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Geht es der deutschen Wirtschaft besser als gedacht?

Was jetzt?

September 10, 2026

Nach Jahren der schlechten Nachrichten gibt es plötzlich Grund für etwas mehr Optimismus bei der deutschen Wirtschaft. Im ersten Halbjahr ist sie im Schnitt um 0,35 Prozent gewachsen, das Geschäftsklima hat sich zuletzt verbessert, und auch die Industrie zeigt Anzeichen einer Erholung.

Speakers Rita Lauter, Mark Schieritz, Nico Horn, Steffi Hentschke

TopicsNews

Rita Lauter (0:04)

Ist ihr Teeglas oder ihre Kaffeetasse heute morgen halb voll oder schon halb leer? Falls zweite Rest, dann haben wir heute mal gute Nachrichten für sie. Gleich geht es um einen Wirtschaftsaufschwung, von dem sie wahrscheinlich noch nichts mitbekommen haben. Und damit willkommen bei Was jetzt? Ihrem Nachrichten Podcast der Zeit am Donnerstag, dem 10 September. Heute mit Rita Lauter. Guten Morgen.

Und wir besprechen, ob die neuen Vorwürfe gegen Benjamin Netanjahu, den israelischen Langzeitprämie, diesmal wirklich das Amt kosten könnten. Aber zuerst, wie immer, die Nachrichten aus der Nacht.

Wir bekommen immer wieder von Ihnen gespiegelt, dass wir in diesen schwierigen Zeiten bitte auch mal etwas Positives berichten mögen. Etwas, das Hoffnung macht. Und überraschenderweise kommen solche Nachrichten jetzt aus der Wirtschaft. Ist die viel zitierte Krise also nur eine gefühlte? Bemergen wir den auch schon gar nicht? Das kann ich unseren Optimismus-Beauftragten Mark Schieritz fragen. Grüß dich, Mark.

Mark Schieritz (1:02)

Hi, hallo.

Rita Lauter (1:03)

Mark, was genau stimmt dich denn hoffnungsfroh bei der deutschen Wirtschaftsentwicklung?

Mark Schieritz (1:08)

Ja, wenn man sich anschaut, wie sich die Wirtschaft zuletzt entwickelt hat, das habe ich jetzt mal getan, dann stellt man fest, dass wir doch seit einigen Quartalen, drei sind es genau gesagt, wieder ein Plus haben beim Wirtschaftswachstum. Und wenn man sich das erste Halbjahr anschaut, dann haben wir eine Wachstumsrate von durchschnittlich nur 0,35 Prozent und das ist bemerkenswert, weil einfach vorher lange Zeit nichts passiert ist. Also wir sehen da durchaus Erholungstendenzen, die zumindest Raum für ein bisschen Optimismus lassen.

Rita Lauter (1:38)

Okay, dann möchte ich den Optimismus auch gar nicht schmälern und finde gleichzeitig nur 0,35 Prozent. Das klingt jetzt für mich doch recht minimal.

Mark Schieritz (1:47)

Ja, also es klingt minimal, aber man kann es immer vergleichen, wenn man sich anschaut, wie die Wirtschaft in der gesamten Europäischen Währungsunion gewachsen ist. Dann sind das 0,3 Prozent, also noch weniger. Und wenn wir uns die amerikanische Wirtschaft anschauen, die ja mal so als vorbildlich und dynamisch beschrieben wird, dann sind es 0,45 Prozent. Also so schlecht ist es nicht. Deutschland ist ein alternes Land. Deutschland ist inzwischen auch ein schrumpfendes Land, was die Bevölkerung angeht. Da sind einfach riesige Raten, wie wir die vielleicht in den 50er, 60er Jahren hatten, aber nicht mehr drin. Insofern ist es schon ordentlich. Und natürlich ist das jetzt noch kein Aufschwung. Da muss noch mehr passieren. Das muss noch breiter werden. Das muss sich auch als nachhaltig erweisen. Das muss sich in steigenden Jobangeboten niederschlagen. Das sehen wir noch nicht. Aber es ist eben so, dass diese Schreckensnachrichten, die wir ja täglich hören, Volkswagen, andere Autokonzerne, die in der Krise sind, das ist nur ein Ausschnitt der Wirtschaft. In anderen Bereichen tut sich eben schon was. Ich will es noch nicht sagen. Juhu, Krise vorbei, alles gut. Aber wir scheinen uns da, uns herauszuarbeiten aus dieser ganz schlimmen Lage.

Rita Lauter (2:47)

Dann lasse ich mich doch gern mal anstecken von deinem Optimismus und zitiere nur mal zwei Meldungen aus den vergangenen Tagen.

Im VW-Werk Osnabrück sollen Luftverteidigungssysteme jetzt produziert werden und ein amerikanisch-israelisches Unternehmen will in Sachsen Marschflugkörper bauen. Kommt der Aufschwung jetzt also durch Aufrüstung?

Mark Schieritz (3:07)

Die steigenden Militärausgaben tragen natürlich dazu bei, dass Arbeitsplätze geschaffen werden. Also man kann jetzt lange darüber diskutieren, ob es gut ist, wenn Leute damit beschäftigt sind, Waffen herzustellen. Aber jetzt mal rein ökonomisch betrachtet, hilft das im Moment.

Das kann natürlich kein dauerhaftes Wachstumsmodell sein, Waffen zu bauen und zu verkaufen. Also nicht nur aus moralischen Gründen, auch dauerhaft ökonomisch wird sich das nicht tragen, denn diese Dinge werden ja vor allem über neue Schulden finanziert im Moment und man kann nicht ewig Schulden machen, um Wachstum zu finanzieren. Da muss noch mehr passieren. Das muss auch auf andere Bereiche der Wirtschaft übergreifen. Aber zunächst mal, also für die Menschen in Osnabrück zum Beispiel, ist es eine gute Nachricht, dass sie jetzt nicht sofort arbeitslos werden, sondern zunächst mal da tätig werden können und vielleicht geschehen dann auch noch neue Dinge, die dann in zivileren Bereichen auch wieder Jobs entstehen lassen.

Rita Lauter (3:57)

Du sagst, da muss noch mehr passieren. Die Bundesregierung versucht sich da ja an einigem und wird dafür auch viel kritisiert, insbesondere für die geplanten Sozialreformen. Hat dieser vorsichtige Aufschwung denn irgendwas mit der Arbeit der Bundesregierung zu tun?

Mark Schieritz (4:10)

Ja, also das sagt die Bundesregierung, nämlich der Kanzler natürlich, der das schon ein bisschen zu seinem Aufschwung erklärt oder diese Erholung zu seiner Erholung erklärt.

In erster Linie sind das natürlich die Unternehmen, Beschäftigten, die sich einfach an neue Herausforderungen anpassen und dieses Wachstum sicher arbeiten. Aber klar hilft es, dass die Politik im Moment Geld auswebt, um die Infrastruktur zu modernisieren und auch um die Bundeswehr zu modernisieren. Das sieht man ganz klar in den Daten, also die Investitionen steigen in öffentlichen Investitionen. Da werden Leute beschäftigt, da werden Straßen umgegraben, da gibt es Baustellen, das ist vielleicht nicht schön im Alltag, aber das trägt schon mit zum Wachstum bei. Und auch die Reformen, da ist jetzt auch noch nicht so viel passiert und sind auch nicht so vielleicht umfassend, wie sie das manche Ökonomen wünschen. Aber die Richtung, die ist aus ökonomischer Sicht schon eine gute und das hat schon auch zur Stimmungsverbesserung gerade bei ausländischen Investoren beigetragen.

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