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Von WM bis NATO: Wie mächtig ist Trump?

Machtwechsel

July 8, 2026

Donald Trump nannte die rote Karte gegen den US-Nationalspieler Folarin Balogun eine „schreckliche Entscheidung“ und rief FIFA-Präsident Gianni Infantino an, um sie überprüfen zu lassen.

Speakers Dagmar Rosenfeld, Mark Rutte, Robin Alexander, Donald Trump

TopicsPoliticsNewsSociety & Culture

Dagmar Rosenfeld (0:14)

Den Telefonmann a la Helge Schneider, den hat Donald Trump diese Woche gemacht. Er hat zum Hörer gegriffen und den FIFA-Präsidenten Gianni Infantino gebeten, die rote Karte gegen den US-Nationalspieler Folarin Balogun, die er eine schreckliche Entscheidung nannte, zu überprüfen. Und siehe da, die Sperre gegen Balogun wurde zur Bewährung ausgesetzt. Und so stand er im Spiel gegen Belgien auf dem Platz. Wem die FIFA einen Friedenspreis verleiht, dem schlägt sie, um des lieben Frieden Willens, offenbar auch keine Bitte ab. Für den friedlichen Verlauf des NATO-Gipfels, der am Dienstag in Ankara begonnen hat, hat auch Friedrich Merz zum Telefon gegriffen. Was er Trump zu sagen hatte, das erfahren sie in dieser Folge von Machtwechsel. Und nicht nur das. Robin und ich sprechen über die Versuchsanordnung des Gipfels, wo im Vorfeld NATO-Generalsekretär Mark Rütte alles gegeben hat, um gute Stimmung bei Trump zu machen. Außerdem blicken wir auf den AfD-Parteitag, der in Erfurt stattgefunden hat. Dabei schauen wir auf das, was in und auch das, was vor der Parteitagshalle passiert ist. Also auf das Radikale innerhalb und außerhalb.

SPEAKER_2 (1:48)

Wer regiert Deutschland? Mit Dagmar Rosenfeld und Robin Alexander.

Mark Rutte (2:00)

Er ist der erste US-Präsident seit Eisenhower, der in dieser Situation kam, in der die Europäer und die Kanadier das gleiche wie die Amerikaner spenden. Diese Äquatisierung war ein Wunsch für 50, 60 Jahre und jetzt passiert es. Und ich denke in der letzten Hälfte an seine Leadership.

Dagmar Rosenfeld (2:17)

So Generalsekretär Mark Rutte auf der Pressekonferenz am Abend vor Beginn des NATO-Gipfels am Dienstag in Ankara.

Es ist wie bei allen Gipfeln, an denen Donald Trump teilnimmt, schmeicheln, loben, um den Mann bei Laune zu halten. Ein beautiful historischer Vergleich mit Eisenhower, einem seiner Vorgänger im Amt, der vor seinem Einzug ins Weiße Haus 1951 zum ersten Oberbefehlshaber der NATO anland worden war und bereits damals forderte, dass die Europäer mehr Verantwortung für ihre Verteidigung übernehmen. Robin, du bist mit Friedrich Merz nach Ankara gereist. Es ist jetzt Dienstag Abend, wo wir diesen Podcast aufnehmen. Erzähl uns mal, mit welchen Erwartungen geht denn die Bundesregierung in diesen Gipfel?

Robin Alexander (3:04)

Die Bundesregierung glaubt, dass sie selber einen Riesen Erfolg erzielt hat, nämlich indem sie einen U-Boot-Deal an Land gezogen hat.

Die Kanadier haben sich entschieden, U-Boote nicht in Asien zu kaufen, sondern bei einem deutsch-norwegischen Konsortium, das angeführt wird von TKMS, einer Firma aus Kiel, die zu Thyssen Krupp gehört und sogar ein Werk in Wismar hat. Also Manuela Schwesig kann sogar noch im Landeswahlkampf von Mecklenburg-Vorpommern erzählen, hier werden Industriearbeitsplätze gesichert. Und das ist tatsächlich eine große Nummer. Nicht nur, weil es da um 60 Milliarden Euro geht, sondern weil man das einerseits so als typische NATO-Kiste erzählen kann. Kanada, Norwegen, Deutschland und alle in der NATO ist also schön transatlantisch. Fachwort Interoperabilität. Und andererseits, weil das auch schon so eine Post-Trump-Story ist. Es ist ja drei Mittelmächte. Wir erinnern uns die große Rede von Mark Carney in Davos, die wir im Podcast auch so gefeiert haben, ist da sozusagen in Anwendung. Und deshalb ist Friedrich Merz mächtig stolz auf sich selbst.

Dagmar Rosenfeld (4:08)

Vor eurem Abflug hat Friedrich Merz gesagt, die NATO solle europäischer werden, um transatlantisch zu bleiben. Das kann man übersetzen als die Europäer werden mehr tun, damit Trump in der NATO bleibt. Wie viel die Europäer bereits getan haben, das hat NATO-Generalsekretär Rütte Ende Juni bei seinem Besuch in Washington versucht, Trump deutlich zu machen. Und zwar auf eine Art, die Trump besonders schätzt, nämlich mit großen Schautafeln, die Rütte im Oval Office präsentierte. Und auf diesen Schautafeln waren Grafiken mit den Verteidigungsausgaben Europas und Kanadas zu sehen. Und die haben sich laut diesen Grafiken von 2024 bis 2026 um 258 Billionen US-Dollar gesteigert. Übertitelt ist eine der Grafiken gewesen mit The Trump 47 Effect.

Wenn man sich aber jetzt anschaut, Robin, was Trump vor wenigen Tagen auf Truth Social zum Besten gegeben hat und auch was er jetzt am Nachmittag bei einem Treffen mit Erdogan zum Besten gegeben hat, dann muss man sagen, der Rütte-Effekt, der scheint ausgeblieben zu sein.

Robin Alexander (5:18)

Die böse Ahnung befiel die Bundesregierung schon vor einer Woche, als Trump auf Truth Social, also seinem eigenen sozialen Netzwerk, stellte, dass die Europäer alle nicht genug für die NATO zahlen und ernannte die Beiträge lächerlich. Also er hat sozusagen die schönen Schautafeln von Mark Rutte, von denen du auch erzählt hast, haben wohl nicht so lange vorgehalten. Dann musste der Kanzler selber ran und hat Trump am Freitag angerufen. Und er hat ihm, so ist zu hören, vorgerechnet, dass die Zahlen, die er auf Truth Social gestellt hat, falsch seien und dass die Europäer in Wirklichkeit viel mehr ausgeben würden. Deutschland allein hat seine Verteidigungsausgaben um 25 Milliarden gesteigert auf 124 Milliarden im letzten Jahr und zahlt jetzt doppelt so viel wie im Jahr 2022, das ja auch noch nicht so lange her ist für Verteidigung.

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