Der FDP-Highlander: Kubicki oder Höne?
Machtwechsel
April 17, 2026
FDP – geht da noch was? Dieser Frage gehen Dagmar Rosenfeld und Robin Alexander in dieser Folge von „Machtwechsel“ nach. Dafür haben sie Henning Höne und Wolfgang Kubicki zum Gespräch geladen.
Speakers Dagmar Rosenfeld, Robin Alexander, Wolfgang Kubicki, Henning Höne
TopicsPoliticsNewsSociety & Culture
Dagmar Rosenfeld (0:22)
Noch lebt sie, die FDP, und sie musste schon einiges überstehen. 2013 flogen die Freidemokraten aus dem Bundestag, 2017 kehrten sie zurück, versagten sich aber einer Jamaika-Koalition, weil ihr Parteichef Christian Lindner lieber nicht regieren, als schlecht regieren wollte.
2021 regierte die FDP dann doch. Mit SPD und Grünen, was schlecht ausging für die Ampel insgesamt und für die FDP im Besonderen. Denn bei der letzten Bundestagswahl brachte sie es auf nur noch 4,3 Prozent.
Um es mit Milva zu sagen, den blauen Fleck auf der liberalen Seele wegbekommen, das wollen nun Henning Höne und Wolfgang Kubicki. Beide kandidieren für den FDP-Parteivorsitz. Und für diese Folge von Machtwechsel haben wir die beiden eingeladen. Es ist das erste gemeinsame öffentliche Gespräch von Höne und Kubicki seit Bekanntgabe ihrer Kandidaturen. Ein Gespräch, das zeigt, die beiden Kandidaten unterscheiden sich nicht nur in ihrem Alter. Höne ist 39, Kubicki 74, sondern auch in ihrer inhaltlichen Positionierung. Und die, die ist durchaus überraschend.
Robin Alexander (1:44)
Dagmar, bevor unser Gespräch gleich losgeht, werden wir beide noch einmal rausarbeiten, in welchem besonderen Moment die beiden, die die FDP retten wollen, miteinander sprechen.
SPEAKER_4 (2:12)
Wer regiert Deutschland? Mit Dagmar Rosenfeld und Robin Alexander.
Dagmar Rosenfeld (2:23)
Es heißt ja immer, eine liberale Kraft wird im deutschen Parteien-System gebraucht. Die Frage ist nur, wird sie vermisst? Wird speziell die FDP vermisst? Und Robin, angesichts der derzeitigen Umfragewerte der FDP und ihrem Abschneiden bei den Landtagswahlen sieht es eher nicht danach aus. Also bei der Bürgerschaftswahl in Hamburg holten die Freien Demokraten 2,3 Prozent. Ende März in Rheinland-Pfalz, wo sie ja in einer Ampel mitregiert haben, 2,1 Prozent. Und in Baden-Württemberg, dem liberalen Stammland, wo die FDP seit 1952 immer im Parlament vertreten gewesen ist, waren es magere 4,4 Prozent.
Robin Alexander (3:10)
Ja, das muss man sich wirklich auf der Zunge zergehen lassen, weil diese drei Länder sind nicht irgendwelche aus FDP-Perspektive.
Wenn es eine bürgerliche Großstadt in Deutschland gibt, dann ist das sicherlich Hamburg. Und Baden-Württemberg hat für die FDP eigentlich die Bedeutung, die Bayern für die CSU hat und NRW mal für die SPD hatte. In Baden-Württemberg war die FDP seit 1952 im Landtag. Und vorher gab es gar keinen Baden-Württemberg. Und dann hatte sogar ein Liberaler regiert, weil die Briten damals nach dem Krieg den liberalen Immigranten Reinhold Müller eingesetzt hatten als Regierungsschef. Also da stand ein liberaler Pate sogar bei dem Land. Deshalb hieß die Fraktion dort, bis sie jetzt rausgeflogen ist, sogar noch FDP-DVP.
Ja, und Rheinland-Pfalz, du sagst es schon, da haben die zehn Jahre mitregiert und sind von der Regierungsbank in die außerparlamentarische Opposition gegangen. Also da große große Verzweiflung. Und die harten Wahlen kommen ja erst noch im Osten. Sachsen-Anhalt, Berlin und Mecklenburg-Vorpommern. Überall wird die FDP in Umfragen zwischen nicht mehr messbar und drei Prozent taxiert. Aber in dieser Woche ein Hoffnungszeichen, eine bundesweite Umfrage von FORSAA, die die FDP bei vier Prozent sah. Früher wäre das eine rote Warn-Laterne gewesen. Und jetzt ist es ein Hoffnungsschimmer.
Dagmar Rosenfeld (4:38)
Zumal ja Friedrich Merz nach der Wahl in Baden-Württemberg die FDP für politisch tot erklärt hat.
Robin Alexander (4:46)
Friedrich Merz stellte quasi amtlich fest, die FDP werde keine Rolle mehr spielen. Und die Grünen beanspruchen, dass Erbe sagen, die wollen jetzt die ehemaligen Bürgerrechtswähler einsacken. Und beides, dieses, das Merz sagt, der Sarg ist zu und die Grünen sagen, das Erbe gehört uns, hat die, die in der FDP noch aktiv sind, wirklich schwer getroffen und ein bisschen provoziert zu zeigen, wie dein Song sagte, wir leben noch.
Dagmar Rosenfeld (5:14)
Nach der verlorenen Bundestagswahl im vergangenen Jahr hatte ja Christian Dürr den Parteivorsitz übernommen. Dürr war in den Ampeljahren Fraktionschef gewesen und er galt als enger Vertrauter von Christian Lindner.
Und die Dürr-Strategie war, die FDP als Partei der radikalen Mitte zu positionieren. Aber selbst in den eigenen Reihen haben viele nicht verstanden, was das denn genau sein sollte, die radikale Mitte.
Robin Alexander (5:44)
Dürr hat dieses Konzept in groben Strichen gezeichnet. Er sprach immer von einem konsequent marktwirtschaftlichen Kurs, einem erneuerten Sozialstaat und einer zielgerichteten Migrationspolitik. Aber viele Leute haben sich daran gestört, weil dieses begriffsbare radikale Mitte, Mitte hat ja immer was Ausgleichendes, Mitte hat was Verbindendes, was Sammelndes und nicht was Spaltendes. Also das ist nicht geflogen, muss man sagen.
Dagmar Rosenfeld (6:09)
Das Dilemma der FDP, was sich in den vergangenen Jahren schon abgezeichnet hat, ist, dass sie zu einem Auffangbecken für die unzufriedenen und die Frustrierten geworden ist. Also bei der Bundestagswahl 2021 hat sich das deutlich in der Nachwahlbefragung gezeigt. Da haben nämlich 40 Prozent derjenigen, die FDP gewählt haben, als Motiv angegeben, dass sie unzufrieden mit den anderen Parteien sind. Also nicht die Inhalte der FDP waren es, die die Leute überzeugt haben, sondern sie haben aus Protest FDP gewählt.
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