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"Simplemente Amigos" - (Mexiko, 1988) artwork

"Simplemente Amigos" - (Mexiko, 1988)

100 Songs - Geschichte wird gemacht

September 30, 2026

1987 nahm Maria Guadalupe Araujo Yong 32-jährig am internationalen OTI-Song-Festival teil, bei dem sie - das war außergewöhnlich - als Songwriterin und Sängerin ihres eigenen Songs den dritten Platz erreichte.

Speakers Stefan Niederwieser, Robert Stadlober, Lorena Alvarado, Alejandro Madrid

TopicsMusic HistoryMusicEducation

Stefan Niederwieser (0:03)

O-A-F Sound 1988 Mexiko steckt in der tiefsten Krise seiner jüngeren Geschichte. Die Landeswährung verliert dramatisch an Wert. In der Hauptstadt sind noch immer Trümmer eines schweren Erdbebens zu sehen und die Wahl des Präsidenten wird von Manipulationen überschattet.

Da singt Ana Gabriel vom verzehrenden Feuer der Liebe. Das ist eine Geschichte verbotener Hoffnung.

Das ist die Geschichte von Simplemente Amigos.

Robert Stadlober (0:59)

Einfach nur Freunde, lieber Robert. Aber wer weiß schon, was wirklich zwischen uns beiden vor sich geht?

Stefan Niederwieser (1:06)

Ja, wer weiß das? Vielleicht Ana Gabriel. Sie singt diese Zeilen in dem Song Simplemente Amigos. Und der Refrain macht dann klar, dass diese beiden Freunde zumindest sich hinter verschlossenen Türen unkontrollierbar lieben.

Diese Liebe wird allerdings von ihnen nicht akzeptiert. Das bleibt dem Text ziemlich vage. Das können die Eltern sein, die Brüder, die Nachbarn oder bestimmte Teile der konventionellen Gesellschaft.

Lorena Alvarado (1:32)

Ja, diese Song spricht über unkontrolliertes Liebe, unvergessliche Liebe, außerhalb von deinem, Romeo und Julietten-Szenario.

Robert Stadlober (1:43)

Das ist Lorena Alvarados, die Vorstander der Universität California zu lateinamerikanischer Musik.

Stefan Niederwieser (2:07)

Simplemente Amigos ist keine gewöhnliche Romeo und Juliette-Geschichte, sagt Lorena Alvarado. Es geht um die Sehnsucht gesehen und anerkannt zu sein, dass man sich nicht mehr verstecken muss. Diese Ballade schwillt mit einem großen Crescendo an und gipfelt im Traum einer Welt, in der wir frei sein können.

Frei nämlich zu lieben, wen und wie wir wollen.

SPEAKER_4 (2:41)

Aber wer weiß wirklich, was zwischen uns passiert, wenn jeder, der um die Nacht kommt, Ein paar Eckdaten zu Ana Gabriel.

Robert Stadlober (2:57)

Sie wird 1955 geboren im Bundesstaat Sinaloa am Golf von Kalifornien. Ihr chinesischer Großvater ermutigt sie, Lieder zu schreiben und zu singen. Sie geht dann mit 15 nach Tijuana, eine große Stadt in Grenznähe zu Kalifornien. Sie lernt dort Buchhaltung und arbeitet in einer maquiladora. So nennt man die typischen Montagefabriken in Grenznähe.

Ana Gabriels erstes Album erscheint dann 1980 noch unter ihrem bürgerlichen Namen Lupita Araujo.

Lorena Alvarado (3:29)

Exekutiven sagen ihr, dass ihr Stimme dreckig klingt.

Und es hat eine andere Art von Werten gebracht. Sie glauben, dass sie zutreffend versucht, ihr Stimme zu schreien, aber das ist nicht der Fall. Sie sagt, nein, ich lebe meine Vokalei. Sie sind frei.

Stefan Niederwieser (3:53)

Ja, und Ana Gabriel bekommt zu hören, dass ihre Stimme nicht sauber klingen würde, sondern dreckig und heiß, erzählt Lorena Alvarado. Aber sie meint, nein, also Ana Gabriel sagt, nein, ich mache das nicht absichtlich mit der heißeren Stimme. Ich befreie einfach nur meine Stimmbänder.

Robert Stadlober (4:10)

Während der Aufnahmen zu diesem Album wird sie von einem Produzenten sexuell belästigt und geht daraufhin nach Mexikostadt.

Alejandro Madrid (4:17)

Es ist ein Moment, in dem die meisten latinamerikanischen Sänger, die eine Präsenz haben wollen, nach Mexiko kommen.

Robert Stadlober (4:26)

Das ist Alejandro Matrit. Er ist Professor für Musik an der Harvard University und er ist ein Pionier in der Erforschung lateinamerikanischer Popmusik.

Alejandro Madrid (4:34)

Weil die großen Shows in Mexiko produzieren, die großen Labels sind hier, haben sie auch ihre Einnahmen in anderen Ländern in Lateinamerika. Aber einer der großen Hauptquartiere dieser Firmen war Mexiko.

Stefan Niederwieser (4:48)

Mexiko ist in den 80er Jahren also das Sprungbrett nach ganz Lateinamerika. Hier werden alle großen TV-Shows produziert und alle großen Labels haben hier ihre Hauptquartiere. Und Mexikostadt ist ja auch zu diesem Zeitpunkt zumindest, die mit Abstand größte Stadt der Welt, in der Spanisch gesprochen wird.

Robert Stadlober (5:03)

Der größte Medienkonzern in Mexiko heißt Televisa. Und Televisa verkauft eigene TV-Shows nach ganz Iberoamerika. Das heißt also nicht nur Lateinamerika, sondern auch Spanien und Portugal. Zur Televisa gehören nun nicht nur TV-Sender und Radios und Zeitungen, sondern auch das Aztekenstadion ist im Besitz der Televisa und der Fußballclub, der dort spielt.

Eine Talentshow der Televisa heißt Valores Juveniles. Und dort fällt Ana Gabriel zum ersten Mal als Songwriterin auf und bekommt 1985 einen Plattenvertrag. Auf ihrem Debüt singt sie mit rauer Stimme und klingt ganz anders als die Balladistas dieser Zeit.

Alejandro Madrid (6:14)

In Lateinamerika, und sehr stark in Mexiko, auf der Schrift, auf der Komponierung und der Performanz von liebsten Songs. In der ersten Hälfte des 20 Jahrhunderts war das Bolero. Bolero war der Genre, der sehr populär war, überall in Lateinamerika.

Das Bolero ist ein afro-karibischer Typ der Musik, das langsam durch den 20 Jahrhundert die vielen afrikanischen Features auslösen. Und wenn es in die Ballade transformiert wird, am Ende der 1960er Jahre, sind diese Features komplett ausgelöst.

Stefan Niederwieser (6:44)

Die Balladen, die diese Balladistas singen, sind in erster Linie Liebeslieder. Und in Mexiko gibt es dafür eine besonders starke Tradition, sagt Alejandro Madrid. Diese Liebeslieder waren im frühen 20 Jahrhundert erst als Boleros bekannt und in ganz Lateinamerika beliebt. Bolero, das ist ja afrikanisch-karibische Musikform, aber im Laufe der Jahrzehnte verflüchtigten sich dann die afrikanischen Merkmale und Ende der 60er Jahre verwandelt sich dann der ursprüngliche Bolero hin zu der Ballade.

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