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#114 - Jean-Jacques Goldman - Der Superstar, den Deutschland verpasst hat

Franko-viel - Der Frankreich-Podcast

October 11, 2026

Jean-Jacques Goldman hat mehr als 30 Millionen Alben verkauft und Songs geschrieben, die in Frankreich fast jeder kennt. Warum ist er in Deutschland trotzdem kaum bekannt?

Speakers Andreas Noll, Gerd Heger

TopicsSociety & CultureNewsPolitics

Andreas Noll (0:30)

Ich war immer in der Anonyme und ich war sehr glücklich, da zu sein.

Star heißt auf Englisch Stern, also weit entfernt von den Menschen, zitiert Jean-Jacques Goldman Mitte der 80er Jahre seinen Kollegen Yves Montand. So gesehen bin ich kein Star. Ich habe 30 Jahre gerne in der Anonymität gelebt. Folge 114 von Franko-viel zum 75 Geburtstag von Jean-Jacques Goldman über einen Mann, der mehr als 30 Millionen Alben verkauft hat und einige der bekanntesten Pop-Songs Frankreichs geschrieben hat. Ich bin Andreas Noll.

Mehr als 30 Millionen verkaufte Alben, Songs, die in Frankreich praktisch jeder kennt. Und trotzdem dürfte ein großer Teil der Deutschen mit dem Namen Jean-Jacques Goldman bis heute wenig oder sogar gar nichts anfangen können. Wie kann das sein? Zumal Goldman mit Deutschland viel verbindet. Seine Biografie führt nach Deutschland. Seine Karriere führte zwischenzeitlich auch mal nach Deutschland. Und selbst einige seiner Lieder haben hier Spuren hinterlassen. Vor allem durch andere Sänger. Durch Filme.

Oder durch neue Versionen seiner Songs.

Und genau diesem Rätsel wollen wir heute nachgehen. Warum wird Jean-Jacques Goldman in Frankreich zu einem Giganten der Popmusik und bleibt im Nachbarland Deutschland weitgehend ein Unbekannter? Und vielleicht führt die Antwort weit über Musik hinaus. Darüber spreche ich mit Gert Heger. Er hat über Jahrzehnte für den Saarlandischen Rundfunk französische Musik beobachtet und vermittelt und gehört zu den profiliertesten Kennern der französischen Chanson- und Popszene in Deutschland. Seit wenigen Wochen ist er im Ruhestand und für diese Folge aus der Bretagne zugeschaltet. Gert, schön, dass du dabei bist.

Gerd Heger (3:26)

Hallo, bonjour, oder in der Bretagne heißt ja Kennavo.

Andreas Noll (3:31)

Bonjour de bon. Gert, wenn du einem deutschen Hörer erklären müsstest, warum Jean-Jacques Goldman in Frankreich eine solche Ausnahmefigur ist, wo würdest du da anfangen?

Gerd Heger (3:43)

Also ich denke, ich würde bei den Umfragen anfangen, die seit Jahrzehnten immer wieder dasselbe Ergebnis rausbringen. Jean-Jacques Goldman ist die beliebteste Persönlichkeit der Franzosen. Er erklärt natürlich nichts, aber ist tatsächlich dann auch mal ein wichtiges Indiz.

Ja, da kann man jetzt lange drüber philosophieren. Ich glaube, es hat was mit Glaubwürdigkeit und Klarheit zu tun. Er ist einer von den Leuten, die auch als Mensch zumindest das, was man öffentlich von ihm weiß, und man weiß natürlich ziemlich viel, da er so ein Stars, wirklich als Vorbild dienen kann und auch jemand ist, dem man gerne nachfolgen möchte. Das würde ich so ganz kurz zusammenfassen.

Andreas Noll (4:25)

Wenn wir noch mal kurz über die Begriffe sprechen, ist Popstar eigentlich der richtige Begriff für Jean-Jacques Goldman?

Gerd Heger (4:33)

Na ja, wer zum Beispiel im Moment auch noch französisches Fernsehen schaut oder ab und zu mal französisch so richtig in Frankreich auskennt, weiß, dass die Musik sehr eng nach wie vor verbunden ist mit dem Leben jedes Franzosen. Jeder Französin war gerade der 50-jährige Bühnenjubiläum von Renault, ein anderer, den Goldman auch gut kennt. Die Leute singen von Anfang bis Ende mit.

Sie kennen die Lieder. Die Lieder sind Teil ihres Lebens. Und bei Goldman ist das natürlich ganz genauso seit den 80er Jahren. Seit den ersten Hits ist er einfach Teil musikalisch der französischen Musik. Popstar ist zu klein. Also ich würde es mal so formulieren, wenn Johnny Hallyday Zeus war, dann ist Jean-Jacques Goldman mindestens Apollo.

Andreas Noll (5:17)

Aber dieser Hauptgott Apollo hat in Deutschland eigentlich fast keine Bedeutung. Warum, Gerd, warum ist seine Musik oder auch die Person zu keinem Zeitpunkt seiner Karriere im Nachbarland präsent gewesen?

Gerd Heger (5:32)

Also erstmal muss man trotzdem versuchen, in Deutschland ein bisschen bekannt zu werden. Das heißt, es gibt gewisse Zeiten, in denen zwei oder drei von den Leuten, die in Deutschland bekannt sind, typisches Beispiel ist Sass, sich wirklich auch um den deutschen Markt kümmern. Sass ist inzwischen in Deutschland fast beliebter als in Frankreich. Ihre Konzerte sind immer sofort ausverkauft. Goldman hat einmal, nach meinen Informationen, eine Deutschland-Tournee gestartet. Er war auch in Zerbrücken. Habe ich ihn auch kurz gesehen, das erzähle ich nachher noch. Dann hat er gemerkt, ich habe so viel zu tun, ich habe so viele wichtige Projekte, ich mache so viele Dinge überall im frankophonen Raum.

Deutschland interessiert mich jetzt nicht wirklich. Ob das noch was mit seiner Herkunft zu tun hat, du hast es ja erwähnt, weiß ich nicht, kann ich nicht sagen. Würde ich auch mal nicht glauben, sondern von anderen Künstlern, Großkünstlern ausgehend, wie auch Johnny Hallyday zum Beispiel, der ja in Deutschland auch wenig bekannt ist, das auch nur zwei, dreimal versucht hat, denke ich, dass Goldman einfach gesagt hat, das ist zu viel Arbeit und lenkt mich zu viel von dem ab, was ich eigentlich will.

Andreas Noll (6:34)

Jetzt hast du die Herkunft erwähnt und die ist ja wirklich auch spannend, um diese Person besser zu verstehen. Denn wer hinter Jean-Jacques Goldman eine sehr französische Familiengeschichte vermutet, der liegt ja grundsätzlich richtig. Aber eben auch auf eine ziemlich unerwartete Weise. Goldmans Mutter Ruth Ambrun wird 1922 in München geboren. Sie stammt aus einer jüdischen Familie, Kaufmannsfamilie. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten flieht die Familie dann 1933, da ist Ruth elf Jahre alt, nach Frankreich. Ruth überlebt die Shoah und engagiert sich während des Krieges in der französischen Resistance.

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