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Lukas Rick | Psychotherapie & Coaching
July 11, 2024
Meine Seite lukasrick.de Mein Buch Selbstwertgefühl steigern in 10 einfachen Schritten In diesem Podcast erfahrt Ihr Wissenswertes und Hilfreiches zu psychischen Störungen - und wie Ihr besser damit umgehen könnt.
Speakers Lukas Rick
Lukas Rick (0:00)
Ich lese sie vor. Was soll man tun, wenn man merkt, dass die Zwangsstörung auch einem enorme Krankheitsgewinne, auch monetär bringt? Ich denke immer nur durch meine Zwänge konnte ich mein Master mit 1 machen. Und er schreibt weiter, ich hätte nie gedacht, wie intensiv man schließlich an seinen Zwängen hängen kann, auch wenn sie so viel Leid bringen. Irgendwie müsste das normale Leben attraktiver werden als die Neurose. Da steckt ziemlich viel Erfahrung.
In den wenigen Worten, das finde ich ganz spannend. Wir sind naturgemäß mit dem Begriff einer Zwangsstörung oder vielleicht auch Zwangsneurose eigentlich recht schnell in einem Formkreis unterwegs, wo die Hilfestellung für die Betroffenen sehr diffus wird, man mit vielen Oberflächlichkeiten und auch Vorurteilen zu tun hat.
Da ist jemand, der hat Zwangsgedanken, der ist nicht ganz knusper im Kekse nach dem Motto. Das ist überhaupt nicht der Punkt.
Auch hier würde mein erster Schritt in die Richtung sein, wenn jemand auf mich zukommt und sagt, wie kann ich besser mit meiner Zwangsstörung umgehen? Dann wäre auch mein erster Impuls, sich Gedanken darüber zu machen, wie kann man besser mit einer Zwangsstörung umgehen. Aber wir müssen erst mal gucken, hast du überhaupt eine Zwangsstörung? Oder ist das, was du hast, etwas, was man Zwangsstörung nennt?
Und wenn man jetzt den diagnostischen Weg geht, natürlich auch noch mal differenziert, was ist es denn eigentlich? Also nach dem ICD-10, was wir als Diagnoseinstrument nutzen, differenziert man z.B. Zwangsgedanken als eigene Störungsform, Zwangshandlungen als eigene Störungsform und Zwangsgedanken und Handlungen gemischt. Das ist auch dann nochmal eine eigenständige Form. Und auch hier gilt wieder für den Max, es kann sein, dass du an einer Zwangsstörung leidest.
Das bedeutet aber nicht, dass du an einer Zwangsstörung erkrankst, worauf aufbauend dann die Symptome kommen. Sondern du hast Symptome entwickelt, warum auch immer. Und die können im Moment mit dem Begriff einer Zwangsstörung, einer Zwangsneurose diagnostisch gesehen am besten beschrieben werden. Und über diese Beschreibung, die man vielleicht als grobe Orientierung von einem Arzt oder Therapeuten oder Ähnlichem dann noch mitbekommt, haben wir aber noch gar keinen wirklichen Einblick dahinter. Also ich ja jetzt bei dir in Anführungszeichen auch noch gar nicht. Wo kommt denn das eigentlich bei dir her? Und deshalb finde ich diese Frage von dir eigentlich ganz spannend, eben auch noch mal so generell aufzuzeigen. Wie kommt es überhaupt zur Ausprägung einer Zwangsstörung jetzt beispielsweise? Wenn wir mit den wenigen Basisansätzen da drangehen, die ich euch zum Beispiel in diesem unten verlinkten Video, das allerwichtigste Video für dich einmal so aufzeige, dann spielen da drin wenige wesentliche Eckpunkte für mich eine ganz wichtige Rolle.
Dazu kommt, erstens, unser Denken ist hauptsächlich automatisiert. Also das meiste von dem, was du erlebst, denkst du gar nicht, aber dein Kopf erlebt es im Automatikmodus. Und du hast den Eindruck, als würdest du da selber denken, dieser Zustand nennt sich Fusion, haben wir alle im Prinzip den ganzen Tag. Und innerhalb dieses automatisierten Denkens haben wir dann negative Inhalte. Wir springen direkt zum Worst Case, der uns als Möglichkeit erscheint, unter unserem Gehirn. Wir denken in Szenarien, was wäre wenn? Und innerhalb dieser Denkmuster wirst du irgendwann auch mal, und das spielt bei dem Thema Zwangsgedanken eine ganz wichtige Rolle, auch über dein magisches Denken gestolpert sein. Ein Begriff aus der Psychologie, der im Prinzip beschreibt, dass unser Gehirn gerne Wenn-Dann-Muster gibt. Wenn das passiert, dann geht die Sache, die ich da vor mir habe, einfach gut aus, sowas in die Richtung. Und da können sich nachher Zwangsmuster an der Basis erst mal entwickeln, wo vielleicht jemand den Gedanken hatte, wenn ich jetzt das Haus verlasse und hab mein Bügeleisen angelassen, dann hab ich ein richtig dickes Problem. Stimmen tut das. Jetzt bildet in deinem Kopf dein Gedanke ein regelrechtes Bild, wie du siehst, dass dein Haus abbrennt. Um das zu verhindern, gehst du zurück und überprüfst, ob das Bügeleisen aus ist. Jetzt arbeitet unser Kopf aber im Automatikmodus und könnte dir erneut den Gedanken anbieten, hast du das jetzt gerade wirklich ausgemacht oder hast du nur geguckt und warst irgendwie abgelenkt und hast gar nicht richtig kontrolliert. Dann hängst du wieder in der gleichen Schleife drin. Wir müssen einfach jetzt dann davon ausgehen, dass dein Gehirn dir solche und ähnliche Bilder in Rotation anbietet. Was wäre, wenn du vergisst, den Herd auszumachen? Das Bügeleisen ist noch drin. Hast du einen 3D-Drucker am Laufen? Was ist, wenn dir die Bude abbrennt? Wenn du zu diesen gedanklichen Mechanismen keinen Zugang findest im Sinne von ich setze mal einen Unterbrecher, vor allen Dingen das Thema natürlich, ich versuche in Sicherheit zu kommen, indem ich wirklich im Zweifel gehst du halt zu deinen Bügeleisen hin, filmst das, wie du den Stecker rausziehst und fährst dann damit zur Uni. Und wenn dein Kopf sagt, was ist, wenn du das Bügeleisen doch angelassen hast und das Haus brennt ab und du guckst dir das wieder nochmal an, dann hast du im Prinzip den Beweis, das wäre eine Frühmöglichkeit des Unterbrechens. Aber in aller Regel haben wir diese Unterbrecher und Unterbrechungsmöglichkeiten und Situationen in unserem Leben noch gar nicht so wirklich mit drin und kommen dann eben auch möglicherweise an so eine Problematik dran, sodass sich dann darauf so eine Zwangsstörung entwickelt, wie wir sie typischerweise kennen. Was spielt da eben auch noch eine Rolle? Das automatische Denken, dass wir Worst-Case-Szenarien in negativen Sinne angeboten bekommen. Und, jetzt kommt noch ein ganz wichtiger Punkt oben drauf, dein Gehirn will ständig Information verarbeiten. Kriegt dein Gehirn keine neuen Informationen, nimmt dein Gehirn die alten. Bei den Alten zuerst, was das im Relevantesten ist. Relevant ist das, was zuletzt am häufigsten da war und oder quantitativ eben auch daneben emotional stark bewertet worden ist. Heißt, wir haben irgendwann einfach so eine Selbstextremisierung da drin. Wir haben Selbstläufer da drin. Und so kannst du dich dann eben auch in diese Zwangsgedanken mit hineinsteigern.
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