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Region der Lebensretter: Herzdruckmassage vor dem Blaulicht rettet Leben (Prof. Dr. Michael Müller)

Gesundheitswerkstatt

August 7, 2026

Zu Gast ist Prof. Dr. Michael Müller, Notfallmediziner und Vorsitzender des Ersthelfersystems „Region der Lebensretter“. Beim Herz-Kreislauf-Stillstand beginnen die entscheidenden Minuten lange vor dem Eintreffen des Rettungsdienstes.

Speakers Dr. Moritz Binder, Prof. Dr. Michael Müller

TopicsHealth & Fitness

Dr. Moritz Binder (0:00)

Herzlich willkommen in der Gesundheitswerkstatt. Dem Podcast, mit dem du deine Gesundheit in die eigenen Hände nimmst. Deine Gastgeber sind Doktor Pia Hartmann und Doktor Moritz Binder. Schön, dass du da bist.

Liebe Leute, heute freue ich mich total über unser Thema, nämlich die Ersthelferianimation beim Herz-Kreislauf-Stillstand. Und genauso sehr freue ich mich über meinen Gast, Professor Doktor Michael Müller. Das ist nicht nur ein blitzgescheiter Anästhesist, intensiver Notfallmediziner und Chefarzt in Freiburg, sondern auch ein echter Macher und Visionär. Er ist nämlich der Gründer und erste Vorsitzende von der Region der Lebensritter. Ein Projekt, das eine einfache, aber ganz wichtige Frage beantwortet, nämlich wie schaffen wir es, dass nach einem Herz-Kreislauf-Stillstand möglichst schnell jemand mit Widerbelebungsmaßnahmen beginnt? Und zwar suffizient und adäquat.

Und Herr Müller, das war ein bisschen Lobhudelei, aber ich bin wirklich einfach so begeistert von dem, was Sie da mit Ihrem Team auf die Beine gestellt haben, dass ich mich richtig über unser Gespräch freue und begrüße Sie sehr herzlich in der Gesundheitswerkstatt.

Prof. Dr. Michael Müller (1:13)

Ja, vielen Dank für die Einladung. Ich freue mich auch sehr auf das Gespräch. Und ich bin mal gespannt, in welche Richtung sich es entwickelt. Also ich meine, an dem Thema sind wir jetzt seit zehn Jahren dran. Und in den zehn Jahren hat sich viel weiterentwickelt. Und ich glaube, die nächsten zehn Jahre werden auch spannend, weil auch jetzt noch sehr viel Potenzial für Verbesserungen da ist. Und vielleicht kann man das gleich zu Beginn mal sagen. Es sind etwa 54 Menschen, die jedes Jahr in Deutschland einen Herz-Kreislauf-Schichtstand erleiden und von denen überleben zehn Prozent.

Und als ich angefangen hab, mich mit diesem Thema zu beschäftigen oder mich für den Rettungsdienst zu interessieren, das war Ende der 80er Jahre, da war die Überlebensrate relativ ähnlich wie heute. Also da hat sich nicht viel getan. Und das ist eigentlich sehr schade, weil in der Medizin gibt es ja grandiosen Fortschritt. Man sagt, etwa alle vier Jahre verdoppelt sich das Wissen. Und viele Krankheiten sind jetzt heilbar, die vor zehn Jahren nicht heilbar waren. Beim Herz-Kreislauf-Stilstand haben wir noch nicht so viele Änderungen erlebt. Und ich glaube, das, was in den nächsten zehn Jahren kommt, da werden wir große Erfolge haben und viele tausend Menschen jedes Jahr zusätzlich retten können.

Dr. Moritz Binder (2:31)

Ja, bin ich auch ganz gespannt auf die Entwicklung, weil das, was sie eben auf die Beine gestellt haben, so zeitgemäß ist oder eine Art Lücke bedient, die aktuell beim Herz-Kreislauf-Stilstand noch vorhanden ist. Weil, wenn man sich jetzt vorstellt, jemand erleidet einen Herz-Kreislauf-Stilstand. Ich glaube, viele Leute, die haben dann so dieses Bild, dann kommt heroisch der Rettungsdienst mit Blaulicht und der Notarzt und dann wird der Patient gerettet und dann kommt der auf die Intensivstation und dann wird ganz viel von dieser Karachomedizin betrieben, die ihren Platz hat und die auch in dem, was sie dann tut, sehr gut ist.

Aber was oder wer entscheidet denn eigentlich über das Outcome? Also über das Überleben und das Überleben mit einem guten neurologischen Outcome. Was ist denn da eigentlich der wichtigste Baustein, Herr Müller?

Prof. Dr. Michael Müller (3:22)

Naja, die Biologie, die Physiologie, das was passiert im Körper, wenn das Herz still steht, das wissen wir schon seit vielen Jahren. Dann wird nämlich kein Blut in die Organe transportiert. Damit kommt kein Sauerstoff in die Organe. Und das Organ, was Sauerstoff mangel, am wenigsten toleriert ist das Gehirn. Wenn im Gehirn nicht mehr Sauerstoff ankommt, dann treten irreversible Schäden nach drei bis fünf Minuten ein. Und das ist medizinisch einfach mal Gesetz. Das müssen wir so hinnehmen, da können wir nicht viel dran ändern. Und wir wissen, dass es nicht möglich ist, selbst mit dem besten Rettungsdienst der Welt, nicht möglich ist, dass nach drei bis fünf Minuten, also nicht ab dem Notruf oder ab dem Alarm für die Rettungskräfte, sondern ab dem Eintreten des Herz-Kreislauf- stillstandes, drei bis fünf Minuten, in der Zeit schaffen wir es nicht, dass der Rettungsdienst vor Ort ist. Und deswegen sind unsere ganzen Ansätze oder das, was so abläuft an Rettungskette, das ist der Rettungsdienst sehr wichtig. Und dann auch danach die Behandlung im Krankenhaus, das ist auf der Inhesivstation sehr wichtig. Aber zu spät dazu, die Weichen zu stellen. Die Weichen werden gestellt durch zwei Ereignisse, nämlich den Beginn der Herzdruckmassage und die Defibrillation.

Ein Viertel aller Patienten, etwa ein Viertel der Patienten, die einen Herzkreisabstand erleiden, die haben eigentlich nur eine Herzrhythmusstörung. Das nennt sich Herzkammerflimmern.

Und wenn man bei diesen Patienten innerhalb kurzer Zeit defibrilliert, also so einen kleinen Stromimpuls von außen setzt, das kann man mit so einem automatisierten externe Defibrillator-ID, gerade die in der Öffentlichkeit verfügbar sind, kann man das machen. Das können auch, wir müssen keine Ärzte machen. Die Defibrillation kann sogar durch Laien durchgeführt werden. Wenn wir das zeitnah machen, dann kann es sein, wenn das Herz noch gut mit Sauerstoff versorgt ist, dass das Herz wieder ganz normal schlägt. Also noch mal, wir müssen dafür sorgen, dass die Herzdruckmassage so schnell wie möglich beginnt. Und da ist wiederum, das wissen wir aus vielen Studien, auch wichtig die Qualität der Herzdruckmassage. Da gibt es Empfehlungen von den Leitlinien, die sagen, man soll 5-6 cm tief in der Mitte des Brustkorbs drücken. Nach jedem Drücken auch komplett loslassen, komplett entlasten. Und das Ganze soll man 100-120 Mal pro Minute machen.

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