Mit Kunst und Austausch gegen den Rechtsruck?
Was jetzt?
September 13, 2026
Nach der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt ist die Sorge vor einer möglichen AfD-Regierung weiterhin groß. Gleichzeitig streitet sich die Republik über die Gründe für den Wahlerfolg der AfD.
Speakers Imre Balzer, Sophia Boddenberg, Aljoscha Begrich, Alexander Kauschanski
TopicsNews
Imre Balzer (0:04)
Guten Morgen an diesem Sonntag, den 13 September. Sie hören Was jetzt? den Nachrichtenpodcast der ZEIT. Und wir sprechen eine Woche nach dem Wahlerfolg der AfD in Sachsen-Anhalt darüber, wie Kunst und Kultur Menschen wieder ins Gespräch bringen kann. Darum geht es hier am Beispiel eines kleinen Festivals in Bitterfeld-Wolfen. Außerdem, welche Hoffnung oder Ängste verbinden die Menschen in Kuba mit den USA?
Auch das erfahren sie heute hier von mir im Rebalzer. Jetzt kommt aber erstmal das Aktuelle aus der Nacht.
Sophia Boddenberg (0:37)
Ich bin Sophia Boddenberg. Guten Morgen. Zehntausende Menschen haben in Deutschland gegen Rechtsextremismus demonstriert. Der Kampagnenplattform Campact zufolge waren es fast 150 Menschen in etwa 20 Städten. Dazu aufgerufen hatte die Initiative Prüf, die sich für die Prüfung eines AfD-Verbots einsetzt. Besonders groß waren die Proteste demnach in Düsseldorf, Hamburg, Berlin und München. Auch in Leipzig, Magdeburg, Mainz, Saarbrücken und in anderen Städten demonstrierten die Menschen. In Berlin war die größte Veranstaltung ein Sternmarsch, der aus sieben Demonstrationszügen bestand und vor dem Roten Rathaus mit einer Abschlusskundgebung endete. Bundesweit wird die AfD vom Verfassungsschutz bereits als Verdachtsfall beobachtet. Unter anderem die Landesverbände in Thüringen und Sachsen-Anhalt werden als gesichert rechtsextremistisch.
Die Chefs der KI-Konzerne Entropic, OpenAI und SpaceX fordern weniger Tempo bei der Entwicklung von künstlicher Intelligenz. Der Chef von Entropic warnte vor der Übernahme des Internets durch sogenannte KI-Agenten. Das schrieb er in einem Essay, das er auf seiner Homepage veröffentlichte. Die Chefs von OpenAI und SpaceX stellten sich hinter ihn.
Während klassische KI-Chatbots wie Cloud oder ChatGPT auf Fragen oder Aufträge warten und dann antworten, handeln KI-Agenten selbstständig, um ein vorgegebenes Ziel zu erreichen. OpenAI sagte wegen der Debatte über die Gefahren von KI außerdem seinen Börsengang für dieses Jahr ab. Es gäbe noch viel zu tun, um Sicherheitsanforderungen zu erfüllen, sagte Chef Sam Altman dem Magazin Fortune.
Redaktionslos für diesen Podcast ist 5 Uhr.
Imre Balzer (2:22)
Wie steht es um unsere Demokratie? Wie lange hält die Brandmauer? Und was heißt das für die Zukunft Deutschlands? Es waren vor allem die großen Themen, die vergangene Woche die Debatte in Deutschland bestimmt haben. Und das natürlich zu Recht. Denn erstmals seit 1945 könnte eine rechtsextreme Partei eine Landesregierung anführen. Aber wie geht man vor Ort in Sachsen-Anhalt mit diesen großen Fragen um? Und wie könnten die Menschen wieder ins Gespräch und vielleicht sogar zusammenkommen? Das beschäftigt unter anderem Aljoscha Begrich, Mitveranstalter des Osten-Festivals für Kunst und gegenseitiges Interesse, das seit gestern in Bitterfeld-Wolfen stattfindet. Und jetzt kann ich mit ihm sprechen. Herr Begrich, es geht bei Ihrem Festival um Theater, Musik, Performances und Workshops, aber eben auch um gegenseitiges Interesse, wie der Zusatz ja auch unterstreicht. Wie gut kommen Sie denn tatsächlich mit den Menschen vor Ort in Kontakt?
Aljoscha Begrich (3:14)
Das sind so zwei Strategien. Ich bleibe mal bei der ersten, dass man eben immer so Formate und letztlich Aktionen schafft, wo man das zusammen machen muss. Im ersten Jahr musste man halt zusammen mit einer Schubkarre durchs Gebäude fahren. Dieses Jahr muss man zusammen diesen Wagen bewegen, um dann so eine Rampe runterzufahren. Und dabei komme ich natürlich schon mit Leuten in Kontakt, kann ins Gespräch kommen. Wir suchen sehr viel nach solchen Formaten, wo Kunst eine Einladung, ein Auslöser sein kann, um miteinander ins Gespräch zu sein. Das kann zusammen tanzen sein. Natürlich auch ein Stück sich anschauen und Diskussionen hinterher machen, aber das sind immer so Begegnungsformate. Und die zweite Strategie ist so eine langfristige Strategie, die sehr viel früher beginnt. Also wir machen meistens ein Jahr vorher so ein kleines Auftaktfestival, wo diese Programme starten. Das war dieses Jahr ein Filmclub und zum anderen haben wir eine Chor gegründet, wo sich dann Leute einmal im Monat treffen und wir sehr viel gucken, was kann denn Kunst, wenn sie gemeinschaftlich ist und vielleicht auch versucht, an andere Leute ranzukommen, die das nicht so gewohnt sind.
Imre Balzer (4:13)
In Bitterfeld-Wolfen, wo das Festival stattfindet, haben fast 49 Prozent der Menschen am Sonntag für die AfD gestimmt. Kann so ein Festival, wie ihr es da, was dran ändern? Ist das auch ihr Ziel?
Aljoscha Begrich (4:23)
Naja, unser Ziel steht ja schon im Titel. Also wir sind natürlich für einen gegenseitigen Austausch und ich finde, da stehen zwei Dinge drin. Das eine, dass wir für etwas sind. Also wir sind nicht gegen etwas. Wir wollen nicht mit Hass und Aggression und Ausgrenzung agieren, sondern wir wollen sagen, wir sind für Gemeinschaft, für Solidarität, für Demokratie, für Vielfalt und zum anderen wollen wir aber auch aus unseren Echo-Kammern ausbrechen, aus unseren Bubbles rauskommen und ja eben vielleicht anderen Leuten zuhören und für die vielleicht auch verstehen und eben gemeinsam wieder ins Gespräch kommen. Politische Situationen, glaube ich, kann man nur politisch ändern, aber natürlich ist Kunst und Kultur ein wichtiger Faktor, der hier in den letzten Jahren gefehlt hat, weil er sehr stark abgebaut wurde. Und ich glaube, dass man diesen gesamten Prozess seit 1990 natürlich ganz anders hätte begleiten können, mit so einer sinnlichen, emotionalen Komponente, die Kunst durchaus zu so einem sehr starken Transformationsprozess beitragen kann. Das sieht man ja zum Beispiel im Ruhrgebiet, wo das natürlich ein viel langfristiger und viel besser subventionierter Begleitungsprozess war. Aber ich glaube, das ist ein Teil einer Gesellschaft, der hier sehr stark fehlte in den letzten Jahren.
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