Wenn Sekunden zählen: Ertrinkungsunfälle verhindern und Leben schützen | Werner Vietz (Wasserwacht)
Gesundheitswerkstatt
August 8, 2026
Jedes Jahr ertrinken in Deutschland mehrere hundert Menschen und viele dieser Unfälle wären vermeidbar.
Speakers Dr. Moritz Binder, Werner Vietz
TopicsHealth & Fitness
Dr. Moritz Binder (0:00)
Herzlich willkommen in der Gesundheitswerkstatt. Dem Podcast, mit dem du deine Gesundheit in die eigenen Hände nimmst. Deine Gastgeber sind Dr. Pia Hartmann und Dr. Moritz Binder. Schön, dass du da bist.
Liebe Freunde der Gesundheitswerkstatt, ich begrüße euch sehr herzlich zu einem weiteren akutmedizinischen Thema. In der letzten Folge, da haben wir über die Lebensretter-App gesprochen mit Professor Müller. Heute habe ich auch einen tollen Gast für euch, nämlich den Werner von der Wasserwacht in Prien.
Ich lag nämlich jetzt neulich im Hochsommer, im Juli, mitten in der Badesaison am See und dachte mir, ai, ai, ai, wenn hier jetzt ein Kind untergeht oder irgendjemand vermisst ist, ich glaube, da wäre einfach großes Chaos. Niemand wüsste so recht, was man macht. Und genau, wie man die Wahrscheinlichkeit dafür, dass das untergegangene Kind gut aus der Nummer aussteigt, wie man das maximieren kann. Und deswegen habe ich jetzt also den Werner hier, der das seit langen Jahren begleitet oder sich in dieser Materie gut auskennt. Und deswegen grüße ich dich sehr herzlich in der Gesundheitswerkstatt.
Werner Vietz (1:11)
Danke für die Einladung, für das Gespräch. Ich bin der Werner Vietz, bin Vorstand bei der Wasserwacht Prien-Rimsting, begleite zusätzlich noch das Amt des Einsatzleiters für die Wasserrettung. Das heißt, wenn größere Einsatzszenarien sind, werden die unter eine Leitung gestellt. Und da bin ich einer von drei Einsatzleiter Kims West.
Dr. Moritz Binder (1:31)
Einsatzleiter ist ein gutes Stichwort. Du hast auch heute Dienst. Das heißt, wir sitzen hier an der Hütte in den Heiligen Hallen. Darf ich dich besuchen? Und wenn der Piepser oder das Handy zwischendurch geht, dann schneiden wir es einfach aus. Da gehört es zu diesem Podcast dazu.
Und jetzt haben wir gerade im Vorgespräch schon kurz diskutiert, dass jetzt ganz aktuell letzte Woche ein Traunsteinkind im eigenen Pool im Garten ertrunken ist.
Werner Vietz (1:55)
Ja, das leider tragische Unfall. Ich sage es jetzt einmal Landkreis Traunstein. Die Ortschaft genau weiß ich nicht und will ich auch gar nicht sagen.
Da war ein Kleinkind im Garten. Das Geschwisterchen war dabei.
Ein Elternteil war wohl kurz ins Haus gegangen, um etwas zu holen. Und in diesem Moment ist das Kind in den Pool reingefallen. Das Geschwisterkind hat dann laut geschrien. Daraufhin kam das Elternteil raus, konnte aber das Kind nur noch aus dem Pool bergen. So fattige Reanimationsmaßnahmen blieben leider erfolglos und der hinzugekommene Rettungsdienst konnte an der Situation leider auch nichts mehr ändern.
Dr. Moritz Binder (2:34)
Ja, und es ist leider in diesem Sommer einer von mehreren Fällen, die jetzt hier in der Region auch passiert sind. Ich weiß, dass hier bei uns in Prien auch es leider zu Ertrinkungsunfällen gekommen ist und dieser subjektive Eindruck, der deckt sich mit den Zahlen ganz nüchtern. Also wir haben, ich habe es recherchiert, wir haben jetzt im Sommer 2026 ein Höchstwert seit 2003
Und die meisten der Opfer, die sind männlich, ungefähr die Hälfte ist über 50 Viele passieren, also viele Unfälle passieren in Seen und Flüssen, aber eben auch, wie du es gerade erwähnt hast, zu Hause im Pool oder wirklich in nicht sehr tiefen Gewässern.
Genau, und deswegen hat das so eine Relevanz. Also deswegen freue ich mich, dass wir heute darüber sprechen, weil wenn jemand diesen Podcast irgendwie eine halbe Stunde hört, dann hat der glaube ich danach ein paar ganz gute Orientierungspunkte für den Ernstfall und vor allen Dingen auch, wie man es im Idealfall vermeidet, dass so was Schlimmes passiert. Und ein wesentlicher Punkt, über den wir schon mal gesprochen haben, klingt irgendwie trivial, aber ist es nicht, nämlich dass wir schwimmen können, also schwimmen als die eigentlich beste oder zentrale Prävention. Was hast du denn da so frei von der Liebe weg für Gedanken zu?
Werner Vietz (3:54)
Also ich bin es eigentlich noch so gewohnt, oder ich komme aus der Generation noch, dass man in der Grundschule bereits Schwimmunterricht oder Schwimmen mit der Schule wahrnehmen konnte. Das spricht, die Schule suchte das ortsansässige Bad, wenn es eins gab, auf oder in der benachbarten Gemeinde und hat dann einmal in der Woche eine Schwimmstunde für die Schule gehabt. Das ist meines Wissens nach auch im Lehrplan noch so enthalten, kann aber nur sehr vage wahrgenommen werden, weil immer mehr Bäder die letzten Jahre schließen mussten, aufgrund, weil sie uralt waren, beziehungsweise die technischen Voraussetzungen einfach nicht mehr für einen weiteren Betrieb geeignet waren.
Also das Bädersterben ist mit Sicherheit das eine Thema. Und das andere ist, dass viele Kinder, wenn sie den Bäder gehen, mehr so große, bade Landschaften aussuchen, wie mit Thürmen, mit großen Becken. Ich sage immer Spaßbad dazu, weil es ja wirklich Spaß macht, bei Hütterutschen und so weiter. Aber diese Bäder sind halt immer maximal so einen Meter tief. Das heißt, der Jugendliche oder das Kind kann zu meist drin stehen.
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