"Respect" - Aretha Frankling (USA, 1967)
100 Songs - Geschichte wird gemacht
October 8, 2026
In Detroit war die Autoindustrie Mitte der 1960er Jahre bereits in einer tiefen Krise. Martin Luther King war 1963 noch friedlich durch die Stadt marschiert - Seite an Seite mit dem bekannten Pastor CL Franklin. Wenige Jahre später erschütterten Ausschreitungen mit vielen Dutzend Toten die Stadt.
Speakers Stefan Niederwieser, Robert Stadlober, Portia Maultsby, Suzanne Smith
TopicsMusic HistoryMusicEducation
Stefan Niederwieser (0:10)
Detroit ist Dynamit. In den Ghettos ist Armut allgegenwärtig. Polizeigewalt ebenfalls.
In der Hitze der Nacht schlägt ein Funke über, Unruhen brechen aus, die Nationalgarde rückt ein.
Zeitgleich werden im Land die Rufe nach Black Power lauter. Da singt die Tochter eines bekannten Pastors, gibt's mir, rücks raus, Respekt, nur ein bisschen. Das ist die Geschichte von Retha, Rap und Revolte. Das ist die Geschichte von Respekt.
Robert Stadlober (0:58)
Robert, Respekt, das wollen wir alle, oder?
Stefan Niederwieser (1:01)
Ja, wahrscheinlich in verschiedensten Formen.
Deswegen ist wahrscheinlich das Lied, über das wir heute sprechen, Respekt von Aretha Franklin, auch so zeitlos. Es gibt ja Leute, die sagen, man muss sich Respekt verdienen. Und in der spezifischen Zeit, als dieses Lied entstanden ist, in den 1960er Jahren in den USA, da haben viele Menschen das Gefühl, dass sie sich eigentlich den Respekt schon längst verdient haben und nicht nur die rechtliche Gleichstellung.
Portia Maultsby (1:25)
Während dieses Zeitraums war das Thema der Unität und Respekt von den sozialen Rechts- und schwarzen Machtmöglichkeiten.
Robert Stadlober (1:33)
Das ist Portia Maltzby, eine absolute Pionierin in der Erforschung von Soulmusik.
Portia Maultsby (1:38)
Aber es hat auch die Notionen der Unität und Respekt zu persönlichen Beziehungen verwendet. Also, viele Songs haben die Beziehungen ermutigt, und im Grunde genommen, während turbulenten Zeiten Positive und reassuring Relationships were necessary to counter feelings of defeat and depression.
Stefan Niederwieser (2:00)
Borja Molsby sagt hier, dass sowohl die Bürgerrechtsbewegung, also die gemäßigten Kräfte rund um Martin Luther King, als auch die militante Black Power Bewegung für Respekt eintraten, aber eben auch vor allem für Einigkeit. Und das betrifft auch persönliche Beziehungen der Menschen untereinander. Und viele Songs der damaligen Zeit machen sich eben für tiefgehende, feste, stabile Beziehungen stark. Denn die Zeiten sind turbulent und deprimierend. Und genau deshalb sind solche aufbauenden, authentischen Beziehungen so wichtig.
Robert Stadlober (3:01)
Dieses Jahrzehnt, die 1960er, beginnt ja voller Hoffnung. Die sogenannte Rassentrennung ist bereits rechtlich aufgehoben. John F. Kennedy ist im Amt und versprüht einen neuen Elan und einen neuen Geist. Und Martin Luther King führt immer mehr Menschen an, die für Freiheit und Gleichheit marschieren.
Dieser Martin Luther King kommt 1963 nach Detroit. Und dort hält er eine Rede vor weit über 100 Menschen. Er erzählt dort von einem Traum. Und fünf Tage später wird daraus in Washington seine berühmte Rede, I have a dream.
Suzanne Smith (3:33)
Das Great March to Freedom ist CL Franklins Idee.
Robert Stadlober (3:37)
Das ist zu Sam Smith, Professorin für Geschichte an der George Mason University in Virginia. Sie ist in Detroit aufgewachsen.
Suzanne Smith (3:45)
Franklin sieht es als einen Weg, Geld zu erzielen, um King's Kampf in Birmingham, Alabama zu unterstützen. Sie will auch den March, um die Probleme, die in Detroit Schwarze Menschen betreffen, zu beantworten.
Stefan Niederwieser (3:56)
Sie sagt hier, ein gewisser CL Franklin hatte die Idee für den großen Marsch zur Freiheit. CL Franklin ist...
Robert Stadlober (4:05)
Ja, das ist der Vater von Aretha Franklin. Er ist ein bekannter Pastor. So wie Martin Luther King ist er ein Baptist und stammt ursprünglich aus den Südstaaten. Er hat eine wöchentliche Radioshow und ist bekannt als Mann mit der goldenen Stimme.
Stefan Niederwieser (4:20)
Dieser CL Franklin will mit dem Marsch durch Detroit Geld für Martin Luther King sammeln, sagt Suzanne Smith. Martin Luther King kämpft damals in den Südstaaten in Birmingham, Alabama für die Gleichberechtigung. Da gibt es den berühmten Marsch, bei dem die Polizei Hunde und Wasserwerfer gegen friedliche Demonstranten einsetzt.
Pastor CL Franklin will aber auch auf Probleme der lokalen schwarzen Bevölkerung in Detroit hinweisen. Also die Armut in den Ghettos und die Polizeigewalt.
Detroit ist unglaublich traumatisiert. Die schwarzen Gemeinschaften fühlen sich entwurzelt und es kommt zu unglaublichen Spannungen. Ganz ähnliche Spannungen entladen sich zur gleichen Zeit ja auch in Harlem, in New York und in Watts in Kalifornien. Dort stellen schwarze Ladenbesitzers Schilder in ihre Schaufenster, auf denen Soul Brother steht und damit wollen sie sich vor Plünderungen schützen, damit eben die Demonstranten wissen, dass dort ein Geschäft in Händen eines schwarzen Besitzers ist. Und Radiostationen bezeichnen sich damals erstmalig als Soul Stations.
Portia Maultsby (5:33)
So within this context the term soul became a signifier of blackness.
Robert Stadlober (5:40)
Das ist wieder Portia Morsby. Sie hat übrigens 1983 einen absolut grundlegenden Artikel über die politische Bedeutung von Soul geschrieben.
Portia Maultsby (5:49)
It identified an identity and the concept of self and group empowerment throughout the black power era and beyond.
Now Soul became associated with all forms of cultural production. Music, dance, the visual arts, foodways and fashion.
Stefan Niederwieser (6:10)
Soul, sagt sie hier, bezeichnet bald einfach Schwarzsein. Soul ist eine Identität, aber auch etwas, auf das man stolz ist und durch das man sich befähigt fühlt. Soul steht bald für alles Mögliche, alle möglichen Formen kultureller Produktion, also für Musik, für Mode, für Tanz, für Kunst und für Essen.
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