich tatsächlich am Ende der Woche oft gar nicht mehr weiß, was ich alles gemacht habe.
Ich erinnere mich, dass ich am Anfang der Woche ein Spezial moderiert habe, weil wir natürlich den Rücktritt von Babel Bars begleitet haben. Danach habe ich noch das Auslandsjournal moderiert. Wir haben natürlich da auch wieder geguckt, was müssen wir noch kurzfristig umstellen oder können wir noch kurzfristig etwas umstellen, weil Donald Trump mit seinem Diesel-Deal wieder für viel Aufregung gesorgt hat. Da geht vieles ineinander über.
Ich bin froh, wenn ich Sendungen moderieren kann, denn dann weiß ich am Ende des Tages, was ich gemacht habe. Ansonsten habe ich natürlich in meiner jetzigen Position ganz viele Verwaltungsaufgaben und Gespräche mit Redaktionen. Die sind immer fortlaufend da. Da ist nie so ein sauberes Ende in Sicht. Und deswegen, ja, gute Frage. Wie war meine Woche?
Wolfgang Heim (1:34)
Ich wollte gerade sagen, es sind ja eigentlich zwei Seiten einer Medaille. Also klar ist, die Arbeit vor der Kamera und irgendwann ist eine Sendung rum. Und im Idealfall geht man dann mit einem einigermaßen guten Gefühl nach Hause. Das andere ist, was hinter den Kulissen sich abspielt. Das bedeutet natürlich bei einem großen Sender wie dem ZDF, du hast es schon angedeutet, viele Organisationen, viele Sitzungen, viele Gespräche, die man, wenn du es allein für dich entscheiden könntest, auf welches Niveau runterdampfen könnte.
Shakuntala Banerjee (2:08)
Oh, die böse alte Frage, wie viele Sitzungen brauchen wir eigentlich? Das kommt immer darauf an, wie viel in der Woche los ist. Es gibt Wochen, wo ich sagen würde, da müssen wir nicht alle zusammen hocken und immer über alles reden, weil sich nicht so wahnsinnig viele Fragen stellen. Über Inhalte zu reden, ist immer gut und immer wichtig. Dafür brauchst du auch täglich den Kontakt tatsächlich untereinander. Und momentan reden wir auch sehr viel natürlich über uns selbst, über die Frage, welche Aufgaben wir als Journalistinnen und Journalisten haben, wie wir die am besten erfüllen können, ob wir sie in den Strukturen, die wir hier bei uns haben, wirklich gut erfüllen können oder was wir da noch verändern können.
Das wird noch eine Weile anhalten und an manchen Tagen wird mein journalistisches Herz ein bisschen ungeduldig, weil ich gerne mehr Zeit für die Inhalte hätte. Es muss aber beides sein momentan.
Wolfgang Heim (2:59)
Redet ihr auch darüber, am Beispiel jetzt von Bärbel Bas und diesem Rücktritt aufgehängt, ob man möglicherweise auch Teil dieser Empörungsspirale wird? Also Bas tritt zurück, tritt ein Stück weit danach. Dann kommt Frau Schwesig und dann kommt Herr Klingweil gemeinsam ums Eck und dann fallen Vokabeln wie unmenschlich und uneinständig.
Und indem man medial sowas immer reproduziert, verstärkt man ja möglicherweise dann auch, ob man es will oder nicht, diesen Empörungseffekt.
Shakuntala Banerjee (3:35)
Wir reden immer über sowas. Und wenn ich dir zuhöre, ist es auch richtig, weil du sagst ja auch direkt, Frau Bas tritt nach. Das ist ja schon eine Wertung. Also genau diese Fragen und diese Diskussionen führen wir natürlich.
Was ist ein Thema? Wie schauen wir auf dieses Thema? Welchen Aspekt dieses Themas nehmen wir raus? Haben wir alle Perspektiven dabei? Nehmen wir also nur die Perspektive von Frau Bas, die das persönlich sicher nicht als nachtretend, sondern als wichtige Begründung noch für ihre Entscheidung gesehen hat. Oder nehmen wir die andere Seite, die eben sagt, also es gibt ganz, ganz viele Gründe dafür, dass sie an der Stelle nicht weitermachen konnte. Vor allem einen wirklich tragischen persönlichen Grund, der extrem gut nachvollziehbar ist.
Und die Gesamtlage ist der Aspekt, auf den wir gucken sollten. Wir versuchen dann, und das müssen wir eben auch, erstmal das Ereignis zu nehmen und zu transportieren, was ist passiert, worum geht es, und wir versuchen, so viele Stimmen wie möglich reinzuholen. Und natürlich sprechen wir immer darüber, was das für Folgen hat, auch für die Menschen, die es sehen und hören.
Wolfgang Heim (4:40)
Und die Folgen, die sind ja nun möglicherweise wirklich dramatisch. Also eine Koalition, die sich eigentlich über Details fortlaufend selbst zerlegt, mit allen möglichen Folgen, die es haben kann in Deutschland, wenn diese Koalition zerbricht.
Shakuntala Banerjee (4:58)
Und es ist nicht die erste Koalition, der das so geht. Ich denke immer wieder darüber nach, wie es war, als ich noch in Berlin gewesen bin. Jetzt bin ich ja in Mainz und in einer etwas übergeordneten Funktion unterwegs. Ich bin noch nicht mehr in den täglichen, ganz, ganz kleinen Umdrehungen von Berlin. Das weitet ja auch manchmal ein bisschen den Blick. Und trotzdem fühle ich mich ganz oft erinnert an das, was wir bei der Ampel auch schon erlebt haben. Wo wir ja auch gesehen haben, dass alle gesagt haben, das ist jetzt ein ganz wichtiger historischer Zeitpunkt für Deutschland. Wir müssen ganz viel anpacken. Wir wollen das auch tun in einer Konstellation, von der wir wissen, dass sie politisch schwierig ist. Und das ist die wichtigste Aufgabe, dass wir uns dort einigen. Das hatten sich damals SPD, Grüne und FDP auch vorgenommen.
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