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"In The End" - Linkin Park (USA, 2000)

100 Songs - Geschichte wird gemacht

September 30, 2026

Das Debütalbum der kalifornischen Band Linkin Park markiert einen Wendepunkt in der Entwicklung von Nu-Metal: es verband melodischen, introspektiven Alternative Rock mit Rap und schweren Gitarrenriffs.

Speakers Robert Stadlober, Stefan Niederwieser, Steve Wexman, Patrick Schütz

TopicsMusic HistoryMusicEducation

Robert Stadlober (0:03)

OAF Sound 2000 Das neue Millennium hat begonnen, eine chaotische US-Präsidentschaftswahl wird vom Höchstgericht entschieden, Aktienkurse stürzen ab und die Vereinigten Staaten rücken ins Visier von Terroristen. Nu-Metal wird zum Sound der Stunde und bald schon zum Soundtrack eines Krieges um Öl. Das ist eine Geschichte vom Ende der Geschichte.

Das ist die Geschichte von In The End.

Stefan Niederwieser (0:54)

Wir reden heute über eine Nu-Metal-Hymne.

Robert Stadlober (0:57)

Ja, In The End, It Doesn't Even Matter, singen Linkin Park im Jahr 2000

Ich muss ganz ehrlich zugeben, ich war einer von denen, die mit Nu-Metal, wenn überhaupt, nur ganz kurz etwas anfangen konnten. Dieses Nu in Nu-Metal, das stand ja ursprünglich einfach für viel Groove und schwere Bässe. Für mich war es irgendwie die Fortsetzung vom Crossover. Aber es gibt natürlich progressivere Bands wie Korn oder Deftones, da verstehe ich schon, warum Menschen das gut finden. Aber dann gibt es natürlich auch Bands wie Limp Bizkit, das verstehe ich nicht. Die rappen dann einfach darüber, dass alle und alles Scheiße ist und sie einfach nur Zeug kaputt schlagen wollen. Nu-Metal allerdings ist der dominierende Sound beim legendären Woodstock 99 Festival im Jahre 1999 300 Leute kommen und es ist etwas schlampig organisiert und vor Ort entlädt sich dann die viele aufgestaute Wut. Es gibt unzählige Übergriffe, mehrere Frauen werden vergewaltigt, das Gelände geht in Flammen auf und Fred Durst, der Sänger von Limp Bizkit, stachelt dann das Publikum am zweiten Tag auch noch auf, indem er sagt, lasst eure negative Energie raus.

Ja und danach ist der Ruf von Nu-Metal zu Recht nicht mehr der beste.

Steve Wexman (2:12)

Ich meine, in den USA zumindest, und ich denke, das war ein globaler Phänomen. Es war das ganze Y2K-Tee. Es war eine gewisse apokalyptische Sensibilität.

Stefan Niederwieser (2:23)

Das ist Steve Wexman. Der Amerikaner ist Professor für Musik an der University of Huddersfield.

Steve Wexman (2:34)

Und etwas, das ich denke, In den USA, sagt er, gibt es kurz vor dem Wechsel ins neue Jahrtausend auch eine gewisse Untergangsstimmung, wie etwa die Furcht, dass Computer massenhaft abstürzen könnten.

Robert Stadlober (2:59)

Und ein Song wie In The End ist für ihn wie eine Vorahnung, wie das berühmte Zitat aus der göttlichen Komödie von Dante, ihr, die ihr hier eintretet, lasst alle Hoffnung fahren. Und dieses Gefühl ist im Metal generell weit verbreitet und in gewisser Weise wird sich ja leider diese Vorahnung auch bestätigen.

Stefan Niederwieser (3:18)

Dieser Song In The End entsteht noch vor diesem Desaster namens Woodstock 99 Die Band sucht damals verzweifelt nach einem Label, sie spielen einmal vor einem Haus voller Executives und ihr Sänger trifft überhaupt keinen Ton. Er muss dann wohl oder übel gehen und im März 1999 bekommt ein gewisser Chester Bennington in Arizona einen Anruf. Er stößt dann kurz darauf zur Band.

Patrick Schütz (3:42)

Er kann unglaublich gut clean singen.

Er hat eine sehr, sehr emotionale, große Range. Der kann gut flüstern. Es klingt emotional. Es klingt sehr nah. Es zieht einen rein. Er hat eine unglaublich klare Stimme, wenn er möchte, aber er kann auch unglaublich gut schauten.

Stefan Niederwieser (3:59)

Das ist Patrick Schütz, Musikjournalist beim SWR, dem Südwestrundfunk.

Patrick Schütz (4:04)

Viele Schauter im Hardcore-Bereich, im Metal-Bereich, die schauten halt so. Das ist dann Brüllen.

Aber Chester Bennington konnte dabei auch intonieren. Der hat geschrien und trotz der, er hat Melodien geschrien. Das klingt total bizarr, aber genau das war auch so die Kunst, die er konnte.

Stefan Niederwieser (4:19)

Es gibt bei Linkin Park noch einen zweiten Mann am Mikro. Er heißt Mike Shinoda.

Und durch dieses Zusammenspiel der beiden gibt es gesungene Teile, die manchmal in geschautete Teile oder in gerappte Teile mühelos ineinander übergehen. Und diese Dualität, diese innere Spannung, durchzieht dann nicht nur den Sound, sondern die gesamte Ästhetik der Band.

Patrick Schütz (4:40)

Wir haben harte Gitarren, wir haben aber auch harte Gitarren, die wieder weich klingen. Die spielen unglaublich viel für eine Metalband, unglaublich viel Flageolets.

Also diese Spieltechnik, wo du den Finger nur auf die Seite legst, anzupfst und dann los ist. Dieser glockenklare Klang.

Stefan Niederwieser (5:05)

Dieser Song entsteht im Frühjahr 1999 Mike Shinoda sperrt sich eine ganze Nacht lang in einem Studio in einer ziemlich heruntergekommenen Gegend von Los Angeles ein. Und der Morgen danach ist In The End weitgehend fertig. Was so seltsam ist, ist, dass es fast diese Sachen sagt, dass ich keine Antworten habe. Das ist Mike Gennoda in einem etwas älteren Interview.

Wir wissen nicht, was zu tun ist. Ich denke, das ist ein timelesses und universales Thema.

Robert Stadlober (5:44)

Es ist ziemlich seltsam, sagt er, dieser Song hat nämlich keine Antworten. Normalerweise handelt kein Song davon, dass man keine Antworten hat. Aber dieser Song eben, der kreist um sich selbst und rennt textlich immer wieder im Kreis. Und Mike Shinoda sagt, dass das einfach so war, als er jung war und er keine Ahnung hatte, was er mit der Welt anfangen sollte. Und dass dieses Thema eben, dieses um sich selbst kreisen, ohne Antworten ziemlich zeitlos ist.

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