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Macht und Meisterschaften: Wie die Politik zum Fußball kam

Machtwechsel

June 10, 2026

Dieses Mal geht es nicht um die schwarz-rote Koalition, sondern um die schönste Nebensache der Welt: den Fußball. Wobei auch der zum Politikum werden kann, wie im Vorfeld der Weltmeisterschaft in den USA, Kanada und Mexiko, die an diesem Donnerstag beginnt.

Speakers Dagmar Rosenfeld, Robin Alexander, Friedrich Merz

TopicsPoliticsNewsSociety & Culture

Dagmar Rosenfeld (0:19)

Dann macht es bumm, ja und dann kracht's. Nein, dieses Mal geht es nicht um das Agieren der schwarz-roten Das ist nicht nur eine Revolution, sondern um die schönste Nebensache der Welt, den Fußball. Wobei das, was eigentlich spielerisch sein soll, immer wieder zum Politikum geworden ist, wie zuletzt vor vier Jahren bei der WM in Katar zu erleben war und auch im Vorfeld der jetzigen Weltmeisterschaft in den USA, Kanada und Mexiko. Der Fußballplatz, er ist eben kein politiksteriles Feld. Zumal nicht nur deutsche Kanzler das Runde auf dem Rasen gerne für sich vereinnahmen, vor allem dann, wenn es auf dem politischen Parkett nicht rund läuft. Der Platz am Spielfeldrand und manchmal auch der in der Mannschaftskabine wird zur politischen Popularitätsressource.

Über die Bedeutung des Fußballs in der und für die Geschichte der Bundesrepublik, über Politikspielchen und unvergessene Spiele geht es in dieser Folge von Machtwechsel. Es ist eine besondere Folge, weil Robin und ich unseren Leidenschaften nachgehen bzw. nachgeben dürfen. Robin dem Fußball und ich dem Schlager. Denn eine ganze Weile war die deutsche Nationalmannschaft so etwas wie ein Fischer Chor im Trainingsanzug. Von 1974 bis 1994 brachte sie zu jeder WM ein Lied heraus.

Das heißt, um es mit dem eingangseingespielten Gerd Müller Lied gut zu sagen, ich kann es so richtig krachen lassen. Und falls sie im Laufe dieser Folge ein Bumm hören sollten, dann ist das Robin, der angesichts meiner Musikauswahl aus allen Wolken gefallen ist.

Robin Alexander (2:23)

Wer regiert Deutschland? Mit Dagmar Rosenfeld und Robin Alexander.

Dagmar Rosenfeld (2:34)

Robin, am Donnerstag, den 11 Juni geht die WM los. Und für uns steht es bereits zu 1

Robin Alexander (2:43)

Ja, und ich habe ein Eigentor mit Anlauf geschossen in unserem letzten Podcast. Wir berichteten darüber, dass Deutschland den Versuch, einen Sitz im UN-Sicherheitsrat zu kriegen vermasselt hat und erinnerten daran, dass, als das beim letzten Mal gelang, im Jahre 2018 ein Kleinfeld-Turnier in Manhattan veranstaltet wurde, um UN-Botschafter anderer Länder gewogen zu stimmen. Und da wurden Bundesliga-Stars eingeflogen. Und dann sagte ich, die kamen von allen Kontinenten und zählte Kontinente auf und sagte Australien.

Und gemeint war natürlich Vinten Ruffa, der den Spitznamen Kiwi hat. Und wer den Spitznamen Kiwi hat, ist kein Australier, sondern ein Neuseeländer. Also ich glaube, drei Viertel der funktionären Mitglieder und Fans von Werder Bremen haben bei mir angerufen. Es tut mir leid, ich leiste ab, bitte. Ich werde mich bessern und in dieses Turnier mit der deutschesten aller tugenden Staaten über den Kampf zum Spiel finden.

Dagmar Rosenfeld (3:41)

Lass uns fußballerisch mit einem Lothar Matthäus-Satz beginnen. I look not back, I look in front.

In front, Robin, ist ja wie gesagt die Weltmeisterschaft. Und da hat die Melange aus Fußball und Politik bereits einen neuen Höhepunkt erreicht, bevor diese WM überhaupt begonnen hat.

Robin Alexander (4:02)

Mr. President, this is your prize, this is your peace prize.

Dagmar Rosenfeld (4:17)

Also wir hörten gerade den FIFA-Präsidenten Gianni Infantino, der im Dezember vergangenen Jahres anlässlich der Auslosung der WM-Gruppen dem US-Präsidenten den neu geschaffenen, man könnte auch sagen, eigens für Trump geschaffenen FIFA-Friedenspreis überreicht hat.

Robin Alexander (4:36)

Ja, das war ja bei der Auslosung der Gruppenphase und es war die Zeit, als Donald Trump so traurig war, dass er nicht den echten Nobelpreis bekommen hat und dass sich dieser Gianni Infantino ja nicht entblödet hat, einen FIFA-Preis zu erfinden. Also das ist ja wirklich dieser Spruch, dazu kann man keine Satire mehr machen, der ist ja hier wahr.

Und auch wenn man sich das anschaut, das ist, wie man hörte, eine Medaille. Und Trump nimmt sich die Medaille selber, also als würde er sich selbst auszeichnen. Das ist natürlich ein historisches Zitat von Napoleon, der die Krone aus den Händen des Papstes nimmt und sich selbst aufs Haupt setzt, als er sich zum Kaiser krönt.

Dagmar Rosenfeld (5:16)

Jetzt ist Infantino nicht der Papst, also so weit wollen wir noch nicht gehen, Robin.

Robin Alexander (5:21)

Aber in einer Welt, wo Donald Trump der mächtigste Mann ist, ist Gianni Infantino, ein bemerkenswertes Szenen. Also diese irre Medaille nimmt Trump aus der Hand, legt sie sich selber um und sagt dabei, das ist die größte Ehrung meines Lebens. Also eine irre Szene.

Dagmar Rosenfeld (5:40)

Aber das ist noch nicht alles. Die FIFA ist ja auch eine strategische Partnerschaft mit dem von Trump ins Leben gerufenen Friedensrat eingegangen. Dieser Friedensrat ist ja eine Art Gegenveranstaltung zur UN. Und angebahnt hat sich das Ganze ja schon am 13

Oktober vergangenen Jahres bei einem historischen Ereignis in Sharm El Sheikh, wo auch in Fantino zugegen war, der seltsamste Gast, wie damals eine ägyptische Tageszeitung schrieb. Und Robin, du warst damals im Sharm El Sheikh auch dabei.

Robin Alexander (6:13)

Ja, und auch das, man kann es sich nicht irre genug vorstellen. Also Hintergrund, Trump gründet diesen Friedensrat, lädt Leute ein, da mitzumachen. Man muss auch eine Menge Geld dafür auf den Tisch legen. Und die deutsche Position ist, wir können da leider aus verfassungsrechtlichen Gründen nicht mitten machen. Aber Friedrich Merz traut sich nicht, nicht hinzufahren zur Eröffnungszeremonie. Trump hat ein paar Leute eingeladen. Also Merz fliegt dahin in den ägyptischen Urlaubsort Sharm El Sheikh. Kennt man ja, hat ein paar Journalisten im Schlepptau, unter anderem mich.

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