Der Kanzler im Interview
Machtwechsel
February 18, 2026
Der Bundeskanzler gibt sein erstes großes Interview im Jahr 2026 in „Machtwechsel“.
Speakers Robin Alexander, Friedrich Merz, Dagmar Rosenfeld
TopicsPoliticsNewsSociety & Culture
SPEAKER_2 (0:18)
Wer regiert Deutschland? Mit Dagmar Rosenfeld und Robin Alexander.
Robin Alexander (0:30)
In dieser ersten Folge von Machtwechsel im Neuen Gewand treffen wir den Bundeskanzler zum Gespräch. Es ist das erste große Interview, das Friedrich Merz in diesem Jahr gibt. Nach der Münchner Sicherheitskonferenz und vor dem CDU-Bundesparteitag. Herr Bundeskanzler, Machtwechsel beginnt immer mit einem Schlager und diesmal ist es Howard Carpendale geworden.
Friedrich Merz (1:00)
Sie fängt mal an zu tanzen.
Robin Alexander (1:02)
Das ist immer der Rhythmus.
Friedrich Merz (1:05)
Freunde oder Freunde. 1975, 1976
Robin Alexander (1:14)
Kurz vor meiner Geburt oder nach meiner Geburt. Bezugnehmend auf die Münchner Sicherheitskonferenz und ihre dortige Eröffnungsrede, die ja wirklich weltweit Beachtung gefunden hat. Ist das Wort Freunde aus europäischer Perspektive auf die jetzige US-Regierung noch zutreffend? Passt das noch?
Friedrich Merz (1:34)
Na ja, ich tue mich mit dem Begriff in der Politik, Freunde zu sagen, ohnehin ein bisschen schwer. Das sind so Floskeln, die wir immer haben.
Robin Alexander (1:41)
Aber wir haben ja immer gesagt, unsere amerikanischen Freunde.
Friedrich Merz (1:43)
Ich finde es unverändert, ja. Ich gebe zu, ich tue mich damit ein bisschen schwer, weil es natürlich jetzt schon Spannungen in diesem Verhältnis gibt und man merkt, wie sich die amerikanische Politik verändert. Ich habe trotzdem durch meine langjährige politische Tätigkeit, durch meine berufliche Tätigkeit mit Amerika so viele innere Beziehungen, dass ich das nicht einfach weglegen will und kann. Und ich tue es auch nicht.
Dagmar Rosenfeld (2:12)
Auf Ihrer Rede bei der Münchner Sicherheitskonferenz, die ja viel beachtet wurde, haben Sie gesagt, es gibt einen tiefen Graben im Verhältnis zu den USA und den mager Kulturenkampf, den machen wir hier in Deutschland nicht mit. Wann haben Sie sich entschieden, so deutlich zu werden in so einer wichtigen Rede?
Friedrich Merz (2:30)
Naja, wir haben hier im Kanzleramt die Münchner Sicherheitskonferenz lange vorbereitet. Wir haben auch mit der MSC abgesprochen, dass ich sie dieses Jahr eröffne. Das war auch mein Wunsch, dass ich das tue, weil ich einfach zu Beginn dieser Münchner Sicherheitskonferenz auch jetzt das erste Mal als Bundeskanzler auch sprechen wollte. Und ich habe einfach, und das ist ein bisschen auch mein Naturell, wenn solche Themen da sind und solche Elefanten im Raum stehen, ich sag's mal so ein bisschen bildlich, dann möchte ich das ansprechen.
Robin Alexander (2:59)
Was war der Elefant im Raum?
Friedrich Merz (3:00)
Naja, das war halt dieses Thema. So wie gehen wir mit Amerika um? Ich habe das ja auch zu Beginn meiner Rede gesagt, ich bin ja jetzt seit gut 30 Jahren, ich müsste es nachgucken, wann das erste Mal, mit einigen Unterbrechungen, aber doch seit langer, langer Zeit bei der Münchner Sicherheitskonferenz. Ich hab noch gut in Erinnerung, wie das vor 30 Jahren war. Da war es halt eine, es hieß mal früher, Wehrkundetagung. Es war eine Veranstaltung zwischen Deutschen und Amerikanern. Und dann wurde es mehr und mehr europäisch, richtigerweise, und dann wurde es auch mehr international, auch richtigerweise. Und trotzdem finde ich, ist dieses Thema, wie stehen die Europäer und die Amerikaner zueinander? Wie stehen wir Deutsche zu den Amerikanern? Das ist so wichtig gerade für die Zeit, in der wir heute leben. Ich möchte das nicht abschreiben.
Robin Alexander (3:45)
Gab es ein Grönland-Moment bei Ihnen, wie bei anderen europäischen Staatschefs?
Friedrich Merz (3:49)
Wir haben das ja alles in Davos, in der Woche von Davos erlebt. Ja, ich habe das auch als übergriffig empfunden. Wir haben sehr intensiv zwischen den Staats- und Regierungschefs in der Europäischen Union darüber beraten. Wir haben vor allen Dingen mit Mette Frederiksen, mit der dänischen Ministerpräsidentin darüber intensiv gesprochen. Und das war auch für mich ein Punkt, wo ich gesagt habe, das geht nun wirklich nicht mehr.
Robin Alexander (4:11)
Hat das Ihren Blick auf Donald Trump verändert?
Friedrich Merz (4:17)
Vielleicht noch mal ein bisschen geschärft, aber jetzt nicht im Grunde verändert. Donald Trump ist halt, ich sag mal, er wird das, wenn er das jetzt hören würde, nicht als negativ empfinden. Er ist ein Dealmaker, so sieht er sich ja selber. Und für ihn besteht die Politik genauso wie das Wirtschaftsleben halt aus Deals. Das ist nicht mein Zugang. Aber ich muss akzeptieren, dass ich in ihm einen Gesprächspartner habe, der es so sieht.
Dagmar Rosenfeld (4:41)
Wir haben nicht nur Sie gehört in München, wir haben auch Marco Rubio gehört. Der sagt, freier Werbehandel, der geht so nicht. Der sagt, die Klimapolitik ist eigentlich ein Kult. Der sagt, auch Immigrationspolitik ist falsch. Und er fordert ja eigentlich uns auch, uns als Westen auf, uns zu verändern, damit es überhaupt noch weitergeht in der NATO. Dann ist diese Rede fertig und der ganze Saal steht auf. Standing Ovation, auch Kabinettsmitglieder von Ihnen. Welche Erklärung haben Sie dafür?
Friedrich Merz (5:08)
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