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Patientenverfügung: Für die richtige Medizin, wenn es darauf ankommt (Dr. Fridolin Steinbeis)

Gesundheitswerkstatt

October 2, 2026

Was soll medizinisch mit mir passieren, wenn ich selbst nicht mehr entscheiden oder meinen Willen äußern kann? Eine Patientenverfügung soll diese Frage beantworten und konkret genug sein, damit Ärzte und Angehörige den eigenen Willen auch in einer schwierigen Situation kennen.

Speakers Dr. Moritz Binder, Dr. Fridolin Steinbeis

TopicsHealth & Fitness

Dr. Moritz Binder (0:00)

Herzlich willkommen in der Gesundheitswerkstatt. Dem Podcast, mit dem du deine Gesundheit in die eigenen Hände nimmst. Deine Gastgeber sind Doktor Pia Hartmann und Doktor Moritz Binder. Schön, dass du da bist.

Liebe Freundinnen und Freunde der Gesundheitswerkstatt, ich begrüße euch heute zu einem Thema, das total relevant und wichtig ist und ein bisschen ein stiefmütterliches Dasein fristet, nämlich die Patientenverfügung. Jeder hat die schon mal gehört, hat vielleicht sogar irgendwo eine rumliegen, aber so eine richtig gute, die hat fast niemand.

Und deswegen freue ich mich total, dass ich heute mit Fridolin Steinbeis über die Patientenverfügung sprechen darf. Fridolin ist ärztlicher Kollege, ist Facharzt für Innere Medizin, hat an der Charité in Berlin die Facharztausbildung gemacht. Und jetzt begrüße ich dich sehr herzlich in der Gesundheitswerkstatt, lieber Fridolin.

Dr. Fridolin Steinbeis (1:01)

Hallo Moritz, ich freue mich heute hier zu sein.

Dr. Moritz Binder (1:04)

Sag mal kurz, wo du jetzt bist und was du jetzt machst.

Dr. Fridolin Steinbeis (1:07)

Ja, du hast ja schon gesagt, woher ich komme. Und jetzt bin ich seit ziemlich genau zwei Jahren in Bad Endorf, in der hausärztlichen Versorgung gelandet, in der internistischen. Habe dort einen Kassensitz und bin in einer großen hausärztlichen Praxis tätig.

Und habe den großen Schwenk von der klinischen Medizin hin zur hausärztlichen Versorgung unternommen und bin da sehr glücklich seit zwei Jahren tätig.

Dr. Moritz Binder (1:34)

Und warum es sich, finde ich, so anbietet, dass wir zwei oder ich mit dir darüber jetzt sprechen darf, ist, weil du so viele Blickwinkel aus der Medizin auf die Patientenversorgung hast, wo die Patientenverfügung eine Rolle spielt. Also du hast Hardcore-Karacho-Mechanistische-Charity-Medizin gemacht. Da warst du in der Lungenheilkunde, in der Intensivmedizin, in Bereichen, wo Leute am Lebensende oft nicht einfach sich verabschieden, sondern wo es wirklich dann die Frage ist, wie macht man jetzt eine gute Versorgung, eine individuelle Versorgung, die dann im Sinne dieses Menschen ist. Dann hast du die Zusatzbezeichnung für Palliativmedizin gemacht und du kennst jetzt die ambulante Hausarztbrille.

Und genau deswegen hast du so einen sehr relevanten Praxisbezug oder vielleicht Erfahrungswerte, die jetzt ganz hilfreich sind für das Gespräch.

Dr. Fridolin Steinbeis (2:34)

Das ist auf jeden Fall von Anfang an so gewesen. Ich komme ja aus der pneumologischen Ecke ab dort tatsächlich auf so einer pneumologischen Normalstation begonnen. Und da wir auch sehr eng mit der pneumologischen Onkologie in Verbindung waren, hatten diese Themen tatsächlich von Anfang an für uns große Relevanz und haben mich auch von Anfang an interessiert und beschäftigt, da eine adäquate Versorgung auch im Sinne der Patienten zu gewährleisten. Und so ist das dann tatsächlich auch weitergegangen in der akuten Notfallmedizin, in der Rettungsstelle, wo dann Patienten, ohne die Möglichkeit mit denen selber zu sprechen und Kontakt aufzunehmen, über den Rettungsdienst gebracht werden, bis hin zur Intensivmedizin und Beatmungsmedizin, wo sich immer wieder auch schwere ethische Fragestellungen für uns gestellt haben, in welche Richtung die Weiterbehandlung geht. Und dann hin zur Palliativmedizin, wo dann viele Dinge meistens am Ende des Lebens dann auch schon besprochen und geklärt sind, wo es dann vor allem aber um die Begleitung geht.

Und genau so ist es, jetzt sozusagen am anderen Ende zu sitzen und so ein bisschen im Vorhinein das mit den Patienten besprechen zu können und planen zu können und zu sagen, jetzt ist es an der Zeit, sich darüber Gedanken zu machen für den Fall der Fälle. Das ist super wertvoll und ist auch ein tatsächlich wichtiger Punkt in der hausärztlichen Versorgung, den wir immer wieder mit unseren Patienten gerne auch ansprechen.

Dr. Moritz Binder (4:07)

Und jetzt sagst du für den Fall der Fälle, also was ist denn der Fall der Fälle? Normalerweise fragen wir den Patienten, ey Patient, wie hättest du es gerne? Und dann sagt er entweder, ja, weiß ich auch nicht genau, Herr Doktor, was meinen Sie? Oder, genau, dann müssen wir es zusammen austüfteln. Oder er sagt, ich hätt's gerne so oder so. Und dann machen wir es so oder so, weil Patientenwille zählt.

Jetzt gibt es aber eben dann im Fall, in diesen Fällen, wo die Patienten das nicht mehr sagen können, das Dilemma, dass ich es ja trotzdem irgendwie, also ich muss ja jetzt, oder muss sozusagen den mutmaßlichen Patientenwille umsetzen. Und wenn ich keine Patientenverfügung habe, dann mache ich genau das. Also dann spreche ich mit den Angehörigen, versuche den Hausarzt an die Strippe zu kriegen, wenn ich im Krankenhaus sitze und versuche rauszufinden, was ist der mutmaßliche Patientenwille. Der Patient kann es mir nicht mehr sagen, also versuche ich rauszufinden, was er gewollt hätte, wenn er es sagen könnte.

Und viel einfacher oder besser ist es natürlich, wenn dieser Patientenwille einmal verschriftlicht ist, in einer Patientenverfügung. Das ist letztlich die Patientenverfügung. Also dass ich für Szenarien, wo ich selbst als Patient nicht mehr sagen kann, wie ich es möchte, diese Szenarien möglichst abgedeckt habe, damit dann die Kollegen, die mich versorgen im Krankenhaus, wissen, wie ich es gerne hätte.

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