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Michel Hampe: «Krise der Aufklärung» – Fortschritt unter Verdacht

Mindmaps: der Philosophiepodcast (RefLab)

September 20, 2026

Kann die Aufklärung ihre eigenen Versprechen noch einlösen – oder muss sie zuerst über sich selbst aufgeklärt werden?

Speakers Manuel Schmid, Heinzpeter Hempelmann

TopicsPhilosophySociety & CultureReligion & Spirituality

Manuel Schmid (0:18)

Hier sind wir wieder, liebe Zuhörerinnen und Zuhörer, liebe Interessierte an der gepflegten philosophischen und theologischen Diskussion. Ich bin verbunden mit Heinzpeter Hempelmann. Hallo Peter.

Heinzpeter Hempelmann (0:33)

Hallo Manuel, ich grüße dich.

Manuel Schmid (0:35)

Schön, dich zu einem weiteren Gespräch von Mindmaps mit an Bord zu haben. Der heutige, wir besprechen ja in dieser Reihe jeweils aktuelle Bücher, die uns zwischen die Finger kommen oder auch von Hörerinnen und Hörern empfohlen werden und die wir für philosophisch und dann auch theologisch sehr ergiebig halten oder auf jeden Fall für besprechenswürdig. Und der heutige Buchtipp kommt von dir, Peter. Du hast vor einiger Zeit mir schon gesagt, also mit diesem Michael Hampe müssen wir uns mal ernsthaft beschäftigen. Ein Buch mit dem Titel Die Krise der Aufklärung über die Fortsetzbarkeit einer Lebensform. Ein Buch, das im letzten Jahr erschienen ist, bei Suhrkamp in Berlin. Und inzwischen, ich glaube, bei der dritten Auflage angekommen ist. Ein Buch, das dich spontan begeistert hat. Und ich muss sagen, ich kann nach meinen Leseversuchen deine Begeisterung durchaus nachvollziehen. Und habe an manchen Stellen auch gedacht, ja, da weiß ich, warum der Peter Freude daran gefunden hat. Also so gut kennen wir uns ja schon, dass ich dann jeweils bei gewissen Aussagen oder auch gerade bei so sehr, sehr kritischen, gegen den Strich gebürsteten Ideen, da denke ich dann, ja, das passt dem Peter ganz bestimmt.

Ja, magst du zum Autor etwas sagen noch einführen und dann versuchen wir, die Grundideen oder das Grundanliegen des Buches ein bisschen zu entfalten und uns dann auch kritisch konstruktiv damit auseinanderzusetzen?

Heinzpeter Hempelmann (2:40)

Ja, das tue ich sehr gerne. Also zunächst mal kann ich das noch unterstreichen, was du gesagt hast. Wir haben es bei Michel Hampe in dieser, wie auch in seinen anderen Veröffentlichungen, mit einem außerordentlich reflektierten, weitausgreifenden Ansatz zu tun, der eine feine Basis ist für weitergehende Klärung. Also man muss nicht mit allem einverstanden sein, aber man erreicht, wenn man sich dieser Veröffentlichung und weiteren von ihnen nähert, ein Reflexionsniveau, das eine tolle Basis dann auch für weitergehende Überlegungen ist. Und insofern freue ich mich, dass du dich auf diesen Vorschlag auch eingelassen hast. Zunächst mal ganz kurz zur Person und zu den wichtigsten Prägungen. Michael Hampel, Jahrgang 1961, seit Juli diesen Jahres im Ruhestand, aber immer noch tätig am Lehrstuhl für Philosophie an der ETH Zürich. Dort lehrt er seit mehr als 20 Jahren, seit 2003

Er hat Philosophie, Psychologie, Germanistik, Biologie studiert, Biologie mit dem Schwerpunkt auf Neurobiologie und Genetik. Und das ist ziemlich wichtig. Ich komme nachher noch mal kurz darauf zurück. Er hat dann 1989 über Alfred North Whitehead, den großen philosophischen Außenseiter, promoviert und 1994 in Heidelberg eine Habilitation vorgelegt. Um ganz grob ein Koordinatensystem zu schaffen und vielleicht auch schon Strömungen anzusprechen, die ihn beeinflusst haben, erstens, Hampe kennt, so wie ich ihn jetzt gerade kurz vorgestellt habe, beide Kulturen, die der Geisteswissenschaften und der Naturwissenschaften. Es gibt ganz wenig Leute, die in dieser doppelten Weise eine Bildung haben. Also auf der einen Seite Literatur, Germanistik und vor allen Dingen Philosophie. Und auf der anderen Seite eben die Naturwissenschaften, die er in Form der Biologie, der Neurologie dann eben vor allen Dingen kennengelernt hat. Das ist das Erste. Das Zweite ist, der amerikanische Pragmatismus hat ihn ganz stark geprägt. John Dewey, darüber hat er glaube ich auch seine Habilitation geschrieben.

John Dewey als Vertreter eines Fallibilismus genannten Denkens, das von der Unvollständigkeit, Fehlbarkeit und grundsätzlichen Korrigierbarkeit allen menschlichen Denkens und Erkennens ausgeht. Und eine vergleichbare Position wie die von Popper, wir kennen Poppers Falsifikationismus. Vielleicht kommen wir am Ende ja auch noch mal dazu, das so ein bisschen zu unterscheiden, nur dass man es ein bisschen einordnen kann. Dieser Dewey ist bei uns in der Kontinentaleuropäischen Philosophie eher weniger bekannt. Und ein dritter Ansatz ist eben der, der ihn sehr stark beeinflusst hat, die Ontologie von Alfred North Whitehead.

Whitehead, der mit wenigen Sätzen formuliert, sagt, die Wirklichkeit besteht nicht wie vom Rationalismus, Decat, Spinoza und so weiter und so weiter, unterstellt aus festen Dingen oder Substanzen, sondern aus dynamischen Prozessen und Beziehungen. Wir müssen die Wirklichkeit dynamisch denken als Prozess, als Entwicklung. Alles, was existiert, ist im Ständigen und werden miteinander verbunden. Also diese drei Marker, auf die werden wir in der Besprechung seiner Position noch treffen.

Manuel Schmid (6:26)

Vielen Dank, Peter, für diese Einführung schon oder Hinführung zu Michael Hampe. Du hast jetzt schon einige sehr vielleicht auch voraussetzungsreiche Begriffe genannt. Wir werden aber jetzt auf diese erkenntnistheoretischen Fragen auf jeden Fall nochmal zurückkommen. Vielleicht kannst du das dann noch ein bisschen mehr ausführen mit Fallibilismus und so, was du da genannt hast. Das versteht sich ja alles nicht unbedingt von selbst. Da geht es um philosophische Konzeptionen, die eigentlich sich mit der Frage beschäftigen, was kann man wirklich mit Gewissheit wissen?

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