Jung, europäisch, wütend
Was jetzt?
October 20, 2026
In mehreren europäischen Ländern sind am Wochenende Hunderttausende Menschen auf die Straße gegangen. In Frankreich, Italien, Belgien, Portugal und Albanien demonstrierten sie unter anderem gegen steigende Lebenshaltungskosten, hohe Studiengebühren und Sparmaßnahmen im Bildungsbereich.
Speakers Fabian Scheler, Susanne Hehr, Fritz Habekuß, Ulrich Ladurner
TopicsNews
Fabian Scheler (0:05)
Hallo und herzlich willkommen bei Was jetzt? Dem Nachrichtenpodcast derzeit am Dienstag, dem 20 Oktober. Frankreich ist nicht Italien, ist nicht Spanien, ist nicht Portugal, ist nicht Belgien. Aber was all die Proteste eint, die wir derzeit in europäischen Innenstädten sehen, was sie zusammenfügt, das ist heute eines meiner Themen.
Und vielleicht haben Sie schon mal von diesem Wetterphänomen gehört, das als Schlagzeile so gerne als Rekord El Niño derzeit betitelt wird. Sie haben sich aber nie getraut zu fragen, was wird denn das eigentlich konkret bedeuten? Heute ist Ihr Tag, heute gibt es darauf eine Antwort, deswegen gibt es uns schließlich. Mein Name ist Fabian Scheler und jetzt folgen erst mal die Kurznachrichten.
Susanne Hehr (0:48)
Ich bin Susanne Hehr, guten Morgen.
Der ukrainische Präsident Volodymyr Zelensky hat der US-Regierung vorgeworfen, für eine verzögerte Waffenlieferung in die Ukraine verantwortlich zu sein. Grund sei laut Zelensky eine Genehmigung von US-Verteidigungsminister Pete Heksef, die noch ausstehen soll. Die Raketen seien von europäischer Seite bereits bezahlt worden, das lief über den sogenannten Pearl-Mechanismus. Über den können die NATO-Länder und ihre verbündeten Waffenpakete für die Ukraine in den USA kaufen. Für eine Lieferung stehe in diesem Fall noch die Unterschrift von Heksef aus. Laut Zelensky warten europäische Staaten, die bereit seien, Patriot-Abfang-Raketen aus ihren Beständen an die Ukraine zu liefern, auf eine solche Genehmigung aus den USA. Zelensky sagt, das Ganze läge nahe, dass eine politische Entscheidung getroffen wurde, um die Unterstützung für die Ukraine zu verlangsamen.
Wegen der aktuellen Ausschreitungen in Frankreich hat es in der vergangenen Nacht in mehreren Städten des Landes nächtliche Ausgangssperren für Minderjährige gegeben. In der Hauptstadt Paris galten die Ausgangssperren für den Platz der Republik und die Straßen rund um Les Salles. Auch in Lille, Douai, Boitinies und Denes hatte es Ausgangssperren gegeben. Laut Premierminister Sébastien Lecornu sollten so Geschäfte vor Zerstörung und vor Plünderung geschützt werden. Das Verhängen des Ausnahmezustands hat Lecornu darüber hinaus für die Zukunft nicht ausgeschlossen. Während der Ausschreitungen der letzten Tage sind etwa 1 Einsatzkräfte verletzt worden. Sieben davon schwer, die Zahl der Verletzten unter den Demonstrierenden insgesamt ist nicht bekannt. Rund 2.4 Protestierende sind laut Innenministerium festgenommen worden. Über die gesamteuropäischen Folgen der Proteste sprechen wir gleich hier.
Redaktionsschluss für diesen Podcast ist 5 Uhr.
SPEAKER_3 (2:45)
Bei bis zu 912 Kilometern Reichweite spielt Entfernung keine Rolle mehr und dank ultraschnellem Laden stellt sich nur die Frage, wohin geht es als nächstes mit einem BMW i3.
Fritz Habekuß (2:57)
Mehr Performance, mehr Fahrfreude, der neue BMW i3 ab 30.10. bei ihren BMW-Partner.
Ulrich Ladurner (3:03)
Reichweite nach BLTP.
Fabian Scheler (3:09)
So klingt es derzeit in Frankreich, in Albanien, in Belgien, in Italien und in Portugal.
Das Ganze begann als Protest gegen Sparmaßnahmen an Schulen und Universitäten. Und sicher ist dieser Protest auch immer noch da. Doch am vergangenen Wochenende hat sich da etwas verändert, verschärft. Vor allem in Paris und in Mailand wurde gewalttätig geplündert. Und jetzt hat jedes Land natürlich seinen eigenen Protestschwerpunkt. Aber weil gerade in diesen beiden Ländern, also in Frankreich und in Italien, im kommenden Jahr gewählt wird und weil sich diese Proteste so teil-europäisch ausgeweitet haben, sind sie mittlerweile auch recht weit oben auf der Agenda der Europäischen Union. Und unser Auslandskorrespondent Ulrich Ladurner, der untersucht jetzt mit mir diese gesamteuropäischen Fragen und Folgen. Hallo Uli.
Ulrich Ladurner (4:11)
Ja, hallo.
Fabian Scheler (4:12)
Du bist unser EU-Experte. Jetzt hilf uns doch erstmal mit deinem europäischen Auge, das alles zusammenzufügen. Was vereint denn diese Proteste?
Ulrich Ladurner (4:20)
Also ich glaube, die Themen vereinen diese Proteste. Wir sehen ja ausgehend von Spanien das Mietthema. Wir haben das auch in Frankreich. Wir haben das in Italien. Wir haben das Thema Lebenshaltungskosten. Wir haben das Thema Bildung. Das heißt, ich glaube, das Fabian-Element, dass wir sehen können, dass das hier doch, sagen wir so, die europäische Jugend um ihre Zukunft kämpft.
Natürlich ist es so, dass jedes Land seine Spezifiker hat. Es ist auch so, dass diese Protestbewegung, besonders in Frankreich, inzwischen sich aus vielen Quellen speist. Sie hat was Diffuses. In Italien gab es diese Ausschaltungen im Mailand. Da ist interessant, es wurden 55 Teilnehmer an diesen Protesten, die da gewalttätig waren, von dem Mailander Dom. Die wurden verhaftet. Und davon waren 48 Minderjährige, darunter waren ein paar Zwölfjährige. Das heißt, wir sehen auch ein Protest von sehr, sehr jungen Leuten und eben auch minderjährigen Leuten. Ich glaube, das ist auch eine Besonderheit dieser jetzigen Protestwelle.
Fabian Scheler (5:21)
Sinnlose Plünderungen und Krawalle, Angriffe auf Rettungskräfte oder die Feuerwehr sind natürlich Mist. Da sprechen die Bilder ja für sich.
Gleichzeitig, wenn jetzt italienische und deutsche Schülerinnen und Schüler so Solidaritätsbekundungen nach Frankreich schicken, ist das nicht auch ein Zeichen von einem gemeinsamen, länderübergreifenden Gefühl, ein Stück weit so EU-Solidarität unter den Jungen?
Ulrich Ladurner (5:43)
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