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Organisierte Kriminalität in Europa (3/3) – Die EU-Ermittler

Das Wissen | SWR

October 7, 2026

Um den Bossen das Handwerk zu legen, müssen die Ermittler der Spur des Geldes folgen, international zusammenarbeiten, Daten austauschen. Dann erfolgt am "Action Day" der Zugriff.

Speakers Beate Kroll, Daniel Telesklaff, Michael Schmidt, Oliver Huth, Lars Klingbeil, Nathalie Durand, Markus Töns Gerlemann

TopicsScience

SPEAKER_1 (0:02)

ARD Sounds, Das Wissen.

Beate Kroll (0:07)

Die organisierte Kriminalität richtet viel Leid an. Sie macht Menschen abhängig, beutet sie aus, bringt sie um. Für die Ermittler ist die organisierte Kriminalität ein harter Gegner. Die Kriminellen arbeiten über Staatsgrenzen hinweg. Sie heuern Spezialisten an, sind skrupellos. Aber auch die Ermittler haben ihre Methoden. Die werden besser, koordinierter und zielstrebiger.

Daniel Telesklaff (0:36)

Den Weg an die Spitze zeigt ihnen das Geld.

Michael Schmidt (0:39)

Und das bedarf einer wirklich systematischen Zusammenarbeit zwischen den zuständigen Staatsanwälten.

Oliver Huth (0:45)

Wenn ich denen am Ende der Ermittlung gegenüber sitze, da gucken sich dann schon zwei Menschen in die Augen, die voneinander gegenseitig wissen, wo der Most geholt wird.

Beate Kroll (0:53)

In drei Folgen schauen wir uns die handelnden Personen, der OK an, der organisierten Kriminalität. In Folge eins sind es die Kriminellen, in Folge zwei die vielen Komplizen, also wir Bürgerinnen und Bürger. In Folge drei kommen die Ermittler zu Wort. Wie gehen sie gegen die organisierte Kriminalität in Europa vor?

SPEAKER_6 (1:17)

Organisierte Kriminalität in Europa, Teil drei von drei. Die EU-Ermittler von Beate Kroll.

SPEAKER_7 (1:26)

Guten Tag, ich grüße Sie ganz herzlich an Zollfahndungsamt Berlin Brandenburg. Für die wenigen unter Ihnen, die nicht ganz genau wissen, was die Zollfahndung eigentlich macht, wir sind zuständig für die Bekämpfung des Schnuggels, von Waffen, Getäubungsmitteln, von anderen verbotenen Gegenständen.

Beate Kroll (1:44)

Ein sonniger Vormittag im Februar 2026 Die Bundesregierung hat zu einer Pressekonferenz ins Zollfahndungsamt Berlin-Brandenburg eingeladen. Es geht um die Bekämpfung der organisierten Kriminalität. Die Pressekonferenz startet mit einer kleinen Vorführung auf dem Parkplatz im Innenhof der Behörde. Zwei Männer sollen bei der Übergabe einer Ware, die aus einer Straftat stammt, festgenommen und gefesselt werden. Das Publikum hört, wie ein unauffällig positionierter Kollege die Szene dem Zugriffskommando beschreibt. Es wartet auf dem Parkplatz in einem Bulli.

Plötzlich geht alles sehr schnell. Wenige Sekunden später liegen die Kriminellen gefesselt am Boden. Das Publikum ist beeindruckt.

SPEAKER_7 (2:49)

Und auch diesen Einsatz haben wir wieder erfolgreich absolviert, würde ich sagen.

Beate Kroll (2:56)

Die organisierte Kriminalität richtet in Europa immense Schäden an. Allein in Deutschland waren es 2024 laut neuesten Schätzungen des Bundeskriminalamts 1,6 Milliarden Euro. Und das ist nur das Hellfeld. Die Bundesregierung will deshalb den Kampf gegen die organisierte Kriminalität verbessern. Im Zentrum steht das Geld der Kriminellen, erklärt Bundesfinanzminister Lars Klingbeil bei der Pressekonferenz.

Lars Klingbeil (3:24)

Für uns ist wichtig, dass wir die Spuren des Geldes verfolgen, um an Kriminelle und die Strukturen ranzukommen und sie zu zerschlagen. Der Ansatz ist Follow the Money. Und wir verstärken die Finanzermittlung in allen Bereichen.

Beate Kroll (3:38)

Beim Follow the Money Ansatz sollen die Ermittler nicht mehr Kleindealer und Money Modes jagen, also Menschen, die Geldwäschern ihr Konto zur Verfügung stellen, sondern sie sollen die Spur des illegalen Geldes verfolgen. Denn die führt zu den Anführern, die ganz oben an der Spitze der kriminellen Netzwerke sitzen. Eine Behörde, die sich mit illegalen Geldflüssen auskennt, ist die Financial Intelligence Unit. Ihr Leiter ist Daniel Telesklaff.

Daniel Telesklaff (4:06)

Ich bin seit zweieinhalb Jahren jetzt Leiter der FIU. Viele Jahre jetzt bei der UNO tätig und jetzt seit zweieinhalb Jahren in Deutschland.

Beate Kroll (4:15)

Die FIU ist eine Behörde des Zolls mit Sitz in Köln. Sie soll Verdachtsmeldungen zur Geldwäsche sammeln. Ein solcher Verdacht kann auftreten, wenn auf Bankkonten ungewöhnliche Zahlungsmuster auftauchen. Oder jemand versucht bei einem Notar, eine Immobilie mit Bargeld zu bezahlen. Daniel Thelesklaaf hält den Follow-the-Money-Ansatz für einen guten Weg, um gegen die organisierte Kriminalität vorzugehen.

Daniel Telesklaff (4:41)

Das liegt darin, dass organisierte Kriminalität primär darauf gerichtet ist, das Geld zu verdienen mit den illegalen Handlungen. Und alle Gewerke der organisierten Kriminalität, sei das Drogenhandel, sei das Menschenhandel, sei das Umweltkriminalität und andere Formen, letztlich das Ziel haben, sehr hohe Erträge zu generieren.

Beate Kroll (4:59)

Damit die Kriminellen das illegale Geld nutzen können, müssen sie es waschen, also in den legalen Geldkreislauf einspeisen. Wenn Banken- und Zahlungsdienstleister, Notare, Immobilienmakler oder Güterhändler Geldwäsche vermuten, sind sie verpflichtet, die damit verbundenen Personenangaben der FAU zu melden. Die FAU gleicht diese Angaben dreimal am Tag mit Polizeidatenbanken ab.

Daniel Telesklaff (5:26)

Das ist in der Regel das Hit-No-Hit-System. Also wir sehen es nicht alle Details. Müssen wir gar nicht. Sondern wir sehen, die Person ist vermerkt, können dann beim BKA oder beim LK anfragen, ob sie uns dann noch mehr Informationen dazu geben können.

Beate Kroll (5:40)

Der Datenabgleich ist automatisch gesteuert und läuft mithilfe von KI, geht also sehr schnell. Außerdem ist die deutsche Financial Intelligence Unit mit den FIUs anderer Staaten vernetzt, eine weitere Errungenschaft. Im November 2025 sind den Ermittlern dadurch drei international operierende Betrugs- und Geldwäscheringe ins Netz gegangen. Acht Ermittlungsbehörden im Ausland, das BKA, Eurojust und Europol, die deutsche Finanzaufsicht BaFin und die Staatsanwaltschaft Koblenz hatten an dem Fall mitgearbeitet. Ausgelöst durch einen aufmerksamen Mitarbeiter der FIU.

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