Mit Rekordergebnis: AfD triumphiert in Sachsen-Anhalt (Wahlspezial)
Was jetzt?
September 6, 2026
Die AfD hat die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt gewonnen. Die Partei erhielt laut ersten Hochrechnungen mit über 44 Prozent die meisten Stimmen. Es ist das beste Landtagswahl-Ergebnis in der Geschichte der Partei. Zweitstärkste Kraft ist voraussichtlich die CDU mit etwa 18,5 Prozent.
Speakers Mounia Meiborg, Ulrich Siegmund, Anne Hähning
TopicsNews
Mounia Meiborg (0:04)
Monatelang haben wir auf Sachsen-Anhalt gestarrt und uns gefragt, ob die AfD hier womöglich zum ersten Mal in Deutschland in einem Bundesland regieren können wird. Und jetzt am Wahlabend, da scheint es zumindest nicht ganz ausgeschlossen. Und damit herzlich willkommen bei Was jetzt? Wir wollen die ersten Ergebnisse analysieren. Ich bin Mounia Meiborg. Schön, dass Sie dabei sind.
Die AfD liegt laut erster Hochrechnung bei 44,5 Prozent. Sie ist damit noch mal stärker als in den Umfragen zuletzt vorhergesehen. Es ist ihr bisheriges Rekordergebnis und für den Spitzenkandidaten Ulrich Siegmund ein Grund zu feiern.
Ulrich Siegmund (0:44)
Wir haben in diesem Land Geschichte geschrieben. Das muss man ganz deutlich so sagen. Die Menschen haben ein ganz klares politisches Zeichen hier in Sachsen-Anhalt ausgesprochen.
Mounia Meiborg (0:51)
Der Landesverband der AfD gilt übrigens als gesichert rechtsextrem. Auf Platz zwei, da liegt die CDU bei um die 18 Prozent. Die Partei hat sich mehr als halbiert. Die Linke, die ist wie die CDU auch schwächer als gedacht, liegt bei 9,5 Prozent. Die SPD und die Grünen sind beide im Landtag mit circa acht oder neun Prozent.
Spannend wird es beim BSW. Das BSW liegt etwa bei fünf Prozent. Es ist also unklar, ob das BSW in den Landtag in Magdeburg einzieht.
Die Wahlbeteiligung war ungewöhnlich hoch für Sachsen-Anhalt. Über drei Viertel der Menschen haben gewählt. Auch daran kann man vielleicht sehen, wie sehr diese Wahl die Menschen beschäftigt hat. Wichtig bei all dem, diese Zahlen, die können sich noch ändern. Es ist bisher nur die erste Hochrechnung. Wir nehmen um 18.3 Uhr auf. Das amtliche Endergebnis, das wird irgendwann in der Nacht erwartet. Aber wir wollen hier schon mal die wichtigsten Fragen besprechen. Und das kann ich jetzt tun mit Anne Hähning. Sie leitet das Politikressort der Zeit. Hallo Anne.
Anne Hähning (1:55)
Hallo Mounia.
Mounia Meiborg (1:56)
Anne, was waren deine ersten Gedanken zum Ergebnis?
Anne Hähning (2:00)
Dass das aus Sicht der AfD ein überwältigend gutes Ergebnis ist. Also diese Partei ist Erfolge gewöhnt in Ostdeutschland. Aber einen derart gutes Abschneiden haben selbst in der Partei, in den zurückliegenden Tagen, wenn man mit Vertretern der Partei sprach, wenige vermöglich gehalten.
Mounia Meiborg (2:19)
Ja, 44,5 Prozent. Was heißt das jetzt genau? Also es ist ein Sieg. Ulrich Siegmund hat ja mal 45 plus als Ziel ausgegeben, der Spitzenkandidat.
Ja, will die AfD regieren?
Anne Hähning (2:36)
Die AfD will regieren. Sie hat sich halt eine bestimmte Strategie gegeben. Und diese Strategie war durchaus riskant. Sie lautet, wir bewegen uns nicht auf andere Parteien zu. Wir suchen keine Kompromisse. Wir mäßigen uns nicht. Uns liegt nicht an einer Koalition mit irgendwem, nirgendwo. Wir wollen die absolute Mehrheit. Das war riskant, weil man die absolute Mehrheit dann erreichen muss.
Und jetzt ist sie ganz knapp davor. Nach dem bisherigen Stand fehlen zwei Stimmen, zwei Abgeordnete.
Das ist irre nah dran und mir fehlt ein bisschen die Fantasie, wie jenseits der AfD eine Regierung gebildet werden kann. Kann sein, wir sind morgen schon auf einem anderen Stand, aber aktuell fällt es mir schwer, mir vorzustellen, wie hier noch an der AfD vorbei regiert werden soll.
Mounia Meiborg (3:27)
Ja, alles schaut ja jetzt aufs BSW. Also das BSW könnte der AfD ja zu einer Regierung verhelfen, entweder auf die direkte Art, dass sie doch eine Koalition mit der AfD eingehen, oder indirekt, also dadurch, dass sie sich enthalten würden und dann einen Ministerpräsidenten, Ulrich Siegmund, von der AfD mitwählen, indirekt, indem sie sich enthalten.
Was hältst du für möglich?
Anne Hähning (3:53)
Das BSW ist die große Unbekannte. Wir wissen noch nicht, wie sie agieren. Sie haben deutlich gemacht, dass sie nicht mit der AfD koalieren wollen, aber sich vorstellen können, wie du es gesagt hast, in einem möglichen dritten Wahlgang sich der Stimme zu enthalten, sodass Ulrich Siegmund zum Ministerpräsidenten gewählt werden kann. Sarah Wagenknecht hat auch oft ihre Meinung oder hat schon mal ihre Meinung geändert, wenn es darum geht, wie steht sie eigentlich zur AfD. Früher hat sie sich mal als Anti-AfD-Kraft präsentiert. Das ist heute schon anders. Und wir müssen bei ihr und ihrem Bündnis, dem es sehr darum geht, Aufmerksamkeit zu erringen, im Gespräch zu bleiben, um nicht als Partei zu sterben. Das BSW war ja schon fast weg.
Darum geht es ihr. Deswegen würde ich nichts ausschließen in der Frage, was macht jetzt eigentlich das BSW?
Mounia Meiborg (4:41)
Also denkbar wäre auch so was wie eine Minderheitsregierung der AfD, die vom BSW toleriert wird.
Anne Hähning (4:48)
Ulrich Siegmund will das ja nicht. Er will keine Minderheitsregierung. Ich nehme an, es wird die Strategie der AfD sein, wenn sich das Ergebnis so bestätigen sollte, Überläufer zu suchen oder wenigstens darauf zu setzen, dass einzelne Abgeordnete aus der CDU-Fraktion austreten und es eine mögliche AfD-Regierung unterstützen. Ob das so kommt, kann heute noch niemand sagen. Aber das wird die AfD versuchen.
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