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Der Kanzler, das Chaos und die alles entscheidende Frage. Mit Michael Bröcker

RONZHEIMER.

October 14, 2026

Die schwarz-rote Koalition steckt in ihrer nächsten schweren Krise. Nach dem Rücktritt von Bärbel Bas und den heftigen Vorwürfen der SPD gegen Friedrich Merz ist das Verhältnis der Regierungsparteien tief zerrüttet.

Speakers Michael Bröcker, Paul Ronzheimer

TopicsPoliticsNewsDaily News

Michael Bröcker (0:00)

Sie rutschen da gerade ab in eine vielleicht am Ende sogar Selbstzerstörung dieser Koalition, obwohl sie es selber alleine, wenn man mit ihnen unter vier Augen spricht, es gar nicht wollen.

Paul Ronzheimer (0:14)

Deutschland diskutiert weiter über das, was rund um den Rücktritt von Arbeitsministerin Bärbel Bas passiert ist, vor allem die Vorwürfe, die es in Richtung der CDU gab. Und gestern haben wir das Ganze aus SPD Perspektive diskutiert mit Angelika Hellemann. Und heute möchte ich darauf schauen, was das in der Kanzlerpartei anrichtet und auch wie die deutsche Wirtschaft auf diese Krise, erneute Krise reagiert. Denn heute war der Deutsche Arbeitgebertag, der Kanzler war zu Gast und auch einige der wichtigsten Minister. Und mein Gast war einer der Moderatoren dieser wichtigen Gäste, dieses Gipfels, Michael Bröcker, Chefredakteur von Teblemedia und einer der größten CDU-Insider. Michael, ich freue mich, dass du wieder da bist.

Michael Bröcker (0:58)

Danke für die Einladung, hallo Paul.

Paul Ronzheimer (1:00)

Michael, diese Stimmung heute, Kanzler da, Pistorius da, der Verteidigungsminister, andere Minister. Wie war das am Tag nach diesem Knall, nachdem Bärbel Bas zurückgetreten ist, aber vor allem, nachdem es ja diese heftigen Vorwürfe aus der SPD in Richtung CDU gegeben hat?

Michael Bröcker (1:21)

Sehr angespannte Lage, erzwungener Optimismus in allen Redebeiträgen. Er konnte weder auf noch neben der Bühne ja diese aktuelle Krise irgendwie ignorieren.

Der Kanzler ist auch noch erkältet gewesen, nicht so gut drauf, aber hat deutlich gemacht, es gibt zu dieser Regierung aus seiner Sicht keine Alternative. Und er hat auch klar gemacht, dass einige dieser Vorwürfe, wir kommen ja vielleicht noch darauf zu sprechen, schlicht nicht zutreffen und er mit dieser aktuellen Krise eigentlich nichts zu tun hat.

Paul Ronzheimer (1:53)

Jetzt ist das eine, Michael, ja das, was wir da auf der Bühne erleben, also die öffentlichen Statements und das andere, was du vielleicht auch so als Moderator am Rande mitbekommst. Also Stimmungen, Hintergründe, du telefonierst ja wie ein Wahnsinniger mit allen im politischen Berlin den ganzen Tag und hast sie dann auch noch live gesehen. Also da war ja keiner so nah dran wie du und unsere Kollegin Dagmar Rosenfeld von Machtwechsel heute. Also wie haben die gewirkt auf dich?

Michael Bröcker (2:23)

Es gibt wirklich zwei Denkschulen und auch zwei Typen von Politikern, die ich in dieser CDU, im CDU-Teil dieser Regierung gerade erlebe, die einen sind wirklich gnadenlose Optimisten wie Carsten Wildberger, auch Karin Prien, die heute auch auf der Bühne waren und berichtet haben, wie sehr eigentlich im Maschinenraum dieser Koalition noch Dinge vorankommen und dass es besser läuft, als wir alle immer hineingeheimissen würden. Dann gibt es aber auch diesen Teil, die meistens lieber anonym bleiben wollen, die sagen, das Ding ist vorbei, es ist nicht mehr zu retten, das Vertrauen ist zerstört, man gönnt sich nichts mehr, es gibt Chatgruppen auch von Kabinettsmitgliedern der roten Seite, wo über den Kanzler gelästet wird, es gibt Runden, kleinere Runden, Landesgruppenrunden im CDU-Teil, wo der Kanzler zu Besuch war, wo über die SPD-Regierungsmitglieder gelästert oder gestichelt wird. Und das sei so nicht mehr zu kitten. Einer sagte mir heute aus dem CDU-Vorstand, dass habe er so in 20 Jahren Angela Merkel oder auch andere Regierungen nicht erlebt, dass man so über den eigenen Koalitionspartner spricht. Da ist schon einiges ins Rutschen geraten, wo ich mich frage, kann man das auf der zwischenmenschlichen Ebene überhaupt noch wieder reparieren?

Paul Ronzheimer (3:43)

Du meinst sicherlich vor allem die Aussagen von Manuela Schwesig unmenschlich und von Lars Kling bei dem SPD-Chef, der unter anderem unanständig gesagt hat und das er auch nochmal wiederholt hat in diesen Interviews. Lass uns erstmal darauf schauen, bevor wir auch nochmal über die SPD dann sprechen.

Was wurde da heute in der CDU dir gegenüber gesagt, warum die SPD so heftig reagiert hat? Also das eine ist ja, was sie fühlen und was vielleicht eine Emotion ist. Aber das andere, Michael, ist ja, dass wenn eine Ministerpräsidentin und ein Vizekanzler und auch andere so unisono reagieren, dass dann viele glauben, das ist irgendwie eine Strategie. Die wollen vielleicht raus aus der Koalition. Das ist das, was mich heute viele aus der CDU gefragt haben. Die gesagt haben, Moment mal, wer so rhetorisch auftritt, der will doch in Wahrheit nicht mehr.

Michael Bröcker (4:44)

Also ich nehme erst mal die Perspektive des Kanzlers ein und der Menschen, die für ihn arbeiten und an ihm dran sind. Die sehen tatsächlich einen der großen Störfaktoren jetzt in der neuen Stärke der Manuela Schwesig. Es gibt ja das berühmte Treffen von Manuela Schwesig und Friedrich Merz, ein Vier-Augengespräch am Rande einer Klausurtagung, das eigentlich keiner wirklich nacherzählen kann, außer einer dieser beiden Beteiligten. Und da gibt es eben die ganz klare Aussage aus der CDU, aus dem Umfeld des Kanzlers, das sei eindeutig von Manuela Schwesig an Journalisten durchgestochen worden, weil der Kanzler Berichte nicht aus Vier-Augengesprächen. Und da es für ihn ja auch nicht gut ausging, nämlich Manuela Schwesig dreht sich weg, von ihm ist sauer. Es gab einen Streit zwischen den beiden und sagt dann diesen Satz, sie können sich gerne an mein Büro wenden, wenn sie einen Termin wollen. Es war eine Geschichte im Spiegel, die nicht gut ausging für Friedrich Merz. Er ist sehr verärgert darüber. Man vermutet Manuela Schwesig dahinter. Und das ist natürlich ein Vertrauens-Iklar aus Sicht von Kanzler Merz, an dem er immer noch knabbert. Und das habe eine Dynamik in Gang gesetzt. So ist das Wording in der CDU, in der Kanzler-CDU eine Dynamik in Gang gesetzt, wo sich die SPD neu auflädt. Jetzt der Rücktritt von Bärbel Bas nach Angriffen aus der Union. Man scharrt sich um die geschassene Parteivorsitzende. Man bekommt ein neues emotionales Wir-Gefühl in der SPD, das sich eigentlich ausschließlich daran ausrichtet, dass man den Gegner, den Kanzler und die CDU vor sich her trägt. Und darüber ist die CDU sehr erpörert. Sie wollen ja nicht nur eine Entschuldigung von Manuela Schwesig und der SPD. Sie wollen Belege, wo man denn Bärbel Bas irgendwo persönlich angegriffen hat. Die kann natürlich die SPD so jetzt auch nicht vorlegen. Aber leine, dass man auf diesem Niveau ist. Sag mir doch mal genau, wann ich was Böses über Frau Bas gesagt habe. Und was habt ihr denn eigentlich mit den Journalisten zu tun gehabt? Das ist ein Niveau, Paul. Das ist Wahnsinn.

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