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Deutsche Schüler schlechter als beim ersten Pisa-Schock (Update)

Was jetzt?

September 8, 2026

Die Leistungen deutscher Schülerinnen und Schüler sind in der Pisa-Studie 2025 auf den niedrigsten Stand seit Beginn der Erhebung gefallen. In Mathematik, Lesen und Naturwissenschaften liegen die Ergebnisse der 15-Jährigen nur noch etwa auf dem Durchschnittsniveau der OECD-Staaten.

Speakers Lars Klingbeil, Moses Fendel, Martin Spiewak, Christoph Heinemann, Emma Möllenbrock

TopicsNews

Lars Klingbeil (0:05)

Ohne neue Schulden sich zu verteidigen, das ist wie ohne Rakete zum Mond fliegen, liebe Kolleginnen und Kollegen.

Moses Fendel (0:12)

Bundesfinanzminister und Vizekanzler Lars Klingbeil von der SPD hat im Bundestag seinen Haushaltsentwurf für das nächste Jahr vorgestellt. Ein Thema gleich hier im Update von Was jetzt? Ihrem Podcast für Raketenwissenschaft und andere komplizierte Themen. Vorher aber sprechen wir über Bildungspolitik. In der neuesten Pisa-Studie haben deutsche Schülerinnen und Schüler schlecht abgeschnitten wie noch nie. Woran das liegt und was sich ändern muss, besprechen wir hier. Es ist Dienstag, der 8 September, ich bin immer noch Moses Fendel. Herzlich willkommen. Der Redaktionsschluss für dieses Update war um 16 Uhr.

SPEAKER_3 (0:43)

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Moses Fendel (1:08)

Alle Infos auf greenplanetenergy.de Wenn ich Pisa sage, dann denken Sie vermutlich als erstes an den weltberühmten Schiefenturm in der Toskana. Meine zweite Assoziation mit dem Wort Pisa ist ebenfalls eine Schieflage, und zwar im Bildungssystem.

Als vor 25 Jahren zum ersten Mal die Ergebnisse des Program for International Student Assessment, kurz Pisa, veröffentlicht wurden, löste das den sogenannten Pisa-Schock in Deutschland aus. Denn deutsche Schülerinnen und Schüler haben damals im internationalen Vergleich erschreckend schlecht abgeschnitten. Heute hat die OECD, also Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, die Ergebnisse ihrer neuesten Pisa-Studie veröffentlicht, und das Ergebnis ist aus deutscher Sicht erneut dramatisch. Ich habe viele Fragen, die mir jetzt hoffentlich Martin Spiewak aus unserem Bildungsresort beantworten kann. Hallo Martin.

Martin Spiewak (1:57)

Hallo.

Moses Fendel (1:58)

Martin, der schiefe Turm des deutschen Bildungssystems scheint noch schiefer geworden zu sein. Wann kippt er um?

Martin Spiewak (2:03)

Umkippen kann er glaube ich nicht, weil es die Schule immer geben wird. Aber die Schieflage ist wirklich dramatisch, weil wir eben anders als viele, viele es gehofft haben, mit unseren Leistungen noch weiter runtergehen.

Und das ist absolut dramatisch.

Moses Fendel (2:19)

Wie sieht es denn heute im Vergleich zu 2001 aus?

Martin Spiewak (2:21)

Deutlich schlechter als damals. Und was so dramatisch ist, ist, dass wir zwischendurch eigentlich einigen Boden wieder gut gemacht haben. Aber wenn wir jetzt die letzten 15 Jahre vergleichen, dann ist es so ein bisschen so, als wären unsere Schüler zwei Jahre nicht zur Schule gegangen. Das heißt, die 15-Jährigen sind im Schnitt.

Heute stehen die auf dem Stand der 13-Jährigen damals. Das heißt, zwei Lernjahre sind in 15 Jahren verloren gegangen. Und das ist ja bitter.

Moses Fendel (2:51)

Was sind denn die Gründe dafür? Könnte es mit der Pandemie zu tun haben?

Martin Spiewak (2:56)

Ja, ein bisschen vielleicht schon, weil die Schüler, die heute getestet wurden, die waren damals in der Grundschule. Das ist ja eine doch entscheidende Zeit. Aber das kann nicht der einzige Grund sein. Pisa misst ja nun nur sozusagen die Kompetenzen. Schaut sich die Gründe jetzt nur sagen wir mal so an, dass man Vermutung anstellt. Aber ich stelle mal drei Vermutungen an, die auch wissenschaftlich relativ weit gedeckt sind.

Erstens, die Schülerschaft hat sich deutlich verändert. Das heißt, wir haben mehr Schüler, die schon in die Schule kommen mit schlechten Deutschkenntnissen. Da sind auch viele Migranten drunter, aber nicht nur.

Zweitens, ich würde schon mal sagen, dass die Handys eine große Rolle spielen, weil das ist das Überraschende, was bisher wenig in den Mittelpunkt gerückt ist. Es geht ja nun nicht bei uns nur runter. Es geht weltweit runter. Auch so Vorzeigeländer wie Finnland zum Beispiel. Katastrophale Ergebnisse. Das heißt, irgendwas muss da passiert sein in der Jugend in den letzten zehn Jahren. Und dann in Deutschland speziell, wir reagieren einfach zu langsam. Also die Welt verändert sich, unsere Kinder verändern sich und unsere Schulen verändern sich einfach zu wenig. Reagieren zu wenig drauf, die Politik reagiert zu wenig drauf.

Moses Fendel (4:05)

Aber wir haben dort die ganzen Reformen gemacht, zum Beispiel die Ganztagsschulen, die frühkindliche Bildung. Da haben wir doch investiert und Reformen auf den Weg gebracht. Auch als Folge aus dem ersten Pisa-Schock von vor 25 Jahren. War das alles nutzlos?

Martin Spiewak (4:17)

Wir haben eigentlich eher auf die Quantität gesetzt. Das heißt, sehr, sehr viele Kinder gehen heute in die Kita. Das hat sich ja verdoppelt oder sogar in einigen Bereichen Altersstufen verdreifert. Also ein unglaublicher Aufwuchs.

Nur leider machen die Kinder nicht viel anderes, als sie früher schon gemacht haben. Das heißt, das Lernen vor der Schule, in der Kita, kommt in Deutschland deutlich zu kurz, insbesondere das sprachliche Lernen. Und das ist mit der Ganztagsschule so ähnlich, wenn man am Nachmittag nur spielt und jetzt nicht auch lernbewusst, sage ich mal, spielt oder schaut, dass man Hausaufgaben macht oder vielleicht auch ein bisschen mal Nachhilfe macht und so weiter, dann verändert sich natürlich nichts am Nachmittag. Und es ist zu wenig konsequent und zu wenig inhaltlich qualitativ etwas verändert worden.

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