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Wer schürt die Gewalt in Frankreich? (Update)

Was jetzt?

October 19, 2026

Bei landesweiten Protesten in Frankreich haben Gewalttäter am Wochenende Geschäfte geplündert, Fahrzeuge angezündet und öffentliche Gebäude beschädigt. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron verurteilte die Gewalt in einer Fernsehansprache und räumte Fehler bei der Planung der Polizeieinsätze ein.

Speakers Jannis Carmesin, Matthias Krupa, Alisa Schellenberg, Fritz Habekuß

TopicsNews

Jannis Carmesin (0:05)

Hallihallo und grüße Sie Gott. Hier spricht Jannis Carmesin am Mikrofon Bei Was Jetzt? Den Nachrichten Podcast der ZEIT. Und wir sind keine Einbahnstraße. Sie hören uns jeden Morgen, jeden Nachmittag. Aber wir hören auch Sie, wenn Sie uns eine Mail schreiben und sich beschweren. Und das haben viele von Ihnen getan, was die Bebilderung unserer Folgen anbelangt. Da zeigen wir seit einigen Wochen immer ein Foto zur jeweiligen Folge. Und das scheint vielen nicht so gut gefallen zu haben. Deswegen kehren wir jetzt zurück zum guten, alten, vertrauten, MINT-Grünen Was jetzt? Logo. Und in Folge 1, nach dieser gescheiterten Revolution unsererseits, sprechen wir über die Lage in Frankreich nach den Krawallen am Wochenende, über die Stimmung in der SPD mit Blick auf die Rot-Grün-Roten-Sondierungen in Berlin und auf die Lage der globalen Artenvielfalt. Redaktionsschluss war um 16 Uhr.

Die Flammen im Rathaus der Stadt Limoges und der einstürzende Rathausturm waren in Frankreich die Bilder dieses Wochenendes. Maskierte Demonstranten hatten das Gebäude bei den landesweiten Massenprotesten in Brand gesteckt. Das historische Bauwerk ist laut den Behörden zu rund zwei Dritteln abgebrannt. Und nicht nur in Limoges, sondern in vielen Städten ist die Gewalt bei den Demos am Wochenende eskaliert. Erste Schätzungen sprechen von Schäden von mehreren hundert Millionen Euro. Und circa 2400 Menschen sind festgenommen worden.

Gestern Abend hat sich dann nach den Vorkommnissen Präsident Emmanuel Macron mit einer Fernsehansprache eingeschaltet. Wir alle fühlen uns heute Abend mit der Schmerz und der Schande.

Matthias Krupa (1:33)

Die Straßen in unseren Städten sind so verbrannt und unbezüglich.

Jannis Carmesin (1:36)

Macron hat gesagt, es sei ein Moment von Wut und Scham. Die Bilder von Plünderungen in den französischen Städten seien nur schwer zu ertragen.

Über dieses Wochenende und was daraus folgen könnte, spreche ich jetzt mit unserem Korrespondenten Matthias Krupa, gerade unterwegs in Paris. Hallo Matthias.

Matthias Krupa (1:52)

Hallo, Jannis.

Jannis Carmesin (1:54)

Wie ist heute die Lage in Paris nach diesem sehr wilden Wochenende?

Matthias Krupa (1:59)

Die Lage ist heute auf der Oberfläche erst mal ruhig. Das heißt, der größte Teil der Stadt geht seinem Alltag nach. Aber darunter liegt eine große Anspannung. Ich war vorhin rund um den Platz der Republik, wo die schlimmsten Ausschreitungen stattgefunden haben. Und das ist schon krass. Da stehen halt dutzendweise ausgebrannte Autos. Man hat noch diesen Brandgeruch in der Nase.

Viele Geschäfte, die dabei sind, die Schaufenster zu reparieren und aufzuräumen. Also es wird aufgeräumt heute.

Jannis Carmesin (2:30)

Es ging jetzt, in meinem Gefühl nach, relativ schnell von den anfangs weitgehend friedlichen Schülerprotesten bis zu dieser Eskalation am Wochenende. Wer ist denn verantwortlich dafür, dass es am Wochenende so abging, wie es abgegangen ist?

Matthias Krupa (2:42)

Also man muss natürlich immer dazu sagen, dass man klar unterscheiden muss zwischen den vielen, vielen, vielen, Zehntausenden, Hunderttausenden friedlich Demonstrierenden, zu denen auch an diesem Wochenende wieder viele Junge gehört haben, und diesen Gewaltbereiten, die nichts anderes vorhatten, als Gewalt zu verbreiten, als zu plündern, die in der Minderheit sind, aber die halt die Bilder dominiert haben.

Jannis Carmesin (3:06)

Die Regierung deutet da ja sehr stark nach links, auf linksradikale Splittergruppen. Gibt es dafür denn tatsächlich Belege?

Matthias Krupa (3:13)

Dafür gibt es zumindest Anhaltspunkte, weil man von anderen Demonstrationen einen Teil dieser Gruppen kennt. Da sind Anarchisten drunter, autonome, antikapitalistische Gruppen.

Aber das Ausmaß, das sind sicherlich nicht nur ultra linke Gruppen gewesen, sondern da sind sicherlich auch noch andere Leute dabei gewesen. Ich frage jetzt halt überhaupt, ob links oder ultra links noch die richtige Bezeichnung ist, weil diese Gewalt am Wochenende hat halt mit politischen Motiven eigentlich nichts mehr zu tun.

Jannis Carmesin (3:48)

Und wie ist in dem Kontext Macron's Ansprache von gestern Abend in Frankreich aufgenommen worden? Für mich klang die etwas zögerlich insgesamt in der Rhetorik.

Matthias Krupa (3:56)

Ja, absolut. Im Grunde genommen hat sie die Hilflosigkeit des Präsidenten und seiner Regierung vorgeführt. Es gibt nicht eine einzige konkrete Maßnahme, die er angekündigt hat. Er hat rhetorisch zwar gesagt, ja, man muss den Jungen zuhören, man muss unterscheiden zwischen Gewalttätern und legitimen Protest.

Aber für den sprachgewaltigen Macron ist es eine sehr leere Rede gewesen.

Jannis Carmesin (4:20)

Und wie erklärst du dir das, dass er nicht einfach mit konkreteren Versprechungen auch an die Öffentlichkeit tritt in so einer brisanten Phase?

Matthias Krupa (4:28)

Die Regierung und der Präsident sind gewisserweise in einer Sackgasse. Sie haben erstens mal nur noch ein halbes Jahr zu regieren. Sie haben keine Mehrheit im Parlament. Das lämt das Land ja schon seit mehr als zwei Jahren. Und sie haben vor allen Dingen überhaupt kein Geld. Frankreich ist super hoch verschuldet.

Und alle Forderungen, die halt hier gestellt werden, von den Schülern nach mehr Lehrern, nach besseren Schulbedingungen bis hin zu den Menschen, die besorgt sind wegen der hohen Energiepreise, würden Geld kosten. Und dieses Geld hat Frankreich nicht. Insofern sind den Präsidenten die Hände gebunden.

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