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Kleine Modelle, leere Rechenzentren? | Vances satanische KI | Sheins schlechteste IPO-Woche #595

Doppelgänger

September 8, 2026

Shein hat in der ersten Handelswoche fünf Milliarden Dollar an Wert verloren. Danach die Frage, warum ausgerechnet JD Vance künstliche Intelligenz satanisch nennt und was das mit den Zwischenwahlen zu tun hat.

Speakers Philipp Glöckler, Philipp Klöckner

TopicsMarketingBusinessEntrepreneurship

Philipp Glöckler (0:00)

Willkommen zum Doppelgänger Podcast Folge 595 am 9 September 2026 Ich bin Philipp Klöckler und telefoniere zweimal die Woche mit dem Tech-Analysten Philipp Klöckner. Und wir fangen an mit einer kleinen Celebration. Ich gehe davon aus, dass du schon ein Glas Bubbles getrunken hast und auf Shein angestoßen.

Freust du dich nur der Story wegen oder verdienst du da auch mit?

Philipp Klöckner (0:31)

Ich wette darauf nicht oder so. Aber ich freue mich, dass die Märkte eine ähnliche Einschätzung haben. Wie ich. Man kann jetzt schon relativ klar sagen, dass der IPO verhagelt ist. Nicht nur, weil man am ersten Tag 10% eingebüßt hat, was ein Signal ist, sondern Bloomberg berichtet, dass Shein seit dem IPO weitere 5 Milliarden an Wert verloren hat.

Das heißt, man ist jetzt nur noch 21 Milliarden wert.

Wenn man diesen Cash-Haufen in Anführungsstrichen simpel bewerten würde, könnte man sagen, Shein ist jetzt quasi Enterprise Value 6 Milliarden. Wofür man das ganze Geschäft bekäme, weil er 15 Milliarden Cash ist, das ist so nicht ganz richtig, weil es auch viele kurzfristige Verbindlichkeiten gibt, negatives Working Capital usw. Aber, ja, und ich glaube, was war unsere Wette? Unter 20 Milliarden Ende des Jahres? Oder wir hatten mal so eine softe Wette gemacht irgendwie. Aber da bin ich weiterhin ganz optimistisch, dass das auch der richtige, also für mich wäre das der richtige Wert. Oder sagen wir mal so, bei 10, 15 Milliarden würde ich vielleicht wieder überlegen, Shein zu kaufen, wobei eigentlich nicht, weil ich glaube, es ist eine schrumpfende Company. Nee, wir würden es auch bei 10, 15 Milliarden kaufen. Ich glaube, ich würde nicht sagen, Sheins Wert ist Null, aber ich würde 1000 Euro eher in die Techs investieren als in Shein gerade, sagen wir mal so. Und ich glaube, auch 15 Milliarden werden noch zu viel. Also selbst wenn sie weiterfallen, du kannst natürlich sagen, da steckt Geld drin. Es gibt ein existierendes Geschäftsmodell. Das ist prinzipiell noch einigermaßen ein klein bisschen profitabel. Aber wenn eine Firma, also wenn ich recht haben sollte, dass das Wachstum, also die größten Probleme noch vor Shein liegen, dann würde das Wachstum ja negativ werden. Und dann muss man darüber reden, was das überhaupt wäre. Also auch eine schrumpfende Firma kann man profitabel managen, theoretisch. Aber ich bin da noch relativ skeptisch, ehrlich gesagt, ob das Modell grundsätzlich so funktioniert, dauerhaft. Gleich ob Marktplatz, gleich ob Retail.

Also es sind verschiedene Probleme, die die beiden Modelle haben, aber keins davon ist so großartig, dass ich jetzt sagen würde, würde für mich erschienen. Ein Kauf bei 20 Milliarden.

Philipp Glöckler (2:49)

Und könntest du dir vorstellen, dass die relativ schnell wieder von der Börse verschwindet? Also dass sie wieder privat genommen wird?

Philipp Klöckner (2:57)

Naja, aber wer will das haben? Also die Frage, also ja, also gute Frage. Die Frage ist, was wäre die Hypothese? Also was würdest du kaufen und was glaubst du kannst du, also wenn du jetzt ein Private Equity Player oder ein Stratege bist, musst du dir überlegen, wie kannst du das Geschäftsmodell so pivoten, drehen, dass der auf einmal Wert entsteht, wie der, wo vorher Wert verloren gegangen ist, Woche für Woche.

Und ich glaube nicht, dass Shein ineffizient gemanagt ist oder irgendwas, sondern ich glaube, es ist ein Geschäftsmodell, was langfristig nicht oder nur kaum nachhaltig ist oder zumindest nicht besser als bestehende Fashion-Retail-Modelle. Und ich wüsste nicht, also ich bilde mir nicht annähernd ein, zu wissen, wie man Shein besser führen könnte. Ich glaube, es ist eine hervorragend geführte Company und ich glaube, sie ist der technologische Führer des Online-Fashion-Retails und trotzdem verdienen sie kein Geld. Und genau das ist ja, was mir Angst macht oder was ich für die Gesamtaussichten auf E-Commerce so bedrückend finde. Ehrlich gesagt, dass wenn einer der größten, also du kannst nicht sagen, es liegt daran, dass sie keinen Scale haben, das kann man ein Problem haben, du bist noch nicht groß genug und die Gewinne kommen erst, wenn du groß genug bist. Das können wir für Shein nicht gelten lassen, weil Shein wirklich riesig groß ist. So einer der Top 5 Fashion-Händler weltweit wahrscheinlich. Wenn man Markplatzumsatz oder GMV mit hinzuzählen würde. Das heißt, an der Scale kann es nicht liegen. Und dass sie irgendwo Fett hätten, dass man wegschneiden kann, dass sie ineffizient arbeiten, glaube ich auch nicht. Sie geben bestimmt viel für Marketing aus, aber ansonsten würde sie halt gar nicht mehr wachsen.

Die Supply-Chain ist hyper effizient, du kannst Einkaufspreise nicht noch mehr drücken, nehm ich an, also ich wüsste nicht, wo es herkommen sollte, ehrlich gesagt.

Philipp Glöckler (4:40)

Ich glaube Ende des Monats geht es noch weiter ab, oder? Das ist jetzt schon einer der schlechtesten IPOs überhaupt in Hongkong, oder?

Philipp Klöckner (4:48)

Ja, das ist auch nochmal ein ganz wichtiger Punkt. Es ist ja nicht so, dass das Klima schlecht wirkt an der Börse. Also die Chinesen und Hongkong sind in einem absoluten Stockmarket-Frenzy oder Bubble auch. Also die Shipstocks gehen damit hunderten von Prozent am ersten Tag auf den Markt. Die KI-Firmen laufen super, die ganze Supply-Chain. Du hast da eins zu eins die gleichen Diskussionen, die gleiche Bubble-Diskussion, die gleiche Euphorie, könnte man auch sagen. Und das zieht ja auch. Also wenn man so an den neuen Markt zurückdenkt oder die letzten Boom-Phasen an der Börse, da kommen ja auch immer Firmen, die jetzt nicht super im Wogen sind, mit an die Börse und die profitieren von der Gesamtstimmung. Dass ein einfacher Anleger liest im Aktionär, dass irgendein IPO gut gelaufen ist und denkt, jetzt gucke ich mal, was ich bei meiner Bank zeichnen kann und zeichnet irgendwas. Also die profitieren immer von der Stimmung, auch wenn du jetzt gar nicht in der aktuellen KI-Hype drin bist. Und auch davon kannst du ihn nicht profitieren oder hat schon profitiert und sonst wird es wahrscheinlich noch schlimmer aussehen. Und trotzdem haben, also ich glaube, das war ihnen alles sehr bewusst und trotzdem sind sie an die Börse gegangen, weil es glaube ich Last Resort ist und das überhaupt die Möglichkeit, Liquidität zu schaffen für Investoren. Also die Investoren wissen, dass sie auch ihre 25 Milliarden da nicht raus oder auch auf einer 25 Milliarden Bewertung ihr Geld nicht rausziehen kann, bis auf die letzten Investoren, die sich das vertraglich zugesegert haben.

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