Skip to content
Robert Seethaler – Was zählt im Leben wirklich? artwork

Robert Seethaler – Was zählt im Leben wirklich?

Hotel Matze

September 16, 2026

Robert ist Schriftsteller, Schauspieler und war einmal Therapeut – und sein neuer Roman heißt „Die Straße“. Wir sprechen über seine starke Sehbehinderung, über Scham, Sehnsucht und darüber, warum er gleichzeitig gesehen werden und sich verstecken möchte.

Speakers Robert Seethaler, Matze Hielscher

TopicsSociety & Culture

Robert Seethaler (0:14)

Jeder möchte gesehen werden und ich möchte ans Licht. Ich glaub, die wissen nicht, was das bedeutet. Es kann wunderschön sein, gesehen zu werden. Es kann fast unaushaltbar sein. Aber die Scham ist ja nicht etwas, das ist ja kein Tier, das sich dir in den Nacken setzt und das man dann so verscheuchen kann, sondern das ist eher wie ein Nebel, der einem das Herz zersetzt.

Ich schäme mich auch nicht für etwas, was ich bin oder nicht bin, sondern die Scham ist etwas, die einen Menschen ganz einnimmt.

Matze Hielscher (0:49)

Wovor hast du Angst, was man sehen könnte?

Robert Seethaler (0:54)

Man, jetzt reite ich doch nicht immer auf meiner Psyche rum. Ja, bitte.

Das Schreiben ist fast wie so eine Bewegung mit einem Suchscheinwerfer in einer Höhle. Die Höhle ist riesig, aber du hast immer nur einen kleinen Ausschnitt. Das heißt, die schreiben nur, er ging über die Straße und weiß in dem Moment noch nicht wohin. Zwei Fragen stelle ich dir.

Wie wird man über dich denken, wenn du nicht mehr da bist? Wie soll man über dich denken, wenn du nicht mehr da bist? Ich glaube, das ist nicht schlecht, mal darüber nachzudenken.

Matze Hielscher (1:39)

Willkommen im Hotel Matze. Ich bin Matze Hielscher und treffe mich noch immer mit Menschen, um herauszufinden, wie die so ticken. Mein heutiger Gast ist der Schriftsteller Robert Seethaler. Wenn ihr in den letzten Jahren irgendwann mal eine Buchhandlung gewesen seid, da bin ich mir sicher, habt ihr garantiert seine Bücher gesehen. Das Kaffee ohne Namen, das Feld, Ein ganzes Leben oder Die Straße. Ich lese den wahnsinnig gern, weil er in seinen Büchern seine unglaubliche Atmosphäre kreiert, so als würde die Zeit stillstehen. Ich habe mich wahnsinnig gefreut, dass er hier eingecheckt hat, denn Robert Seethaler gibt sehr selten Interviews und das hat damit zu tun, dass er sich schämt. Über diese Scham sprechen wir sehr ausführlich in dieser Folge. Es geht um Sehnsüchte und warum es so ist, dass man sich manchmal nach etwas sehen, was man eigentlich gar nicht leben will. Wir sprechen über das Schreiben natürlich und auch, das hat mir sehr gut gefallen, über das Fotografieren, denn Robert fotografiert seit einer Weile und zeigt hier auch zum allerersten Mal seine Fotografien.

Wenn ihr euch manchmal fragt, warum es im Leben eigentlich gehen sollte oder wie viel Nähe tut mir eigentlich gut, dann seid ihr mit dieser Folge auf jeden Fall richtig. Ich wünsche euch viel Vergnügen im Hotel Matze mit Robert Seethaler.

Wie geht es dir? Und ich meine, dass jetzt nicht nur so wieder hergeredet, sondern ich will es wirklich wissen.

Robert Seethaler (3:01)

Ich versuche da rein zu hören. Das ist ja eine Frage, die, wenn man sie ernst nimmt, nicht zu beantworten ist. Wie soll es einem gehen, in so einer Situation, die ist fremd und unangenehm und ein fremder Mensch sitzt einem da gegenüber.

Gibt es vielleicht so etwas wie eine Erwartung im Raum oder in anderen Räumen, die man in Wirklichkeit ja nur in sich trägt? Das heißt, wahrscheinlich überdeckt die Nervosität ein bisschen den Zugang zu einem wirklichen Gefühl.

Matze Hielscher (3:36)

Heißt bei dir überdeckt, dass du selber nicht genau weißt?

Robert Seethaler (3:44)

Es ist schwer, Antworten zu finden, respektive Antworten zu geben, wenn man die Fragen ernst nimmt.

Ich glaube, dass viele Menschen Antworten parat haben. So wie ein Reservoir an Möglichkeiten, die sich dann so vor sich ausbreiten, wie Ziegel, weißt du. Man baut sich dann so ein Antwortenhaus oder so ein Meinungspalast oder Meinungshütte. Und ich glaube aber, dass du dadurch auch eine Schutzmauer errichtest, mit diesen vorgefertigten Antworten. Und deswegen, wenn ich es ganz ernst nehme, und dann eine Frage, wie es mir geht, ich weiß es nicht.

Matze Hielscher (4:24)

Gibt es Momente, wo du es, und das frage ich mich jetzt auch gerade, weil du das so beantwortest, ich frage mich das jetzt auch selber gerade, während ich dich das gleich frage, wo du weißt, wie es dir geht, wo du es so ganz genau weißt?

Robert Seethaler (4:39)

Ja, im Tiefen Unglück und auch in so, ich war jetzt mit meinem 17-jährigen Sohn in Amerika und dort gab es Momente der Weite. Da in Arizona, ich weiß nicht, ob du das kennst, da gibt es diese Straßen. Es gibt die Bilder, also so? Ja, und diese Weite, der du da mit dem Blick nicht mal folgen kannst, weil sie weiter ist aus dem Blick, weiter ist der Horizont fast. Dahinter beginnt die Träume. Das sind für mich Glücksmomente. Und da weiß ich in dem Moment, das ist Glück. Und daneben der Sohn.

Das ist schön.

Matze Hielscher (5:16)

Ja, das ist total schön. Und in diesem Moment stimmt, in dem Momenten weiß man das. Man weiß in dem Moment, wo einem das Herz total gebrochen wird oder irgendwas total schief geht, man irgendwas erfährt, was man nicht erfahren will, da weiß man, jetzt geht es mir nicht gut.

108 more minutes of transcript below

Thousands of transcripts fetched by people building searchable podcast archives

Fetch the whole transcript

The demo key returns a sample episode in full, no card needed:

request
curl -H "x-api-key: pt_demo" \
  https://spoken.md/transcripts/1000651996090

Markdown with the speakers named, for your notes, your knowledge base, or anything that makes HTTP calls.

From $0.10 per transcript. No subscription. Credits never expire. Prices exclude VAT, added at checkout for EU customers. Not what you expected? Email us within 14 days with 20 or fewer credits used and we refund the pack in full.

Using your own key:

request
curl -H "x-api-key: YOUR_KEY" \
  https://spoken.md/transcripts/1000790045210