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Wie Friedrich Merz die deutschen Unternehmer verloren hat

Was jetzt?

October 16, 2026

Als Friedrich Merz vor anderthalb Jahren Bundeskanzler wurde, setzten viele deutsche Unternehmen Hoffnungen in den CDU-Chef. Die Wirtschaft entfesseln und eine »Wirtschaftswende« einleiten, das wollte er gleich zu Beginn seiner Kanzlerschaft. Man vermutete bei ihm Wirtschaftskompetenz.

Speakers Fabian Scheler, Christina Felschen, Jens Tönnesmann, Friedrich Merz, Sarah Kuttner, Nora Burgard-Arp

TopicsNews

Fabian Scheler (0:05)

Wir Männer sterben hier in Deutschland im Schnitt früher als die Frauen und zwar im Schnitt fünf Jahre früher. Unter anderem auch deshalb, weil Frauen deutlich und ich meine deutlich häufiger zur Krebsvorsorge gehen. Und gestern gab es jetzt einen Beschluss, der es Frauen noch mal einfacher machen soll, zur Brustkrebsvorsorge zu gehen. Und um für das Thema zu sensibilisieren, egal welches Geschlecht, reden wir heute drüber. Bei Was jetzt? Dem Nachrichtenpodcast der Zeit an diesem Freitag, dem 16 Oktober. Los geht's aber gleich mit der Frage, ob jetzt das halbleere Glas nicht sogar besser ist als das halbvolle.

Oder vielleicht dann doch das volle. Na ja, Friedrich Merz soll diese Frage beantworten. Denn ein Kollege hat deutsche Unternehmer gefragt, wie sie Friedrich Merz Wirtschaftspolitik so finden.

Na ja, das Gleiche. Jetzt erst mal die Kurznachrichten.

Christina Felschen (0:55)

Mit mir, Christina Felschen, guten Morgen.

Eigentlich sollten Neuwagen in der EU ab 2035 keine Emissionen mehr ausstoßen dürfen. Um dieses sogenannte Verbrenner aus, gab es aber Streit in der EU. Und jetzt soll es offenbar noch stärker gelockert werden als ursprünglich geplant. Mehrere Medien berichten, dass Deutschland und Frankreich sich darauf einigen wollen, dass die Hersteller ihre durchschnittlichen Emissionen stattdessen nur deutlich reduzieren sollen. Und zwar um 90 Prozent.

Die EU-Kommission hatte vorgeschlagen, dass die restlichen zehn Prozent kompensiert werden müssen. Durch grünen Stahl oder CO2-neutrale Kraftstoffe. Aber auch das ist laut den Berichten nicht mehr vorgesehen. Für die Lockerung eingesetzt, hatte sich die Bundesregierung, und zwar um die deutsche Automobilindustrie zu unterstützen. Die zweitgrößte Volkswirtschaft, Frankreich, war bisher dagegen. Nachdem sich die beiden jetzt aber einig sind, könnte auch der Rat der EU-Staaten zustimmen. Der Verkehrsverband T&E Deutschland warnte, dass der Deal der europäischen Autowirtschaft schade. Sie brauche stattdessen einen Anreiz, sich schnell auf günstige E-Autos umzustellen. Auch die Grünen kritisieren die Einigung, die FDP äußerte sich positiv.

Rauchen wird in Deutschland teurer. Der Bundestag hat dafür gestimmt, die Tabaksteuer schrittweise zu erhöhen. 2030 könnte eine Schachtel Zigaretten dann fast 12 Euro kosten, vier Euro mehr als jetzt. Die Bundesregierung sagt, dass sie mit der höheren Steuer dafür sorgen will, dass weniger geraucht wird. Außerdem soll zusätzliches Geld in die Staatskasse kommen. Laut dem Deutschen Krebsforschungszentrum ist jeder siebte Todesfall eine Folge des Rauchens. In Deutschland raucht laut Mikrozensus immer noch jeder und jede fünfte ab 15 Jahren.

Redaktionsschluss für diesen Podcast ist fünf Uhr.

Fabian Scheler (2:45)

Wirtschaftswende. Das war eines der ersten großen Worte, die den Mund des Bundeskanzlers nach seiner Wahl 2025 verließen. Und auch die Wirtschaft wiederum setzte in Friedrich Merz große Hoffnungen. Wir spulen vor in den Herbst 2026 auf den Arbeitgebertag. Das ist einer der wichtigsten Treffpunkte der deutschen Wirtschaft. Und dort hat Rainer Dulger, der Präsident der Arbeitgeber, zum Anwesenden Friedrich Merz gesagt, wer bremst, führt nicht. Und Dulger präsentierte auch noch eine Umfrage.

91 Prozent der deutschen Unternehmer sind wenig oder gar nicht zufrieden mit der Wirtschafts- und Arbeitsmarktpolitik der Bundesregierung. Merz und die Wirtschaft. Meine Kollegen beschreiben in der neuen Zeit die Geschichte einer Entfremdung. Und diese Entfremdung beschreibt mir jetzt Jens Tönnesmann, einer der Autoren dieses Stücks. Hallo Jens.

Jens Tönnesmann (3:35)

Hallo Fabian.

Fabian Scheler (3:36)

Jens, du hast in der Recherche zu diesem Stück einige Unternehmer getroffen, unter anderem an der Preisverleihung der Verbandsgruppe Wir-Eigentümer-Unternehmen. Das war hier in der Nähe von Berlin. Und warum hat sich denn an diesem Abend diese Entfremdung eigentlich ganz gut gezeigt?

Jens Tönnesmann (3:51)

Diesen Preis haben sie 2003 tatsächlich auch mal an Friedrich Merz vergeben. Wenn man die alte Festschrift liest, dann sieht man, damals war da echt noch die Hoffnung, dass er irgendwann Kanzler wird, eine wirtschaftsfreundliche Politik macht. Davon ist jetzt nicht mehr so viel zu spüren. Da ist eine Entfremdung mit der Politik eingetreten. Und wenn man dann mit den Leuten vor Ort, den Unternehmern, den Unternehmerinnen darüber redet, dann merkt man, dass viele schon unzufrieden sind damit, wie Merz das macht. Einer zum Beispiel war Jürgen Grossmann. Das ist einer der Initiatoren dieses Preises. Man kennt ihn noch als RWE-Chef vor vielen Jahren. Außerdem ist er Inhaber des Stahlwerks Georgs Marin Hütte. Und als ich den gefragt habe, wie denken sie denn eigentlich über den Merz, da hat er mir erzählt, dass er ja eigentlich immer mit dem befreundet gewesen ist. Und als ich danach gefragt habe, was heißt denn gewesen, hat er gesagt, alles ist endlich und ob das die Kanzlerschaft übersteht, ob diese Freundschaft die Kanzlerschaft von Friedrich Merz übersteht, da ist er gerade nicht so sicher.

Fabian Scheler (4:41)

Merz selber sieht seine Arbeit natürlich logischerweise nicht ganz so kritisch. Das hier hat er auf dem Arbeitgebertag gesagt.

Friedrich Merz (4:47)

Wir haben so diese fatale Neigung, ständig immer nur zu sagen, das Glas ist halb voll, allenfalls halb voll. Nein, es ist halb leer. Es ist halb voll. Und wir sind auf einem guten Weg.

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