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"Wind Of Change" - Scorpions (Deutschland, 1990)

100 Songs - Geschichte wird gemacht

October 8, 2026

Die Scorpions waren zu Beginn der 1980er Jahre die wahrscheinlich international erfolgreichste deutsche Band. 1988 brachen die Scorpions in die Sowjetunion auf, um dort eine Reihe von Konzerten zu spielen.

Speakers Robert Stadlober, Stefan Niederwieser, Edgar Klüsener, Klaus Meine, Ralf von Appen

TopicsMusic HistoryMusicEducation

Robert Stadlober (0:09)

1990, die Mauer ist nicht mehr. In Berlin, Budapest, Bucharest, Prag und Warschau sind die alten Regime fort. In der Sowjetunion und in China ringt die kommunistische Führung ums Überleben.

Da singt eine westdeutsche Band vom Wind einer friedlichen Revolution, der ihnen bei einem riesigen Rockfestival in Moskau entgegengeweht hat. Das ist eine Geschichte einer Zukunft, die zum Greifen nahe ist. Das ist die Geschichte von Wind Of Change.

Stefan Niederwieser (0:59)

Robert, ich habe letztens die früheste Version des Texts von Wind Of Change aufgespürt.

Robert Stadlober (1:05)

Wirklich?

Stefan Niederwieser (1:06)

Diesen Text schreibt Klaus Meine, der Sänger der Scorpions, am 3 oder 4 September 1989 in ein Notizbuch mit einer Micky-Maus-Einband übrigens.

Und das ist nur drei Wochen, nachdem die Band im Moskau-Alenen-Stadion aufgetreten ist.

Robert Stadlober (1:22)

Ja und was steht da? Also ich meine, den Text kenne ich. Steht dort der Text, den ich kenne?

Stefan Niederwieser (1:27)

Die erste Strophe ist so, wie wir sie kennen. Die zweite Strophe beginnt dann People Of All Kind, Soldiers Passing By. Der erste Teil ist durchgestrichen, darüber steht dann An August Summer Night. Also auch wieder so, wie wir es kennen. Und jetzt kommt es, danach, die dritte Strophe beginnt so.

Did you ever think that all these walls will fall, but we can be so close like brothers?

Robert Stadlober (1:52)

Moment, also im September, als es geschrieben hat, das ist doch drei Monate vor dem Mauerfall, also als die Walls gefallen sind. Und er hat es aber schon vorausgesehen, der Klaus.

Stefan Niederwieser (2:02)

Also er steht so in der ersten Version des Texts.

Robert Stadlober (2:05)

Und die Balalaika ist eine Balalaika, oder vielleicht ein anderes Instrument?

Stefan Niederwieser (2:08)

Die Balalaika singt, die Gitarre spricht, alles steht da.

Klaus Meine bekommt diese Balalaika übrigens damals bei diesem Besuch in Moskau von einem Fan überreicht. Und er schreibt Wind Of Change ganz alleine. Das ist übrigens für die Scorpions relativ ungewöhnlich.

Edgar Klüsener (2:23)

Ich war in Los Angeles, als sie da aufgenommen haben.

Stefan Niederwieser (2:27)

Das ist Edgar Klüsener. Er ist Ende der 1980er-Jahre Chefredakteur des Magazins Metal Hammer in Deutschland.

Edgar Klüsener (2:33)

An einem Tag bin ich im Studio gewesen, um zu hören, wie weit die waren. Und Klaus Meine hat mir dann das Stück vorgespielt. Ich bin erstmal über das geflötete Intro gestaltert, weil das macht man eigentlich nicht.

Stefan Niederwieser (2:46)

Aber irgendwo, und weil ich auch in Moskau war, eben bei diesem Moskau Peace Festival 1989, wusste ich ziemlich genau, wovon er sank.

Edgar Klüsener (2:56)

Das Lied machte Sinn und was mir von vornherein klar war, mit der Melodie und dem Aufbau des Stückes, das kann nur ein Hit werden. Da stand ich aber ziemlich alleine mit.

Der Rest der Band sah das anders.

Stefan Niederwieser (3:08)

Mal von vorne, die Scorpions gibt es ja schon wahnsinnig lange, seit Mitte der 60er Jahre.

Sie gründen sich in der Nähe von Hannover und kommen dort aus der tiefsten Provinz. Ihre Liveshows sind bald aber legendär. Oder, wie Edgar Klüsener das ausdrückt.

Edgar Klüsener (3:24)

Wenn ich Scorpions komme, da gibt es eine Vollbedienung.

Robert Stadlober (3:29)

Ja, und bedient wird man meines Wissens nach nach wie vor und wurde immer von dem Gitarristen Rudolf Schenker und dem Sänger Klaus Meine. Das waren die treibenden Kräfte in all diesen Jahrzehnten hinter den Scorpions. Die spielen ja anfangs eher so ziemlich harten, aber doch progressive Rock und haben zwei Ausnahmegitarristen, wovon ihnen einer bald abhanden kommt, nämlich der jüngere Bruder von Rudolf, Michael oder Michael Schenker.

Edgar Klüsener (3:53)

Viele deutsche Bands sind daran gescheitert. Es bedeutete wirklich Entbehrungen auf sich zu nehmen, Familie, Arbeit, alles hinten anzustellen, wohlwissen, dass wahrscheinlich kein Geld dabei rauskommt. Die waren verrückt genug, es zu tun.

Stefan Niederwieser (4:07)

Die Scorpions nehmen sehr viel selbst in die Hand. In den Vertrag zu Fly To The Rainbow, ein Album aus dem Jahr 1974, hat Rudolf Schenker dann diesen Passus eingeschmuggelt.

Edgar Klüsener (4:17)

Er die Plattenfirma dazu verpflichtete, wenn sie im Ausland spielten, musste die Plattenfirma die Platte im Ausland veröffentlichen.

Stefan Niederwieser (4:25)

Und das tun sie dann auch. Sie spielen viel und oft im Ausland. Zuerst in Jugendzentren und Rockclubs, bald dann in Mehrzweckhallen und Auditorien. Und Ende der 70er Jahre werden sie in Japan erstmals wie Superstars empfangen.

Anfang der 80er gelingt ihnen der Durchbruch in den USA mit Powerballaden, Powerrock und Powerrockballaden.

Robert Stadlober (5:10)

Man kann sich das heute gar nicht mehr richtig vorstellen. Eine deutsche Band singt auf Englisch, auch noch auf einem sehr besonderen Englisch, muss man glaube ich sagen, und ist damit im Mutterlandes Rock'n'Roll erfolgreich. Und auf dem Cover von Blackout schreit uns dann ein bandagierter Gottfried Hellenwein entgegen und das Nachfolgealbum Love at First Sting erreicht dreifach Platin. Und das ist im Jahre 1984

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