"Man! I Feel Like A Woman!" - (Kanada, 1997)
100 Songs - Geschichte wird gemacht
September 30, 2026
Heute Abend möchte sie sich überhaupt nicht politisch korrekt benehmen, sang die kanadische Sängerin Shania Twain 1997 auf "Man! I Feel Like A Woman!". In der konservativen Welt des Country war der Song trotz seiner klassischen Rollenverteilung eine kleine feministische Revolution.
Speakers Stefan Niederwieser, Robert Stadlober, Andrea Warner, Bailen Lennert
TopicsMusic HistoryMusicEducation
Stefan Niederwieser (0:08)
1997 Die USA sind die einzig verbliebene Weltmacht und sie weitet ihre kulturelle Einflusssphäre rund um den Globus aus. Da vereint eine Kanadierin ura-amerikanischen Country und konsumistischen Pop mit kokettem Feminismus und bringt die US-amerikanische Popkultur an den Zenit ihrer Strahlkraft. Das ist eine Geschichte mächtiger Gefühle. Das ist die Geschichte von Man, I feel like a woman.
Let's go, girls.
Robert Stadlober (0:55)
Robert, meist verkauftes Album einer Musikerin aller Zeiten?
Stefan Niederwieser (1:00)
Puh, keine Ahnung, Celine Dion, Britney Spears, Ellenes Morissette, Shania Twain.
Robert Stadlober (1:07)
Let's go, girl.
Die drei genannten Kanadierinnen, also Ellenes Morissette, Celine Dion und Shania Twain, kommen zusammen auf geschätzte 350 Millionen verkaufte Tonträger. Und dabei steht Shania Twain mit ihrem Album Come On Over aus 1997 mit über 30 Millionen gesicherten Verkäufen ganz an der Spitze der ewigen Charts. Dieses Album bringt ganze 12 Singles hervor, über drei Jahre hinweg. Und am erfolgreichsten ist Man, mit einem Ausrufezeichen, I Feel Like a Woman, wieder ein Ausrufezeichen.
Andrea Warner (1:45)
It was kind of tongue in cheek and subversive at the time to be singing that song.
Robert Stadlober (1:52)
Das ist Andrea Warner, eine kanadische Musikjournalistin.
Andrea Warner (1:55)
In der Video ist sie spezifisch mit feminisierten, maskulinen Outfits. Und die ganze Song ist die gentilste Mittelfinger der Patriarchie, die du je hören wirst.
Stefan Niederwieser (2:08)
Schreck, Coquette und er unterläuft die Erwartungen. Shania Twain trägt im Video maskuline Kleidung mit weiblichem Schnitt und es ist der vielleicht sanfte, es ist im Mittelfinger an das Patriarchat, den man sich überhaupt vorstellen kann.
Robert Stadlober (2:22)
Für das Verständnis dieses Songs, Manner Feel Like a Woman, sollten wir vermutlich über das Video reden. Das Video dreht Geschlechterrollen um aus einem 10 Jahre älteren Video, in dem ein britischer Popstar neben sich vier Modelfrauen dirigiert, alle in schwarzem Kleid, roter Lippenstift und es ist ganz klar, er hat hier das Sagen, die anderen sind optischer Aufputz. Shania Twain dreht das um.
Stefan Niederwieser (2:47)
Genau, muss man dazu sagen, dass Mitte der 90er auch generell Campness irgendwie im Mainstream angekommen ist. Es gibt Leute wie David Beckham, der auf einmal Kajal trägt. Es gibt Alternative Bands, die sich ganz klar schminken und femininer geben. Und zu diesem Zeitpunkt, 1997, kommt das quasi richtig an und das benutzt Shania Twain und spielt damit, tanzt quasi zwischen diesen schön hergerichteten Herren, die so tun, als würden sie diese weißen Instrumente spielen und lässt langsam die Hüllen fallen und sagt dann aber eben quasi, Mann, ich fühle mich als eine Frau.
Robert Stadlober (3:49)
Wir hören hier Balen Lennard, aufgewachsen in Tennessee, heute lebte Experte für Country-Music in London.
Bailen Lennert (3:57)
Ich denke, das ganze Sound-Package war neu, als es zum Country-Pop-Star kam. Aber wir hatten auch ein ziemlich neues Format von Kunst, das Video, wo wir dann sehen konnten, dass sie auch nicht so sah, wie wir einen Country-Pop-Star erwartet haben.
Stefan Niederwieser (4:13)
Die späten 90er, sagt er, hier sind der absolute Höhepunkt der Kunstform des Musikvideos. Shania Twain klingt nämlich nicht nur neu, sie verbindet Country mit Rock und Pop, sondern Shania Twain schaut in ihren Videos auch anders aus, als Country-Stars üblicherweise ausschauen.
Robert Stadlober (4:27)
Und Dreh- und Angelpunkt der Aufregung ist ihr Bauchnabel. Die New York Times beschäftigt sich damit. Sie schreibt in einem Artikel, dass Frauen schon seit den 50er Jahren im Country sehr starke Rollen übernommen haben. Beispielsweise Patsy Klein, die so Art Unabhängigkeitserklärungen singt. Coretta Lin schreibt einen Song über die befreiende Macht der Pille. Und jetzt eben würde Shania Twain eine Revolution anführen, die den Feminismus mit Weiblichkeit abmildert.
Und in diesem Artikel heißt es unter anderem.
Stefan Niederwieser (5:03)
Am deutlichsten drückt sich dieser Wandel in einem unwahrscheinlichen Symbol aus, dem Bauchnabel. Als Shania Twain auf einem Cover-Artwork-Cowboy-Hut und hochgeknotetes Top trug, hat sie alle Aufmerksamkeit auf ihren Waschbrettbauch und ihren nach innen gewölbten Nabel gelenkt. Er war schnell das Gesprächsthema in Nashville und hat, ähnlich wie Cowboyhüte, vor einigen Jahren für Männer, viel Kritik auf sich gezogen, wie auch viele Nachahmer.
Andrea Warner (5:30)
Wenn sie eine sehr feminisierte Präsentation hatten, wäre das natürlich gegen sie weiblich, denn das ist, wie Misogynistik funktioniert. Sie machte Country-Pop, das die Scharten dominiert und die Radio verändert hat. Du konntest Shania Twain nicht auf Mainstream-Country-Radio oder Mainstream-Pop-Radio leben, und es war fast unerhört, dass sie in beiden Späten mit dem selben Song leben würde.
Stefan Niederwieser (6:02)
Natürlich wird ihr Aussehen gegen sie verwendet, denn so funktioniert Frauenfeindlichkeit, sagt Andrea Warner.
Denn Shania Twain bedroht den Status quo, indem sie die Radiolandschaft verändert. Vorher waren Country-Pop relativ klar voneinander getrennt, aber ihre Songs sind sowohl da, wie dort zu hören. Also im Mainstream Country, als auch im Mainstream Pop-Radio.
Robert Stadlober (6:40)
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