Warum uns Hunde glücklich machen und Wölfe weise
Sternstunde Philosophie
September 12, 2026
Das Tier, mit dem der Mensch die engste Beziehung eingeht, ist der Hund. Was verdanken wir dieser Jahrtausende alten Partnerschaft, die mit dem Wolf begann? Und warum ist der Hund für so viele heute Sinnzentrum ihres Lebens? Ein Gespräch mit dem Verhaltensforscher Kurt Kotrschal.
Speakers Wolfram Eilenberger, Kurt Kotrschal
TopicsPhilosophySociety & Culture
SPEAKER_1 (0:01)
SRF Audio.
Wolfram Eilenberger (0:11)
Traurig, depressiv, unmotiviert, hoher Blutdruck, einsam, dauergrübelnd. Das, argumentiert mein heutiger Gast, müsste so alles nicht sein. Wenn Sie, wenn wir es nur wagen würden, Tieren einen größeren Platz in unserem Leben einzuräumen, insbesondere dem tatsächlich besten Freund des Menschen, also dem Hund sowie dessen Vorgänger, dem Wolf.
Warum uns ein Leben mit diesen Tieren nicht nur glücklicher, sondern sogar weiser macht, das bespreche ich heute mit dem Biologen- und Verhaltensforscher Kurt Kotrschal. Wuff wuff, herzlich willkommen bei der Sternstunde.
Kurt Kotrschal (0:46)
Grüß Gott, schön, dass ich da sein kann.
Wolfram Eilenberger (0:48)
Herr Kotrschal, jetzt habe ich gesagt, wir sprechen heute über Hunde und Menschen und ich könnte mir vorstellen, dass ein Gutteil der Zuschauer schon sagt, das interessiert mich nicht.
Zwei Fragen. Was stimmt mit diesen Menschen nicht? Und wie könnten Sie ihnen erklären, dass das auch Menschen angeht, was sie zu sagen haben, die nicht direkt Hundebesitzer sind?
Kurt Kotrschal (1:05)
Also erstens, so viele Menschen sind das gar nicht. Wir wissen, dass sich mehr Leute für Hunde interessieren, als solche, die sich nicht für Hunde interessieren.
Außerdem wissen wir, dass Menschen, die in Begleitung netter Hunde auftreten, von ihrer Umgebung einen Vertrauensvorschuss bekommen. Das dürfen wir auch nicht vergessen. Außerdem sprechen wir nicht nur über Hunde, sondern wenn man über Hunde und Tiere spricht, sprechen wir immer über den Menschen. Also es geht letztlich immer um uns selber. Das ist eigentlich die Schlüsselgeschichte.
Wolf, Hund, Mensch, das gehört da untrennbar zusammen.
Wolfram Eilenberger (1:42)
Sie schreiben am Anfang Ihres Buches, warum Hunde uns zu besseren Menschen machen, dass sie immer wieder selbst erstaunt sind, wie tief emotional sie dieser Umgang berührt und wie tief die Hunde sie existenziell ansprechen. Was ist es denn, was die Hunde in uns auslösen? Kann man das auf einen Kern bringen?
Kurt Kotrschal (2:02)
Kaum.
Menschen sind unglaublich flexibel. Wölfchen und Hunde auch. Aber was man mit Hunden natürlich lebt, sind essenzialisierte Sozialbeziehungen. Das heißt, meine Hündin stört sich gewöhnlich nicht daran, wenn meine Socken im Wohnzimmer rumliegen. Und wir führen keine politischen Diskussionen und es ist ja ziemlich egal, ob ich gut im Kopf rechnen bin oder oder frisch geduscht.
All diese sozusagen diese ganze Kult, was das Sozialleben so kompliziert macht, gewöhnt sich ja. Die, die das soziale Zusammenleben von Menschen oft ein bisschen kompliziert macht, haben wir zwischen Menschen und Hunden, zwischen Menschen und anderen Tieren nicht.
Wolfram Eilenberger (2:47)
Aber das würde ja eigentlich auch heißen, dass das gar keine Freunde sind, sondern dass der Begriff dafür falsch ist.
Kurt Kotrschal (2:53)
Werd ich nicht so sehen. Das heißt, wir haben eine tiefe soziale Beziehung.
Wir verwenden, das wissen wir heute aus der Forschung ziemlich genau, wir verwenden dieselben Hirnmechanismen, mit denen wir uns auch zu anderen Menschen binden. Und wir wissen, dass sich nicht nur die Hundehalter rennen an ihre Hunde binden, sondern dass das eine sehr symmetrische Geschichte sein kann. Also auch die Hunde binden sich an uns. Sie müssen sich binden. Hunde sind keine Katzen.
Wolfram Eilenberger (3:25)
Das wollte ich fragen. Sie haben ihr Leben dem Verhältnis von Mensch, Hund und Wolf gewidmet. Und ich frage Sie nie wieder danach. Aber mit Katzen haben Sie es nicht so, oder?
Kurt Kotrschal (3:33)
Doch, wir hatten ein großes Katzenprojekt. Außerdem das Leben gewidmet, so will ich das nicht sehen. Wir haben sehr viel unsere Arbeit mit Fischen gemacht und und auch mit sozialen Vögeln, mit Graugänseln, mit Kohlgraben.
Wir sind unter anderem draufgekommen, dass es ähnliche soziale Gründe hat, dass Kohlgraben klug sind, wie das Menschen diese überragende, diese überragend große Gehirn entwickelt haben. Also wir sind soziale Tiere und das war sozialer Selektionsdruck sozusagen, die unsere Fähigkeiten sich entwickeln ließ.
Wolfram Eilenberger (4:06)
Aber die Hundebeziehung ist ja in vieler Hinsicht eine spezielle und man kann sagen, das ist auch ein Zentrum ihres Forschens. Sie sind Biologe und Verhaltensforscher. Sie sind lange Jahre Professor an der Universität Wien gewesen. Sie haben die Konrad-Lorens-Forschungsstelle geleitet und sie haben ein eigenes Wolfszentrum aufgebaut. Biografisch würde ich vermuten, dass Hunde schon sehr früh bei ihnen eine Rolle gespielt haben und dass das sehr prägend war für sie schon als Mensch.
Kurt Kotrschal (4:30)
Das ist mein großer Kummer. Wir wissen heute, dass Kinder, die das Glück haben, mit Tieren, sprich mit einem Hund aufzuwachsen, Vorteile haben in ihrer emotionalen, körperlichen, kognitiven Entwicklung. Meine ersten Tiere waren Fische. Ich bin eigentlich mit Fischen sozialisiert.
Wolfram Eilenberger (4:52)
Aquarianer, ja?
Kurt Kotrschal (4:53)
Aquarianer. Und jetzt sozusagen im Ruhestand wieder zurück. Ich habe in der Zwischenzeit 4000 Liter Aquarien im Haus. Nicht immer ein bisschen zu misstrauen meiner Frau manchmal. Das heißt, was hätte aus mir nicht alles noch werden können, wenn ich das Glück gehabt hätte, mit einem Hund aufgewachsen zu sein. Aber es gibt halt sozusagen die...
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