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Ihr Wütenden kommet: Wohin führt Kubicki die FDP?

Machtwechsel

June 3, 2026

Am Wochenende wurde Wolfgang Kubicki zum neuen FDP-Parteivorsitzenden gewählt. Gestartet war er in diese Wahl mit der Gewissheit des einzigen Bewerbers.

Speakers Dagmar Rosenfeld, Wolfgang Kubicki, Robin Alexander, Marie-Agnes Strack-Zimmermann

TopicsPoliticsNewsSociety & Culture

Dagmar Rosenfeld (0:19)

Der musikalische Freiheits-Oldie von Marius Müller-Westernhagen für den liberalen Freiheits-Oldier Wolfgang Kubicki. Denn der ist seit dem Wochenende der neue FDP-Vorsitzende. Allerdings hatte sich Marie-Agnes Strack-Zimmermann auf dem Parteitag die Freiheit zu einer Gegenkandidatur genommen. Eine Kampfkandidatur, die für einen innerparteilichen Kulturkampf steht. Es geht um die Frage, wessen Lied die Liberalen künftig singen wollen. Das der wütenden oder das der progressiven und ob der Ton, der ja bekanntlich die Musik macht, der Sound der Populisten sein wird.

Grundsätzlicher formuliert, kann das Wiederbelebungsexperiment von Kubicki gelingen, Programmatik durch Rhetorik zu ersetzen.

Über das, was am Samstag auf dem FDP-Parteitag im Berliner Estrell geschehen ist, wie es dazu kommen konnte und welche Konsequenzen das Geschehene für die Partei hat, darüber sprechen Robin und ich in dieser Folge von Machtwechsel.

SPEAKER_3 (1:42)

Wer regiert Deutschland? Mit Dagmar Rosenfeld und Robin Alexander.

Wolfgang Kubicki (1:55)

Liebe Parteifreundinnen und Parteifreunde, ich möchte ihnen aus der Mitte der Partei gemeinsam mit 33 Delegierten, die streitbare, aber mit klarem liberalen Kompass ausgestattete Marie-Agnes Strack-Zimmermann vorschlagen.

Dagmar Rosenfeld (2:14)

Es waren diese Worte von Joachim Stamp am Samstagnachmittag, die den FDP-Parteitag eine ungeahnte Wendung gaben. Worte, die Wolfgang Kubicki kalt erwischten, der ja bis zu diesem Zeitpunkt glaubte, der einzige Bewerber für den Parteivorsitz zu sein. Wie es dazu kommen konnte, Robin, davon gibt es zwei Versionen. Die eine erzählt von Notwehr, die andere von einem Hinterhalt. Lass uns mal mit der ersten Version beginnen, der Notwehr, die das Strack-Zimmermann-Lager für sich in Anspruch nimmt.

Robin Alexander (2:48)

Ja, dieser Parteitag hat ja wieder stattgefunden im Estrell-Hotel, also an einer Autobahnausfahrt in Berlin-Neukölln.

Dagmar Rosenfeld (2:54)

Glamoröser wird es nicht mehr.

Robin Alexander (2:56)

Wo neulich erst der Kanzler unterging beim DGB. Das ist jetzt so ein Magic-Ort im politischen Berlin.

Aber, sozusagen, als alle schon gedanklich dort waren, gab es ein Treffen in Berlin-Mitte in einer Anwaltskanzlei. Und da hat sich ein gutes Dutzend liberaler Männer und Frauen getroffen. Und in der von dir angekündigten Notwehrtheorie haben diese Menschen sich ihre große Sorge erzählt. Nämlich, dass Wolfgang Kubicki diese FDP nach rechts führen wird, in den Populismus und das liberale Erbe verraten würde und dass man etwas tun müsse. Und es war gar nicht der Fluchtpunkt, dass man das noch verhindern kann, sondern die Idee war, wir müssen ein Zeichen setzen. Und dieses Zeichen sollte Marie-Agnes Strack-Zimmermann sein, als Gegenkandidatin, um halt zu sagen, wenn der Kubicki alleine antritt, kriegt er vielleicht 20 Prozent Gegenstimmen. Und dann ist das die große Kubicki-Show. Und wenn jemand gegen ihn antritt, dann kriegt er vielleicht nur 60 Prozent. Und man sieht, 40 Prozent in der FDP sehen es ganz anders.

Dagmar Rosenfeld (4:02)

Jetzt ist die Frage, wie spontan war dieses Treffen, dieses Notwert-Treffen? Und es gibt ein paar Indizien, Robin, die dafür sprechen, dass das tatsächlich nicht von langer Hand geplant gewesen ist.

Robin Alexander (4:14)

Dafür spricht in der Tat, dass es augenscheinlich keinen Ablauf gab. Nämlich diese Leute, die da in der Anwaltskanzlei sich ihr Leid klagten, die brauchten erst mal die Strack-Zimmermann als Kandidatin. Aber dann brauchten sie noch 25 Leute, die hinter ihr stehen. Weil das ist sozusagen die Mindestzahl von Parteitagsdelegierten, dass man überhaupt kandidieren kann. Und dann wurde eine klandestine Operation gestartet, weil a, wollte man diese 25 Leute zusammenkriegen, aber b, wollte man das Ganze nicht auffliegen lassen, weil man mit heftiger Gegenwehr rechnete. Also man hat dann auf sehr vertrauensvolle Kanäle diese Leute eingesammelt und hat am Ende sogar 33 Unterschriften gekriegt. Also wenn du so willst, acht übern Durst in der Sorge, dass jemand kalte Füße kriegen könnte. Und damit man nicht am Ende mit 24 dasteht und das gar nicht einreichen kann, hatte man halt diese 33

Und dann musste noch einer gefunden werden, der es sozusagen vorträgt. Und das war der, den du gerade eingespielt hast, Joachim Stamp. Dazu muss man wissen, Joachim Stamp kommt aus NRW, war da Landesvorsitzender, war im Kabinett von Armin Laschet, war da Integrationsminister, also nach den Jahren von 2015 eine sehr interessante Aufgabe und spielte dann eine besondere Rolle in der Ampelkoalition, wo er nämlich der Beauftragte war, der mit fremden Ländern aushandeln sollte, wie die abgelehnte Asylbewerber zurücknehmen.

Dagmar Rosenfeld (5:42)

Und diesen Joachim Stamp, den fragt Marie-Agnes Strack-Zimmermann am Freitagabend in den Räumen einer Anwaltskanzlei, ob er sie vorschlagen möchte.

Robin Alexander (5:53)

Ja, genau. Und ich hatte ja schon gesagt, diese Atmosphäre der Gewissensnot, wir müssen doch was tun. Und Stamp sagt auch nicht, ja, super gute Idee, sondern er sagt, ich nehme mir eine Nachtbedenkzeit.

Das zeigt ja auch, in welchen Zwingen diese Menschen tatsächlich sind. Und nach dieser Nacht kommt er wieder und sagt, ja, das tue ich und so nimmt diese Geschichte ihren Lauf. Und wenn man es so erzählt, dann ist es eine Gruppe von Aufrechten, die in letzter Sekunde einen Schwenk in den Populismus verhindern will. Oder gar nicht verhindern will, sondern nur ein Zeichen dagegen setzen will. Also eine Gewissenstat, wenn du so möchtest.

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