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Versteckte Botschaften auf Social Media – Was hinter Algospeak steckt

Das Wissen | SWR

September 9, 2026

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Speakers Sophie Wannenmacher, Robin Seuf, Simon Meier-Vieracker, Theresa Lehmann, Yannis Androzopoulos, Matthias Spielkamp

TopicsScience

SPEAKER_1 (0:03)

Das Wissen.

Sophie Wannenmacher (0:06)

Diese Folge von Das Wissen startet mit einem kleinen Experiment.

SPEAKER_3 (0:10)

Stell dir vor, du erstattest Anzeige gegen Unbekannt, weil Fake Accounts unter deinem Namen gefälschte Orno-Videos von dir veröffentlichen und dann stellt sich heraus, dass das dein eigener Ehemann war.

Sophie Wannenmacher (0:20)

Die beiden Studenten Tim und Johnny klicken sich durch TikTok und Instagram. Sie wollen genauer hinsehen, welche Inhalte angezeigt werden und was der Algorithmus herausfiltert, also nicht zeigt.

SPEAKER_4 (0:32)

Da war es ja schon direkt am Anfang eigentlich.

SPEAKER_3 (0:34)

Genau, da sagt sie Orno statt Porno.

SPEAKER_4 (0:37)

Ja, erkennt man ja sofort eigentlich.

Sophie Wannenmacher (0:38)

Videos, in denen bestimmte Signalwörter verfremdet sind, wie hier das Wort Porno, gibt es zuhauf bei Social Media.

SPEAKER_1 (0:46)

Wir können noch mal ein anderes Video gucken.

Robin Seuf (0:48)

Frauen lieben schwulen S***. Ich hab diese Headline vom Tagesspiegel gesehen. Und wir kommen nicht ohnehin über Heated Rivalry zu sprechen. Ohne anzumerken, dass wahnsinnig viele Frauen Gefallen an dieser Serie gefunden haben. Nicht nur Gefallen dran gefunden haben, sondern es wurde tatsächlich auch von einer geschrieben. Denn Rachel Reed hat die Bücher geschrieben.

SPEAKER_6 (1:05)

Versteckte Botschaften auf Social Media. Was hinter Algospeak steckt. Von Sophie Wannenmacher.

Sophie Wannenmacher (1:15)

Gepiepte Wörter, Umschreibungen, neue Schreibweisen und Abkürzungen. Solche sprachlichen Umwege werden als Algospeak bezeichnet. Es ist eine Sprache aus Codes, eine Art Selbstzensur. Nutzerinnen und Nutzer auf sozialen Netzwerken haben sie entwickelt, weil sie befürchten, dass die Community-Richtlinien bestimmte Inhalte sonst einschränken würden.

In dieser Folge von Das Wissen zeigen wir, wie Algospeak Schutz bieten kann, aber auch Hass und Hetze ermöglicht. Wir fragen, welche Verantwortung die Plattformen tragen und welche Folgen diese sprachliche Entwicklung überhaupt hat.

Nochmal kurz zurück zu Tim und Johnny. Die beiden heißen eigentlich anders. Für unseren kleinen Selbstversuch scrollen sie weiter durch ihre Feats bei TikTok und Instagram.

SPEAKER_3 (2:06)

Probier doch nochmal Anorexie zum Beispiel.

SPEAKER_7 (2:09)

Was ist das?

SPEAKER_3 (2:11)

Das ist eine Essstörung.

SPEAKER_4 (2:13)

Also wie Anorexie.

Sophie Wannenmacher (2:17)

Wow.

SPEAKER_1 (2:18)

Also da sehen wir jetzt gar nichts.

SPEAKER_4 (2:19)

Da wird gar nichts gezeigt.

Sophie Wannenmacher (2:21)

Ein Hinweis wird eingeblendet.

SPEAKER_4 (2:22)

You're not alone.

Simon Meier-Vieracker (2:24)

Er soll darin bestärken, sich Hilfe zu suchen.

SPEAKER_4 (2:27)

It's important to know that the help is out there. Okay krass, also dass man gar nicht drüber reden darf. Nicht mal bei Videos oder so.

Simon Meier-Vieracker (2:33)

Kein einzelnes Video.

SPEAKER_4 (2:34)

Kein Video, kein User, gar nix.

Sophie Wannenmacher (2:36)

An diesem Beispiel wird klar, warum in manchen Videos einzelne Wörter verfremdet werden. Die Inhaltsfilter der Plattformen blenden bestimmte Themen aus.

In diesem Fall sollen sich Nutzerinnen und Nutzer nicht über Essstörungen austauschen können. Mit Algospeak wiederum lässt sich das umgehen. Das Wort setzt sich zusammen aus Algorithmus und Speak, also Sprechen.

Wir sind im Norden Berlins. Hier wohnt Robin Solf. Er ist Content Creator, kreiert also Videos für Social Media und spricht darin über queere und politische Themen.

Theresa Lehmann (3:17)

Hallo.

Simon Meier-Vieracker (3:18)

Ich bin froh, dass du da bist.

Sophie Wannenmacher (3:20)

Na, wie geht's?

Theresa Lehmann (3:21)

Gut und dir?

Simon Meier-Vieracker (3:22)

Ja.

Sophie Wannenmacher (3:23)

Seine Wohnung ist geschmückt mit Zimmerpflanzen und bunter Deko. Hier dreht Robin seine Videos.

Bevor es losgeht, wirft er noch einen Blick auf seine Notizen.

Robin Seuf (3:32)

Dann würde ich einfach das aufstellen, wird einmal grob das aufnehmen. Und das ist das Lustige bei mir. Ich hab immer einen kleinen Skript. Zum Beispiel für das hab ich jetzt so zwei, drei Sachen, die ich ansprechen möchte. Das hab ich so am Laptop nebenbei stehen. Weil sonst ich labere einfach und mach das dann im Nachhinein im Schnitt alles.

Sophie Wannenmacher (3:46)

Eigentlich sollen nur Inhalte verborgen werden, die Gesetzen oder Nutzungsrichtlinien der Plattformen widersprechen. Zum Beispiel Beleidigungen, sexueller Missbrauch oder Volksverhetzung.

Aber auch die Themen, die Robin bespricht, haben es oft nicht leicht auf den Plattformen. Immer wieder scheint der Algorithmus Robins Videos zu unterdrücken, obwohl sie sich an die Regeln halten.

Robin Seuf (4:08)

Vor allem das, was ich mache, ist schon ein bisschen, ja, eventuell dann doch politischer, als das, was die meisten machen. Und ich merke dann schon, dass das oft gerne mal gedrückt wird. Je politischer es wird, je ernster es wird, je mehr faktisch es auch wird. Wenn ich z.B. zwei, drei Statistiken einblende oder so, mag der Algorithmus gar nicht. Vor allem, wenn diese ganzen Wörter fallen. Ich glaube, das mal auszusprechen, ist gar nicht so schlimm. So was wie schwul, queer oder so was. Aber niemals schreiben. Wenn ich so eine Headline mache, queer, würde ich immer KB, EER schreiben. Niemals das Original. Schwul niemals ausschreiben. Lesbisch niemals ausschreiben. Trans niemals ausschreiben, würde ich niemals machen.

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