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Die wahre Gefahr der Energie-Krise. Mit Julia Löhr

RONZHEIMER.

September 25, 2026

Paul Ronzheimer spricht mit der Wirtschaftsjournalistin Julia Löhr über die Folgen des Iran-Kriegs für Deutschland. Benzin und Diesel sind deutlich teurer geworden, hohe Energiepreise treiben die Inflation und belasten Unternehmen und Verbraucher.

Speakers Julia Löhr, Paul Ronzheimer

TopicsPoliticsNewsDaily News

Julia Löhr (0:00)

Letztlich hätte sich Friedrich Merz irgendwann mal hinstellen können, wenn er mutig gewesen wäre, in einer Ansprache an das Land und sagen können, wir haben ein großes Problem. Wir haben nicht nur den Krieg Russlands gegen die Ukraine, der uns viel Geld kostet, aber was auch sehr gut investiertes Geld ist. Jetzt haben wir noch diesen Nahostkrieg. Wir haben keinen Einfluss darauf. Wir leben in einer Welt voller Kriege, Konflikte, von einem Wettstreit Amerikas, Chinas um die globale KI-Vorherrschaft. Und die Zeiten werden ungemütlich. Und es ist vielleicht nicht möglich, diesen Lebensstandard, den wir uns jetzt alle in den vergangenen Jahrzehnten so erarbeitet haben, aufgebaut haben, da schadlos durchzubekommen.

Es sind einfach schlechte Zeiten. Und aber diesen Mut, auch da sind wir eben wieder bei Antragswahlen, bei der AfD, bei der Angst, Stimmen zu verlieren von den Parteien in der Mitte, dieser Mut auszusprechen. Leute, es ist Krieg und es ist teuer. Ja, und es wird vermutlich auch im nächsten Jahr noch teurer werden. Den haben Politiker halt nicht mehr.

Paul Ronzheimer (1:09)

Wir müssen übers Tanken reden, denn Tanken ist mittlerweile in Deutschland so teuer wie nie. An manchen Tankstellen kostet der Liter inzwischen mehr als 3 Euro. Die Bundesregierung reagiert mit einem neuen Tankrabatt. Ab Oktober sollen Benzin und Diesel um bis zu 17 Cent pro Liter entlastet werden, kosten rund 2,5 Milliarden Euro. Und danach soll es auch noch einen staatlichen Preisdecke geben. Führende Ökonomen kritisieren das Maßnahmenpaket scharf. Also was bringt dieser Tankrabatt wirklich? Wer profitiert davon? Und warum gibt die Regierung Milliarden für eine Maßnahme aus, vor der Ökonomen ausdrücklich warten? Ich freue mich, dass Julia Löhr wieder bei uns ist. Sie leitet das Ressort Wirtschaftspolitik Frankfurter Allgemeinen Zeitung in Berlin und ist gemeinsam mit Johannes Pennekamp Gastgeberin des Wirtschaftspodcars Löhr und Pennekamp. Und ich freue mich, Julia, dass du wieder da bist.

Julia Löhr (2:00)

Ja, vielen Dank für die Einladung, Paul.

Paul Ronzheimer (2:03)

Julia, es ist so, dass oft gesagt wird, Mensch, ihr redet gar nicht über die positiven Nachrichten. Und deswegen will ich einsteigen, nicht mit dem Tanken, sondern mit einer Nachricht, die gerade eben gekommen ist. Wir nehmen auf am Donnerstag, dass das Wirtschaftswachstum höher ist, als viele erwartet haben.

Es gibt da offenbar positive Anzeichen. Wie passt das zu unserer Amagerdons-Stimmung in Deutschland?

Julia Löhr (2:29)

Na gut, erstmal ist es schon positiv. Bislang lagen die Wachstumsprognosen ja unter einem Prozentpunkt für dieses Jahr. Und jetzt haben die führenden Wirtschaftsforschungsinstitute gesagt, sie rechnen mit 1,3 Prozent Wachstum. Das ist erstmal eine gute Nachricht, weil mehr Wachstum heißt dann auch mehr Steuereinnahmen. Der Wirtschaft geht es ein bisschen besser.

Die Kehrseite dieser schönen Wachstumszahl ist, dass ein Großteil davon auf den Schulden beruht, die jetzt in großem Umfang aufgenommen wurden. Also das ist ökonomisch sprechender von einem Strohfeuer, was dann auch schnell wieder vorbei sein könnte. Fürs nächste Jahr rechnen die Institute auch noch mit knapp über 1 Prozent Wachstum. Aber die längerfristigen Prognosen, die sehen schon nicht mehr so gut aus. Da geht es dann wieder deutlich unter die 1 Prozent. Einfach weil, damit eine Wirtschaft nachhaltig wächst, nicht nur durch Staatsausgaben angetrieben, bräuchten wir mehr Investitionen von privaten Unternehmen. Und an der Stelle sieht es leider noch düster aus.

Paul Ronzheimer (3:25)

Das heißt, das sind jetzt die Milliarden, die durch das Investitionspaket der Bundesregierung, durch Infrastruktur, Rüstungsausgaben, das ist der Grund aus deiner Sicht für diese Prognosen?

Julia Löhr (3:38)

Genau, das ist der Hauptgrund. Tatsächlich ist es auch so, dass die Exporte besser laufen als ursprünglich gedacht, weil sich da jetzt eben durch die vielen Kriege und Konflikte auf der Welt, so müssen die Lieferketten international verschoben haben. Aber der Großteil dieses Wachstums geht auf die Schulden finanzierten Ausgabenpakete des Staates zurück, von Bund und Ländern. Und das ist eben eine vorübergehende Sache. Deswegen sollte man sich da jetzt auf keinen Fall ausruhen oder sich quasi gewiss sein, dass die Krise vorbei ist. Die Krise ist definitiv nicht vorbei.

Paul Ronzheimer (4:09)

Was ich in den Analysen auch gelesen habe, und das passt zu unserem Thema Benzin, Sprit, Öl, dass angeblich die Wirtschaft eben nicht mehr so sensibel auf Energiepreise reagiert habe in diesem Jahr im Vergleich zu 2022, 2023, 2024

Julia Löhr (4:25)

Ja, die Unternehmen passen sich natürlich an, auch weil diese Konflikte ja inzwischen so eine Art Dauerzustand geworden sind. Also quasi seit dem Beginn des Ukraine-Krieges 2022 sind die Unternehmen ja bemüht, ihre Lieferketten anzupassen, mit weniger Energie auszukommen, vielleicht mit anderer Energie arbeiten zu können. Also da verändert sich was. Dieser Schockmoment, den wir 2022 haben, den gibt es so jetzt nicht mehr. Aber klar ist, dieses dauerhaft höhere Preisniveau und auch diese Unsicherheit, wie geht es eigentlich nächsten Monat weiter, das ist Gift für die wirtschaftliche Entwicklung, weil wenn unklar ist, kann man irgendwie im nächsten Monat oder in einem halben Jahr oder in zwei Jahren noch Geld verdienen, dann investieren die Unternehmen halt nicht. Und nochmal private Investitionen, das ist der Dreh- und Angelpunkt, der eine Volkswirtschaft nach vorne bringt.

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