Wie verändern Magic Mushrooms unser Gehirn?
Aha! Zehn Minuten Alltags-Wissen
October 14, 2026
Magic Mushrooms sind Pilze, die den psychedelischen Wirkstoff Psilocybin enthalten. Sie können unsere Wahrnehmung ziemlich stark verändern. Aber inzwischen interessiert sich auch die Medizin für diesen Wirkstoff.
Speakers Karin Haswani, Gerhard Gründer
Karin Haswani (0:00)
Sie sehen Töne und Geschmäcker, erleben Erinnerungen aus ihrer Vergangenheit oder verlieren kannst das Gefühl dafür, wo sie selbst aufhören und ihre Umgebung anfängt.
Das sind Berichte von Menschen, die sogenannte Magic Mushrooms zu sich genommen haben. Was sich dahinter verbirgt und warum das für Wissenschaft und Psychiatrie gerade so spannend ist, darum geht's in dieser Folge von Aha! Ich bin Karin Haswani, Deutsch ist nicht meine Muttersprache, also wundert euch nicht, wenn ihr bei mir in einem oder anderen Akzent raus hört. Herzlich willkommen euch allen bei Aha! Und jetzt legen wir los.
Gerhard Gründer (0:34)
Aha!
Karin Haswani (0:36)
Zehn Minuten Alltags-Wissen. Ein Podcast von WELT.
Psilocybin ist ein psychodelischer Wirkstoff und steckt in bestimmten Bilzen, die man umgangssprachlich Magic Mushrooms nennt. Die Idee aber, Psilocybin medizinisch zu nutzen, ist ja nicht ganz neu. In den 50er und 60er Jahren gab es schon Forschung zu Psychedelika. Aber als die Substanzen dann immer mehr als Freizeitdrogen genutzt wurden, gerieten sie in die Kritik und Psilocybin würde verboten und die Forschung lag dann jahrzehntelang quasi auf Eis. Inzwischen ist das wieder anders, Psilocybin ist zurück in der Forschung und unter strengen kontrollierten Bedienungen schaut man vor allem auf mögliche Anwendungen in der Psychiatrie. Und genau deshalb ist jetzt Prof. Gerhard Gründer bei mir, er ist Psychiater und Psychotherapeut und hat eine der größten deutschen Studien zu dem Thema geleitet, die Episodesstudie. Da ging es darum, ob Psilocybin Menschen mit Depressionen helfen kann.
Herr Prof. Gründer, wie schön, dass Sie heute im Podcast sind.
Gerhard Gründer (1:50)
Guten Tag Frau Haswani.
Karin Haswani (1:52)
Herr Prof. Gründer, wenn jemand Magic Mushrooms nimmt, was passiert da eigentlich im Gehirn? Also was macht der Wirkstoff Psilocybin dabei?
Gerhard Gründer (2:02)
Also in klinischen Studien, muss ich gleich vorausschicken, geben wir keine Magic Mushrooms. Wir geben keine Pilze, sondern wir geben synthetische Substanz. Das heißt, wir geben in aller Regel jedenfalls. Es gibt Ausnahmen, aber in aller Regel geben wir synthetische Substanz. Das heißt, wir geben eine Kapsel, da sind 25 Milligramm, das ist die Standarddosis, Psilocybin drin. Man darf sich das nicht so vorstellen, dass wir eine Anfallpilze an unsere Patienten geben. Was passiert? Diese Substanzen, also Psychedelika, dazu gehört eben auch Psilocybin, dazu gehört auch LSD beispielsweise.
Das sind die bekanntesten Vertreter oder auch Mescalin. Das sind alles Substanzen, die an einem bestimmten Serotonin-Rezeptor im Gehirn andocken. Serotonin hat jeder mal gehört. Das ist ein Neurotransmitter, der eine große Rolle spielt bei der Regulation von Stimmung, Antrieb, Appetit, Schlaf, Sexualität. Also ein ganz zentraler Neurotransmitter in unserem Gehirn.
Und an diesem Rezeptor, der sogenannte Serotonin-2a-Rezeptor, dockt diese Substanz an und wirkt dort als Agonist. Das heißt, wirkt stärker als der natürliche Neurotransmitter. Und dadurch werden bestimmte Effekte entfaltet. Molekular hat man das ganz gut verstanden, was da Molekular passiert. Wie diese Substanzen dann aber letztendlich antidepressiv zum Beispiel wirken, das ist relativ schlecht für Schwanken.
Karin Haswani (3:24)
Also zur antidepressiven Wirkung kommen wir gleich nochmal zurück.
Wir haben jetzt verstanden, dass Psilizubin an einem bestimmten Serotonin-Rezeptor im Gehirn wirkt. Jetzt würde mich allerdings interessieren, was man von dieser Wirkung selbst mitbekommt. Man spricht ja oft von einem Trip, also eine Art Reise. Wie verändert sich dabei unsere Wahrnehmung?
Gerhard Gründer (3:48)
Ja, im Volksmund heißt das Trip. Wir nennen das psychedelische Erfahrung, einfach um von diesem, ich sag jetzt mal, Straßen-Jargon wegzukommen. Man kann also nicht von vornherein sagen, so wird es ablaufen. Man muss einfach letztendlich offen sein dafür, dass die Erfahrung immer unterschiedlich sein kann. Auch beim gleichen Menschen, wenn der gleiche Mensch sechs Wochen später wieder die Substanz nimmt, kann es sein, dass die Erfahrung wieder ganz anders wird.
Was Menschen erleben, ist eine andere Wahrnehmung der Umgebung. Die Umgebung wird verändert wahrgenommen, Geräusche werden verändert wahrgenommen, Farben werden verändert wahrgenommen.
Die Umgebung kann sich bewegen, der Boden fängt an, sich zu bewegen. Es kommt auch zu einer anderen Wahrnehmung von sich selbst. Man nimmt gefühle stärker wahr, es kommt zum Wiedererleben von biografischen Erinnerungen manchmal. Es kommt auch zu dem, was man so gerne im Volksmut so sagt, dass man zum Beispiel Töne sehen kann. Ja, also das wir nennen das Synesthesien, dass Qualitäten verschiedener Sinne ineinander übergehen. Ja, dass also Geschmack gesehen wird, Töne gesehen werden bei höheren Dosierungen. Zum Gefühl, dass die Grenze zwischen dem eigenen Körper, zwischen dem eigenen Ich und der Umgebung unscharf wird. Im Extremfall, sag ich mal, kann das dazu führen, dass Menschen das Gefühl haben, sie lösen sich auf. Das wird von einigen Menschen als extrem glückliche Erfahrung wahrgenommen, von anderen als sehr angstbesetzte Erfahrung, weil das natürlich Angst machen kann, wenn sie das Gefühl haben, sie lösen sich auf.
Karin Haswani (5:37)
Das klingt auf jeden Fall sehr faszinierend. Ich glaube, für mich wäre das aber eher beänstigend. Ich habe nur die Vorstellung, dass ich mich auflöse.
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