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Deutschland hat verlernt zu Streiten. Mit Christoph Werner (dm-Chef)

RONZHEIMER.

September 19, 2026

Paul Ronzheimer spricht mit Christoph Werner, Vorsitzender der Geschäftsführung von dm, über die Kontroverse um die NGO Campact und deren Kampagne gegen bestimmte YouTube-Kanäle.

Speakers Christoph Werner, Paul Ronzheimer

TopicsPoliticsNewsDaily News

Christoph Werner (0:00)

Das zweite, was dazu gekommen ist, ist so eine affektive Polarisierung. Das heißt, dass wir sagen, mit dem brauche ich gar nicht sprechen. Wenn dir diese Meinung vertritt, ist es sowieso ein Spinner. Und deswegen brauche ich mir das gar nicht anhören. Also die Tatsache, dass die Meinung von dieser Person kommt, bedeutet schon, ich setze mich damit gar nicht mehr auseinander.

Und das ist natürlich ein echtes Problem, weil dann fangen wir an, uns nur noch mit Meinungen zu umgeben, die uns sympathisch sind. Aber gerade im Nachdenken anderer Meinungen können wir ja zu neuen Gesichtspunkten kommen.

Paul Ronzheimer (0:34)

Man hat das Gefühl, dass die Gesellschaft immer politischer und immer polarisierter wird. Und oft werden Menschen in Debatten hineingezogen, die das gar nicht vorhatten oder gar nicht möchten. Dabei trifft es Bürger genauso wie Konzernlenker. Einer von ihnen ist Christoph Werner, Chef von Europas größter Drogerie-Kette DM.

Der linke Verein Campact stellte ihn an den Pranger, weil er als Unternehmer eine, so kann man sagen, etwas andere Haltung zu Brandmauer vertreten hat und vertritt als der Mainstream. Heute ist Christoph Werner bei mir im Podcast zu Gast. Und ich möchte mit ihm über Alda sprechen, über Campact, die Brandmauer in der Wirtschaft und auch den Wirtschaftsstandort Deutschland natürlich. Ich grüße Sie, Herr Werner. Schön, dass Sie da sind.

Christoph Werner (1:22)

Hallo Herr Ronzheimer, schön bei Ihnen zu sein.

Paul Ronzheimer (1:24)

Herr Werner, Campact hat im August war es rund 60 YouTube-Kanäle ausgewählt, die die Organisation als sogenannte Hetzkanäle bezeichnet und Unternehmen aufgefordert, dort keine Werbung mehr auszuspielen.

Campact erklärte anschließend öffentlich DM, gehöre zu diesen Unternehmen, die ihre Sperrlisten anpassen würden, also darauf reagieren würden. Sie haben dann dieser Darstellung später widersprochen.

Können Sie einmal aus Ihrer Sicht erzählen, auch für diejenigen, die davon gar nichts mitbekommen haben, was da aus Ihrer Sicht in den vergangenen Wochen und Monaten passiert ist?

Christoph Werner (2:04)

Ja, kann ich gerne zusammenfassen. Also, worum es ging, war um das Ausspielen von Werbung auf YouTube-Kanälen. Dazu muss man wissen, dass das Ausspielen von Werbung auf YouTube-Kanälen sich unterscheidet von dem, was in den klassischen Medien sonst ist. Wenn man wirbt, kauft man in der Regel Sendeplätze. Also ist das Programm bekannt und dann entscheidet man sich, welche Sendeplätze man kaufen möchte, in Abhängigkeit der Zielgruppen, die man erreicht. Auf YouTube ist es ein bisschen anders. Da ist es nicht so, dass man Sendeplätze gezielt kauft, sondern der Algorithmus von Google spielt Werbefilme aus. Also, wenn man auf YouTube sich irgendwas anguckt und dann kommt Werbung, kennen wir ja alle, dann ist es jetzt nicht speziell gebucht, sondern das wird von dem Algorithmus nach irgendwelchen Kriterien ausgespielt. Das heißt, als Werbetreibender kann man nicht direkt Einfluss drauf nehmen. Man kann lediglich sagen, gewisse Kanäle möchte ich sperren, um dort nicht gezeigt zu werden. Das ist also der große Zusammenhang. Und dann gab es jetzt ein Anschreiben, in welchem von dieser NGO über 60 Kanäle genannt wurden, die der rechten Hetze zugeordnet wurden. Und Unternehmen wurden aufgefordert, die zu sperren bzw. ihre Sperrlisten zu überarbeiten. Und bei dem Drogeriemarkt ist es so, wenn wir angeschrieben werden, dann schauen wir uns das natürlich an. Und so haben wir auch diese 60 Kanäle uns angeschaut, bzw. das Team, welches dafür verantwortlich ist. Und da waren Einzelne dabei, die in der Tat abgründig sind. Und deswegen haben wir dann vermeldet, auf die Fragen, die wir gestellt bekommen haben, dass wir eben unsere Liste überarbeitet haben.

Daraufhin hat dann die NGO in einer Pressemitteilung verkündet, dass eben viele Unternehmen sich dieser Kampagne angeschlossen hätten. Und da wurden wir auch genannt.

Die Herausforderung war jetzt die Interpretation. Also alle oder einige oder wenige.

Und das wurde halt durcheinander geworfen. Und das hat dann dazu geführt, dass die Rede davon war, dass wir das insgesamt übernommen hätten. Einfach weil das von dieser NGO gekommen wäre. Was allerdings so nicht gestimmt hat, weil wir es nach eigenen Kriterien uns nochmal angeschaut haben und dann einfach unsere Sperrliste angepasst haben.

Paul Ronzheimer (4:18)

Nur damit man das versteht. Wie läuft sowas ab? Also erstmal für diejenigen, die Campact nicht kennen.

Was ist das aus Ihrer Sicht jetzt für ein Verein? Und wie läuft das ab, dass dann dieser Verein Unternehmen, wie sie anschreibt und es dann zu so einer Situation kommt? Ist das ein normaler Vorgang? Kommt das häufiger vor, dass sich Vereine, Verbände bei ihnen melden und sie zum Beispiel auffordern, irgendwo nicht mehr zu werben? Oder ist das eine eher außergewöhnliche Situation?

Christoph Werner (4:50)

Ja, ich würde mal sagen, das kommt jetzt nicht tagtäglich vor. Aber es kommt schon vor. Und in meiner Einschätzung ist das Teil einer pluralistischen Gesellschaft. Da gibt es also unterschiedliche Meinungen. Da gibt es Initiativen, die sich für gewisse Anliegen einsetzen. Das ist auch absolut in Ordnung. Und dass dann auf Unternehmen zugegangen wird mit Vorstellungen, Wünschen, Forderungen, gehört auch dazu. Ich glaube, entscheidend ist, dass als Verantwortlicher ich mich dann fragen muss und wir als Unternehmen uns fragen müssen, wie gehen wir jetzt damit um?

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