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"Rise Like A Phoenix" - Conchita Wurst (Österreich, 2014)

100 Songs - Geschichte wird gemacht

September 30, 2026

"Jetzt hat sie uns den Schas gewonnen" - mit diesen Worten krönte ORF-Moderator Andi Knoll das Ende einer fast fünfzigjährigen Durststrecke, als Conchita Wurst als überragende Gewinnerin des Eurovision Song Contest 2014 verkündet wurde.

Speakers Stefan Niederwieser, Robert Stadlober, Katharina Wiedlak, Andi Knoll, René Berto, Marco Schreuder, Robin Grubert

TopicsMusic HistoryMusicEducation

Stefan Niederwieser (0:10)

Das geeinte Europa bekommt Risse. Russland annektiert die Krim und ein Kulturkampf von traditionellen und progressiven Kräften heizt sich zusehends auf. Beim größten europäischen Show-Event, dem Eurovision Song Contest, wird Conchita Wurst aus Österreich zur Projektionsfläche aller, die an ein tolerantes Europa mit gleichen Rechten für alle glauben.

Das ist die Geschichte eines vorläufigen Triumphs. Das ist die Geschichte von Rise Like A Phoenix.

Robert Stadlober (1:11)

Robert, hör mal hier.

Katharina Wiedlak (1:13)

Die Frau find ich jetzt großartig.

Andi Knoll (1:15)

Ja, es ist so geil, Entschuldigung, aber es ist leer, gell?

Robert Stadlober (1:18)

Österreich!

SPEAKER_5 (1:25)

Conchita!

Robert Stadlober (1:28)

Ich hab's mir nicht wirklich erwartet, aber ich find's großartig.

SPEAKER_5 (1:31)

Österreich ist endlich angekommen in der Postmoderne und kann seinen alten Scheiß zurücklassen.

René Berto (1:38)

Hätte ich dich erwartet, Wahnsinn.

Marco Schreuder (1:40)

Super.

René Berto (1:41)

Die Beste hat gewonnen.

Andi Knoll (1:43)

Ein Zeichen für die Welt.

Marco Schreuder (1:45)

Toleranz ist, jetzt ist die Zeit für Toleranz.

SPEAKER_5 (1:49)

Die fünf Punkte aus Russland waren für mich wirklich eigentlich ein Zeichen dafür, dass es eben nicht bei einer Landesgrenze aufhört und dass nicht alle dieser Meinung sind und deswegen muss man dagegen ankämpfen und sich auch auf die Hinterbeine stellen. Das habe ich gestern stellvertretend für viele gemacht.

Stefan Niederwieser (2:06)

Ja, das war unverkennbar, erst Österreich und dann Conchita.

Ja, Wahnsinn, oder? Also kann man sich kaum noch vorstellen. Das ist noch gar nicht so lange her und die Zeiten haben sich schon wieder stark verändert. Also ich würde mir wünschen, die Leute würden sich immer noch genauso freuen. Ich bin mir aber nicht mehr so sicher. Der Name Conchita Wurst, das habe ich jetzt gerade noch mal durchgelesen, der ist ja auch besonders. Ja, also Conchita ist eine Verniedlichung von Konzeption, die unbefleckte Empfängnis, aber auch von Concho, die Muschel, das Muschelchen, also seine Anspielung auf das weibliche Geschlechtsorgan. Und das dann kombiniert mit Wurst, da steckt natürlich die Gleichzeitigkeit der Geschlechter schon im Namen.

Robert Stadlober (2:48)

Und diese Conchita Wurst wird verkörpert, wie sehr viele Leute in Österreich wahrscheinlich wissen, von Tom Neuwirt. Er wird im Salzkammergut geboren und wächst auch dort auf und begibt sich zunächst auf das große ORF-Casting-Show-Karussell.

2006 der Menier, 2011 die große Chance.

Andi Knoll (3:07)

Wo diese Figur Conchita erfunden wurde und zum ersten Mal das Licht der Öffentlichkeit quasi erblickt hat.

Robert Stadlober (3:12)

Das ist Andi Knoll, der womöglich bekannteste Moderator von Hitradio Ö3.

Andi Knoll (3:18)

Wo einfach das Ladelhaube gefallen ist den Leuten, was ist denn das? Mein Gott, singt diese Person gut, ist das toll?

Aber Frau mit Bart und was geht ja gar nicht. Also dieses Kinnladen fallen in ganz Österreich, da war ich Moderator.

René Berto (3:32)

Die große Chance, da war ich damals für die Sony und für den ORF tätig, um die Leute, die bei dieser Sendung erfolgreich sind, sozusagen unter meine Fittiche zu nehmen und für die Termine auszumachen.

Robert Stadlober (3:45)

Das ist Rinne Berto, erster Manager von Conchita Wurst. Sie tritt 2012 beim österreichischen Vorentscheid zum Song Contest an und verliert dort nur knapp mit That's What I Am, übrigens gegen die Trackshiters.

Sie hört dann auf zu rauchen, nimmt Gesangstunden und in der Zwischenzeit schreibt Rinne Berto ein Konzept für den ORF.

René Berto (4:04)

Das hieß zwar von der Casting Show zum Weltstar.

Robert Stadlober (4:07)

Im September 2013 fällt die Entscheidung, Conchita Wurst wird ohne nationalen Vorentscheid zum Eurovision Song Contest fahren.

Andi Knoll (4:14)

Es gab Petitionen, es gab Facebook Seiten, es gab Aufruhr, es gab auch das Gegenteil. Aber das war schon klar, dass man mit so einer Figur natürlich Schlagzeilen machen wird. Und die Cathy hat da glaube ich einfach wirklich fest daran geglaubt. Und sie hat gesagt, na, das machen wir.

Robert Stadlober (4:30)

Die Cathy?

Stefan Niederwieser (4:32)

Das ist, glaube ich, Katrin Zechner, damals ORF-Fernsehdirektorin. Und sie setzt Conchita Konzern intern gegen, wie man so hört, einige Widerstände durch.

Robert Stadlober (4:42)

Und Conchita bereitet dann diesen Auftritt ein Jahr lang vor. Mit zum Beispiel Auftritten auf diversen Song-Contest-Partys, die im Vorfeld des ESC stattfinden. Zum Beispiel in Estland, Schweden, Amsterdam, London. Um das Kernteam herum gibt es bald mehrere Personen, die diesen Auftritt begleiten, unterstützen und beratschlagen. Zum Beispiel Thomas Rabic, ehemaliger Keyboarder von Falco, oder Dorothée Badent, die ist zuständig für die Arrangements.

Oder auch Markus Schreuder. Er fährt seit 2012 für die Tageszeitung Der Standard zum Song Contest.

Marco Schreuder (5:17)

Und wir haben so ein bisschen die Strategie besprochen, ohne dass das jetzt, wir haben kein Konzept am Reißbrett entworfen. Aber ich habe immer gesagt, eigentlich ist das sehr schön, wenn Conchita so eine Botschaft ist, die jenseits von nationaler Befindlichkeit, rot-weiß-rot, oder auch Regenbogen-Fernig steht, sondern so drüber steht, so als Botschaft der Menschenwürde. Und dann der Tom Neuwirth, der ja die Conchita verkörpert hat, hatte auch sehr viel Intelligenz und hat ein gutes Gespür, auch einfach gehabt. Er war eine dankbare Kunstfigur, wenn du das so willst, die Conchita.

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