Epsteins Netz 3/4: Und alle schweigen
News Plus Hintergründe
October 19, 2026
Epsteins Missbrauchsnetzwerk reicht bis in die Schweiz. Die Epstein-Files zeigen, wie er es auch nach seiner ersten Verhaftung weiter ausbaute, wie sein Umfeld ihn dabei schützte und schwieg. Bis sich Opfer einer Journalistin anvertrauen. Die dritte Folge von «Epsteins Netz - bis in die Schweiz».
Speakers Vanessa Ledergerber, Andrian Kreye, Julian Schmidli, Stacey Williams, Béatrice Keul
Vanessa Ledergerber (0:01)
SRF Audio Bevor es losgeht, ein Hinweis. Auch in dieser dritten Folge von unserem Podcast geht es unter anderem um sexuelle Übergriffe.
Das hier ist ein Ausschnitt aus einem Polizei-Interview aus dem Jahr 2005
Ein Polizist sagt, es gebe Hinweise auf bestimmte Besuche in Jeffrey Epsteins Haus. Und darauf antwortet jetzt sein Gegenüber. Man hört es sofort, da redet ein Kind. Ein Mädchen, das auf die Highschool in Florida geht, nicht weit von Palm Beach entfernt. Sie erzählt der Polizei, sie und ihre Freundin hätten einen Nebenjob. Sie würden einen älteren Mann massieren. Dieser Mann ist Jeffrey Epstein.
Einen älteren Mann massieren, das findet sie erst etwas schräg, macht es dann aber trotzdem. 200 Dollar bekommt sie dafür und sie betont gegenüber den Polizisten, mehr als massieren sei nicht passiert. Was dieses Mädchen beschreibt, erzählen auch viele andere junge Mädchen der Polizei. Sie werden angeworben und gehen massieren. Und dann liegt Jeffrey Epstein plötzlich nackt auf der Massage-Liga. Die Mädchen berichten, dass er sich während der Massage umdreht, sie anfasst und sich vor ihnen befriedigt. Einige erzählen auch, dass er sie gepackt und vergewaltigt habe.
Die Polizei findet später heraus, was hier passiert, das hat System. Unzählige Mädchen und junge Frauen sind betroffen. Und Epstein handelt nicht allein. Es gibt Menschen, die ihm helfen, die minderjährige Mädchen und junge Frauen rekrutieren oder die von seinen Taten wissen und nichts unternehmen.
Andrian Kreye (2:15)
Jeffrey steht auf jüngere Frauen und die eine hat ihm eine Massage gegeben mit Happy Ending. Die war wohl jünger, als er gedacht hatte.
Vanessa Ledergerber (2:24)
Und in den Epstein-Files finden wir Spuren, die weit über die USA hinausführen. Auch in die Schweiz.
Genauer zu angesehenen Hochschulen.
Julian Schmidli (2:33)
Man sieht eigentlich sehr gut, wie Epstein Unis und Elite-Schulen für sich und für seine Zwecke eingesetzt hat.
Vanessa Ledergerber (2:40)
Und wie er die teuren Ausbildungen als Lockmittel benutzt hat.
Ich bin Vanessa Ledergerber. Und das hier ist Epsteins Netz. Bis in die Schweiz. Folge 3 Und alle schweigen.
Wir schauen uns in dieser Folge ein paar Orte genauer an, die wichtig sind in der Geschichte von Epstein und seinem Missbrauchssystem. Zuerst reisen wir dafür im Kopf nach Florida, genauer nach Palm Beach. Hier stand die Villa von Jeffrey Epstein. Er kauft sie 1990 für umgerechnet etwa zwei Millionen Franken. Nur wenige Minuten von Mar-a-Lago entfernt, dem Luxusanwesen von Donald Trump. Und in dieser Villa in Palm Beach war auch Stacey Williams einmal zu Gast.
Das Model war ja mit Epstein befreundet. Sie erzählte uns, zu dieser Zeit, in den 90er-Jahren, sei das Anwesen noch ein ganz normaler Luxusort gewesen. Nur die Einrichtung, die war offenbar grässlich.
Stacey Williams (3:54)
Das ist nicht relevant.
Vanessa Ledergerber (3:58)
Er habe einen schlechten Geschmack gehabt. Das sei eigentlich ein bisschen schräg gewesen, wenn man bedenkt, wie viel Geld er gehabt hat. Aber sonst sei an dieser Villa damals in ihren Augen nichts außergewöhnlich gewesen, so auf den ersten Blick.
Stacey Williams (4:11)
Es war einfach ein grosses, schönes Haus in Palm Beach. Es gab keinen Massagentherapisten, keine kleinen Mädchen, keine seltsamen Kunst, keine Leute, die sagen, was auf den Wänden war, weil alle die Fotos sehen.
Vanessa Ledergerber (4:23)
Keine Masseurinnen, keine jungen Mädchen, keine abstrusen Bilder. Nichts, was darauf hindeuten würde, was in dieser Villa ein paar Jahre später passieren wird.
Über Jahre hinweg missbraucht Epstein dort in seinem Anwesen minderjährige und junge Frauen. Er sucht sie gezielt und bietet ihnen Geld. Viele der Mädchen haben etwas gemeinsam. Sie kommen aus sozial schwierigen Verhältnissen von Highschools in ärmeren Gegenden rund um Palm Beach. 200 Dollar sind für sie sehr viel Geld.
Häufig rekrutieren sich die Mädchen gegenseitig. Eine bringt ihre Freunde mit, dafür bekommt sie weitere 200 Dollar. Epsteins Privatkoch bereitet ihnen Essen zu, sie bekommen Geschenke. Es entsteht zunächst vielleicht sogar der Eindruck, hier passiert eigentlich nichts Schlimmes. Und gleichzeitig werden sie dazu gebracht, nichts davon zu erzählen. Wenn sie jemand nach ihrem Alter fragt, sollen sie sagen, sie seien volljährig.
Was Epstein und sein Umfeld hier machen, das hat einen Namen. Grooming. Das heisst, jemand baut gezielt Vertrauen zu einem jungen Menschen auf, um dessen Grenzen nach und nach zu verschieben, um ihn gefügig zu machen. Bei der Suche nach jungen, verletzlichen Frauen spielt auch Ghislaine Maxwell eine wichtige Rolle. Sie war Epsteins Lebenspartnerin, vor allem aber seine Komplizin. Maxwell spricht die Mädchen an, schmeichelt ihnen und verspricht ihnen Geschenke, Reisen oder Shopping. Und sie bringt sie schliesslich zu Epstein.
Auch Stacey Williams hat Maxwell kennengelernt. Und sie beschreibt sie so.
Stacey Williams (6:09)
Ich würde sagen, vicious, competitive, insecure und nicht besonders witzig.
Vanessa Ledergerber (6:16)
Bösartig, kompetitiv, unsicher, nicht besonders schlau. Und trotzdem schafft es Maxwell, das Vertrauen vieler Mädchen zu gewinnen. Denn sie ist eine Frau. Und damit wirkt der Weg zu Epstein vermutlich weniger bedrohlich. Epstein und Maxwell reißen die Mädchen aus ihrem gewohnten Umfeld. Zuerst ist die Rede von diesen Massagen, die sie Epstein geben sollen. Dann sehen sie Aktbilder an den Wänden von Epsteins Villa. Sie sollen sich oben ohne am Pool in die Sonne legen. Schritt für Schritt werden sie desensibilisiert. Sexuelle Grenzen werden abgebaut. Später wird ihnen Druck gemacht. Sie haben Schuldgefühle oder Angst, über das Erlebte zu sprechen.
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