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Stützen oder stürzen: Jetzt entscheidet sich die Zukunft des Kanzlers

Machtwechsel

September 16, 2026

Welchen Plan hat Friedrich Merz, um seine Kanzlerschaft zu retten? Wie will er seine Ministerpräsidenten zum Treueschwur bringen? Werden sie ihn stützen oder stürzen? Nach den Wahlen am Sonntag in Mecklenburg-Vorpommern und Berlin wird es darauf eine Antwort geben müssen.

Speakers Dagmar Rosenfeld, Robin Alexander, Friedrich Merz

TopicsPoliticsNewsSociety & Culture

Dagmar Rosenfeld (0:18)

Stand by me, so lässt sich mit Ben Eking in drei Worten zusammenfassen, welchen Plan Friedrich Merz hat, um seine Kanzlerschaft zu retten. Er will seine Ministerpräsidenten zum Treueschwur bringen. Also die Männertruppe, aus deren Reihen zwei im quasi Stand-by-Modus für seine Nachfolge sind. Stützen oder stürzen? Nach den Wahlen am Sonntag in Mecklenburg-Vorpommern und Berlin wird es eine Antwort auf diese Frage geben müssen. Sie haben also begonnen, die für Merz entscheidenden Tage im Kampf um seine Kanzlerschaft. Und während er nach innen versucht, Unterstützung zu organisieren, läuft ihm außen die Debatte um seine Person im Fastforward-Tempo davon.

Mit welchem Kalkül Friedrich Merz in den Wahlsonntag geht, wie er die Ministerpräsidenten überzeugen will und welche Szenarien möglich sind, darum geht es in dieser Folge von Machtwechsel.

Machtwechsel.

Robin Alexander (1:31)

Wer regiert Deutschland?

Friedrich Merz (1:45)

Die Aber auf der anderen Seite ist Deutschland so nahezu mit dem Ziel der europäischen Kontinenten verbunden, dass wir nicht verbreiten können.

Von dem, was wir hier zu tun haben. Und das ist der Grund, warum ich versuche...

Dagmar Rosenfeld (2:15)

Kanzler hat auf der Abschlusspressekonferenz des EU-Arktesgipfels im finnischen Rovaniemi auf die Frage, ob durch die politische Krise daheim die außenpolitischen Optionen Deutschlands geschwächt seien und ob sein Satz von vergangener Woche aufgeben, das sei für ihn keine Option, ob dieser Satz noch gelte. Da stand also der Kanzler inmitten europäischer Staats- und Regierungschefs. Es ging um ein sicherheitspolitisch hochrelevantes Thema, nämlich was die Europäer, Russland, China und den USA in der Arktis entgegensetzen können. Doch Merz konnte auch am Polarkreis dem nicht entkommen, was in seiner eigenen Partei seit Tagen diskutiert wird. Kann bzw. soll er noch Kanzler bleiben. Robin, du hast ja Merz nach Finnland begleitet. Was für einen Friedrich Merz hast du dort erlebt?

Robin Alexander (3:07)

Ich habe kaum etwas von Friedrich Merz erlebt, was sehr ärgerlich ist, weil der Sinn dieser Reisen ist ja, wenn man ehrlich ist, nicht die arktische Politik in ihren Schattierungen zu verstehen, sondern den Kanzler zu beobachten.

Und der Kanzler hat sich uns ein Stück weit entzogen. Also auf solchen Flügen finden ja oft Hintergrundgespräche statt. Die haben diesmal nicht stattgefunden. Der Kanzler ist nicht zu uns nach hinten ins Flugzeug gekommen. Und die Begründung, die dafür geliefert wurde, war, dass er wichtige Telefonate hatte. Ich wage die These, dass ich das nicht glaube. Weil es war diesmal kein besonderes Regierungsflugzeug, wo vorne ein abgesondertes Bereich ist für die Politiker, sondern es war ein Truppentransporter der Bundeswehr. Und das muss man sich einfach vorstellen, wie ein normales Flugzeug. Also man sitzt da halt ganz normal. Und wo Merz saß, saßen halt direkt dahinter die Beamten aus dem Kanzleramt. Und dass Merz Staatsgeschäfte oder wichtige Telefonate mit deutschen Ministerpräsidenten führt, wenn 15, 20 Leute zuhören, das glaube ich nicht. Also er wollte nicht zu den Journalisten. Das ist auch sein Recht. Jeder darf keinen Bock auf Journalisten haben. Aber es ist schon bemerkenswert, weil er natürlich dem Narrativ Vorschub leistet, dass er Leuten ausweicht. Das war ja das, was wir in der letzten Folge auch beschrieben haben, in den ostdeutschen Landtagswahlkämpfen, wo er Termine hatte mit ausgesuchten Publikum oder ohne Publikum. In dieser Woche hatte er noch einen Termin im Berliner Landtagswahlkampf in der eigenen Parteizentrale, also auch nicht in der Öffentlichkeit. Und so hat er halt bewusst verzichtet, auf die Journalisten einzuwirken, die natürlich dann alle in die Redaktion funken. Merz weicht uns aus, was dort auch wieder die Warnung prägt.

Dagmar Rosenfeld (4:49)

Merz im Ausweichmodus, das war ja auch vor Beginn der Gipfel-Arbeitssitzung am Montagmorgen zu erleben. Da machte ja jeder Teilnehmer eine Öffnungsstatement. Und du hast mir übrigens das Foto geschickt von dem wirklich trostlosen Café, in dem Merz darauf gewartet hatte, bis er mit seinem Statement an der Reihe war. Und liebe Hörerinnen und Hörer, dieses Foto können Sie auch bei Campfire bewundern.

Als Merz dann an die Mikros trat, dauerte sein Statement exakt 89 Sekunden. Danach drehte er den Mikrofonen den Rücken zu. Fragen waren nicht zugelassen. Robin, und das führte dann zu der absurden Situation, dass seine Amtskollegen aus den anderen europäischen Länder zum Kanzler und zur innenpolitischen Lage in Deutschland befragt wurden.

Robin Alexander (5:36)

Ja, wobei das war natürlich nicht die Schuld dieser Staats- und Regierungschefs, sondern die Journalisten haben da ein bisschen hingearbeitet. Man muss sich die Situation so vorstellen, dieses Format heißt Doorstep und ist eigentlich aus Brüssel. Also in Brüssel ist das so, wenn bei der EU-Ratssitzung die Staats- und Regierungschefs ankommen, dann kommen sie extra nicht alle auf einmal, sondern so schön nacheinander. Und da ist so ein Pulk aufgebaut mit Abgrenzungen. Hat man auch schon mal gesehen, wenn man da Bilder aus der Tagesschau gesehen hat, wo die Journalisten warten, dann können die einzelnen Staats- und Regierungschefs halt zu den Kamerateams aus ihren Ländern kommen und sagen, was sie von dieser Sitzung erwarten. Und das wurde da nachgebaut, weil es ja ein arktischer EU-Gipfel war.

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