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Union in der Falle: Mit der Linken die AfD verhindern?

Machtwechsel

May 29, 2026

Der Unvereinbarkeitsbeschluss der CDU verbietet eine Zusammenarbeit sowohl mit der AfD als auch mit der Linken – und könnte die Partei damit in eine unmögliche Situation bringen.

Speakers Dagmar Rosenfeld, Robin Alexander, Daniel Günther

TopicsPoliticsNewsSociety & Culture

Dagmar Rosenfeld (0:16)

Das Pferd hat unten am Fuß Hufeisen, um oben auf dem Rücken Lasten zu tragen. Das ist die Hufeisenpraxis, von der Sammy Seloun und Nancy Wood ein Lied singen. Die Hufeisentheorie wiederum, die trägt die CDU vor sich her, doch mittlerweile ist sie zu einer Last geworden, die der Partei das Rückgrat brechen könnte. Linksaußen und Rechtsaußen, so besagt es die Hufeisentheorie, sind einander näher, als sie es der politischen Mitte sind. Eine Theorie, die in der christdemokratischen Praxis dazu geführt hat, sich gleichermaßen gegen beide Extreme abzugrenzen. Manifestiert hat die CDU das mit einem Unvereinbarkeitsbeschluss, sowohl gegenüber der Linken als auch der AfD.

Für die anstehenden ostdeutschen Landtagswahlen im Herbst wird dieser Beschluss zum Problem. Womöglich gelingt dieses Mal nicht, was die CDU, wenn auch unter schweren Verrenkungen, in Sachsen und Thüringen noch hinbekommen hat.

Die Geschichte des Unvereinbarkeitsbeschlusses, wie er in die Partei kam, wer Treiber war und wer schon damals glaubte, die CDU könnte sich vergaloppieren, darüber sprechen wir in dieser Folge von Machtwechsel. Zuvor aber tauchen Robin und ich in die Berliner Gerüchteküche ein und gehen der Frage nach, wird dort nur ein lauwarmes Süppchen gekocht oder doch eine heiße Brühe angerührt?

SPEAKER_2 (2:01)

Wer regiert Deutschland? Mit Dagmar Rosenfeld und Robin Alexander.

Dagmar Rosenfeld (2:12)

Wir beginnen diese Folge mit einem kurzen Wrap-Up zu dem, was im politischen Berlin, um es mit den Worten von Katrin Göring-Eckardt zu sagen, gerade der heiße Scheiß ist. Die Gerüchte um einen Kanzlerwechsel in der CDU. Um Überlegungen, dass Henrik Wüst, der NRW-Ministerpräsident, Friedrich Merz ablösen könnte.

Robin, wie ist diese irre Debatte überhaupt aufgekommen?

Robin Alexander (2:37)

Diese Debatte hat es am Mittwoch zu einem Kommentar in der FAZ geschafft. Wüst gegen Merz. Damit war sie halbamtlich und völligamtlich wurde sie durch eine Reaktion des Kanzleramtes. Aus dem Umfeld von Friedrich Merz wurde den Kollegen von Table Media gesteckt. Wüste Spekulationen. Super Wortspiel.

Wären alle falsch und gefährden die Stabilität im Bundestag, betreiben das Geschäft der AfD und rauben der politischen Mitte die Autorität. Also der Kanzler ist wirklich sauer und spätestens damit ist es ein Thema. Und wie es ein Thema wurde, ist wirklich super interessant. Ich erzähl's mal schnell und rückwärts.

Dienstag gab's einen Aufmacher auf der Online-Seite der Bild, der wiederum war gestrickt aus dem Podcast unseres Kollegen Paul Ronsheimer, der wiederum den Sternchefredakteur Gregor Peter Schmitz in seinem Podcast hatte, der wiederum erzählte von einem Artikel von Julius Beczka, der am Montagmorgen erschienen war. So und darin taucht die Story auf. Friedrich Merz sei so unbeliebt auch bei den eigenen Abgeordneten, dass die auf die Idee kommen könnten, ihn zum Rücktritt zu drängen. Und er würde dann ersetzt durch den NRW-Ministerpräsidenten Hendrik Wüst. Und wer viel politisches Zeug liest, der kannte das schon, weil das Original ist vom 2 Mai. Das hat unser Kollege Ralf Schuller in Nius geschrieben. Und jetzt kannst du sagen, Nius ist ja so eine Art AfD-Boulevard. Da kann man mal sehen, wie weit die schon gekommen sind in der Beeinflussung der Mainstream-Medien. Oder du kannst sagen, Ralf Schuller, ein altes Schlachtrost des Berliner Betriebes, der in der CDU das Gras wachsen kann, kann eben sein Geschäft immer noch. Und ich persönlich würde sagen, beides stimmt.

Dagmar Rosenfeld (4:26)

Die interessante Frage dahinter, Robin, ist doch, hat Henrik Wüst mitgeholfen, dass diese Debatte, die Friedrich Merz ja beschädigt, in die Öffentlichkeit gelangt ist?

Robin Alexander (4:37)

Davor gibt es sehr interessante Spekulation. Dazu muss man wissen, in der Woche vor Pfingsten reiste Henrik Wüst nach Polen. Offiziell war das, um die Partnerschaft NRWs und Schlesiens zu feiern.

Und interessant war aber, dass vorher auch Berliner Journalisten eingeladen wurden. Also nicht nur der Düsseldorfer Tross, der den Ministerpräsidenten von NRW normalerweise begleitet, sondern auch Figuren, die sich halt in der echten Hauptstadt umtun. So wie wir beide zum Beispiel. Und da sind eine Reihe von Kollegen mitgefahren.

Und das Ganze wurde bundespolitisch aufgeladen. Auch dadurch, dass Hendrik Wüst die KZ-Gedenkstätte in Auschwitz besuchte. Das hat gar nicht so gut geklappt, weil das Foto, das er veröffentlichen ließ, stieß auf Kritik. Unter anderem bei Igor Lewitt. Ist in unserem Zusammenhang aber jetzt gar nicht entscheidend. Entscheidend ist, dass der Verdacht besteht, dass auf dieser Reise den Hauptstadtjournalisten erzählt wurde, wie der Hase läuft vom Kanzlertausch.

Dagmar Rosenfeld (5:42)

Wurde das von Henrik Wüst erzählt, Robin?

Robin Alexander (5:44)

Wir beide sind ja nicht hingefahren und ich glaube auch so plump wird es nicht gewesen sein. Aber die Frage ist ja, ist dieser Wahrnehmung Vorschub geleistet worden, die dem aktuellen Kanzler massiv schadet? Und dieser Verdacht, der fällt auf fruchtbaren Boden. Und dazu muss man wissen, dass Team Wüst ist das Team Laschet.

Also das sind Leute, die schon einmal 2021 mit einem CDU-Vorsitzenden in einen Wahlkampf zogen, dachten sie gewinnen und dachten sie zügen ins Kanzleramt ein. Henrik Wüst selbst ist immerhin schon 50, aber die Leute in seinem Umfeld sind für das politische Geschäft vergleichsweise junge Männer. Nathaniel Leminski, der Chef seiner Staatskanzlei, ist erst 40

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