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TALK: China ernährt Milliarden. Doch zu welchem Preis?

International

September 5, 2026

Ausland-Korrespondent sein bedeutet auch, das zu essen, was im jeweiligen Land auf den Tisch kommt. Das ist oft ganz anders als bei uns, und wird oft ganz anders produziert: zum Beispiel in China, dem grössten Nahrungsmittel-Produzenten der Welt.

Speakers Samuel Emch

TopicsNews

SPEAKER_1 (0:01)

SRF-Audio Wenn ihr auf den Morgen-Tisch bei euch zu Hause schaut, was gibt es bei euch zu morgen? Brot, Gomfi, Wurst, Käse, Joghurt, Kaffee. Ganz anders sieht es bei unserem Korrespondent in China aus. Für die Sendung International ging er der Nahrungsmittel nach, die bei ihm auf dem Tower landen. Und bevor wir über seine Recherchen in den Gewächshäusern und auf den Nächern von China sprechen, wollte ich von Samuel Emch in Shanghai wissen, was es bei ihm genau am Morgen gibt.

Samuel Emch (0:33)

In der Regel bei mir klassisch ein Kaffee, dann Früchte, einen Apfel, oder was sonst gerade die Saison hat. Im Moment ist gerade eine sehr gute Zeit, da gibt es noch Wassermelonen, aber auch schon Granatpapfel und Zwetschgen in China. Die haben Saison. Aber wenn ich mal Hunger habe, mache ich es zwischendurch auch mal chinesisch. V.a. von meinem Büro ist es ein Zmorgenrestaurant. In der Schweiz würde man vielleicht erwarten, dass es dort Gipfel, Birchermüsli und etwas Rührei gibt.

Bei uns sieht es ein bisschen anders aus. Da gibt es Reisnudeln, Wontons, Teigtaschen gefüllt mit Fleisch und auch Gemüse zum Teil. In einer Suppe können frittierte Teigstäbe, Sojamilch und frittiertes Brot mit Frühlingszwiebeln, etwas klassischer, was es hier gibt.

SPEAKER_1 (1:24)

Frittiertes Brot mit Frühlingszwiebeln, also ja.

Samuel Emch (1:28)

Das habe ich übrigens noch recht gerne.

Man muss so sagen, je nachdem, in welcher Ecke du im Land bist, sieht es noch einmal etwas anders aus. Zum Beispiel in Peking gibt es noch einen Klassiker. Dort kommt eine würzige, dickflüssige Suppe mit Schweineleber und Gedärmtinnen rüber, die üblicherweise noch mit gedämpften Brötchen serviert werden. Das stört den Klassiker. Hier verzichte ich den Alben.

SPEAKER_1 (1:55)

An deine grösste Verständnis freue ich mich auf die Gipfel in Wirchenwiesel. Du hast genauer wissen können, wo das Essen kommt, wo serviert wird. Was hat dich denn so gewundert gemacht?

Samuel Emch (2:06)

Es gab ganz viele verschiedene Gründe.

Es gab sehr viele Überraschungen auf meiner Seite. Zum Beispiel zum ersten Mal im Winter habe ich gemerkt, dass die Abbeeren im Wintersaison hier sind. Das hat mich recht überrascht. Aber die werden spezifisch auf den Winter gezüchtet. Ganz am Anfang war es noch ein bisschen ein Suchen nach frischen Früchten, Gemüse, wo man zuverlässige, gute Quellen finden kann, die man beziehen kann. Dann landest du dann auch in einer WeChat-Gruppe, wie WhatsApp, in einer Gruppe mit Leuten, die frische Sachen anbieten. Frische Salate aus der Region, Rand aus Beijing, Orangen aus dem Süden. Das fand ich auch spannend, wie man sieht, woher das Zeug kommt. Und dann haben wir Diskussionen mit Chinesinnen und Chinesen, mit Kollegen und Freundinnen. Von wo kommt der beste Reis im Land? Von wo kommt das beste Schweinige? Das hat mich dann auch gerät, um mich etwas in die Thematik zu vertiefen, woher das Essen, das wir hier essen, kommt. Und das andere wiederum, das ist ein Schockmoment, sind die Nahrungsmittel ausgekannt, was es auch immer wieder mal gibt. Also kurz nachdem wir sie angekommen haben, wurde zum Beispiel ein Lastwagen gestoppt, voll mit 1'000 Katzen, und der hat dann zu den Restaurants in Guangzhou gehen sollen, im Süden des Landes. Dann haben wir einen Speiseöl, der in einen Diesel-Tank, der nicht gereinigt wurde, transportiert wurde.

Das Jüngste sind gerade Früchte und Chinakohl, die mit den Krebserregenden, Chemikalie, nach dem Pflücken und Ernten behandelt wurden, die sie dann länger halten. Solche Sachen gibt es dann auch zwischendurch. Man fragt sich natürlich, was wir hier genau essen und wie wird das hergestellt?

SPEAKER_1 (4:05)

Wir sprechen von Reis, wir sprechen von Wassermelonen, wir sprechen von China-Kölen, die alles in China abpflanzt werden. Das ist eine grosse Palette. Ist es genug? Also sprich, kann China genug Nahrungsmittel produzieren für die riesige Bevölkerung von 1,4 Milliarden Leuten?

Samuel Emch (4:20)

Nein und ja, muss man sagen. Es ist tatsächlich das oberste Ziel der Nährungssicherheit, sagt auch der Staatschef Xi Jinping immer wieder. Seit Jahren versucht man darum, auch produktiver zu sein in der Landwirtschaft. Heute ist China der grösste Nahrungsmittelproduzent der Welt und bei den wichtigsten Sachen, sprich in China ist das Reis und Weizen, Weizen für Nudeln und Brot, da kann man sich selbst versorgen. Früchte und Gemüse exportiert man sogar zum Teil, z.B. Tomaten, die ins Ausland gehen. Aber wenn man auf der anderen Seite schaut, z.B. Fleisch wird zwar sehr viel produziert, aber das Futter für die Tiere, also Soja, Mais, das kommt aus dem Ausland, Brasilien, Argentinien, USA, da ist man völlig abhängig vom Ausland.

SPEAKER_1 (5:05)

Die chinesische Regierung möchte, dass das Land selbstständig ist, wenn es um Nahrungsmittel geht. Bei Reis, Weizen und Gemüse geht das, bei anderem noch nicht. Wie merkst du das im Alltag?

Samuel Emch (5:16)

Also z.B. gerade beim Fleisch gibt es auch sehr viel Import. Aus Südamerika, Australien, Neuseeland. Also aus Australien, Neuseeland kommt auch noch viel Milchprodukte.

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